Channel Fokus: Gaming & eSports Der Höhenflug ist vorerst beendet

Von Klaus Länger

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Der Markt für Gaming-Hardware ist nach seinem Höhenflug während der Corona-Pandemie wieder auf dem Boden der Tatsachen angekommen. Auch hier leidet der Absatz unter der Kaufzurückhaltung der Konsumenten. Aber weniger als in vielen anderen Produktsektoren.

Nach dem Höhenflug der vergangenen zwei Jahre setzt der Gaming-Markt nun wieder zur Landung an.
Nach dem Höhenflug der vergangenen zwei Jahre setzt der Gaming-Markt nun wieder zur Landung an.
(Bild: ratpack223 - stock.adobe.com)

Um satte 18 Prozent ist der Absatz von PCs und Notebooks im EMEA-Raum laut Gartner zurückgegangen. Auch wenn das Minus zu einem Teil aus dem Verkaufsstopp vieler Hersteller in Russland resultiert, bleibt der Rückgang spürbar. Die Marktforscher machen dafür vor allem die Kaufzurückhaltung bei privaten Konsumenten verantwortlich, die angesichts steigender Preise, vor allem für Energie, lieber ihr Geld zusammenhalten. Dazu kommt, dass nun nach dem Ende der ­Corona-Beschränkungen das Gaming wieder Konkurrenz durch andere Freizeitbeschäftigungen wie etwa Reisen bekommen hat.

VR-Brillen: Von der Nische zum Mainstream?

Viele Händler hoffen auf einen Durchbruch von VR-Brillen für das Gaming.
Viele Händler hoffen auf einen Durchbruch von VR-Brillen für das Gaming.
(Bild: de Art - stock.adobe.com)

In unserer Panel-Umfrage zu den Themen ­Gaming und eSports hoffen immerhin 33 Prozent der Partner für die Zukunft auf ein wachsendes Geschäft mit VR-Brillen, die aktuell nur 18 Prozent der Befragten anbieten. Hier spielt sicher auch der Facebook-Konzern Meta eine große Rolle, der dieses Jahr noch eine deutlich schlankere und leichtere Brille auf den Markt bringen will. Denn bislang sind die Brillen bei längerem Tragen immer noch unbequem, was einer der Gründe für ihren Status als Nischenprodukt ist. Allerdings fehlt es immer noch an einer größeren Zahl attraktiver Spiele und vor allem Controller, die eine feinere Kontrolle erlauben, als die bisherigen Produkte. Hier könnten allerdings günstigere Data-Gloves mit haptischem Feedback einen Durchbruch bringen. Bisher kosten solche Handschuhe, wie etwa die Metaglove von Manus, noch mehrere tausend Euro. Einen Aufschwung könnten zudem die neuen Grafikkarten bringen, da VR ­eine deutliche höhere 3D-Performance benötigt, als das Gaming vor dem Monitor.

Achim Reichstein, Einkaufsleiter bei Siewert & Kau, ist beim Thema Virtual Reality und Gaming trotzdem wenig optimistisch. Er sieht den Einsatz der Brillen eher im professionellen Sektor wie der Entwicklung, der Produktpräsentation im virtuellem Raum oder beim Training in der Industrie. Zudem nutzen einige Vergnügungsparks VR-Brillen, um die Immersion zu steigern oder als moderne Form von Paintball.

Die Gaming-Notebooks haben in Deutschland laut Erkenntnissen der GfK in einem zweistellig rückläufigen Gesamtmarkt nach Stückzahlen allerdings kaum nachgegeben. Der Umsatz ist sogar leicht gestiegen, da die Durchschnittspreise angezogen haben. Im Notebook-Gesamtmarkt geht der Rückgang primär auf das Konto der günstigeren Consumer-Notebooks. Die Gaming-PCs mussten dagegen ordentlich Federn lassen – die Stückzahlen sind um etwa 30 Prozent gesunken. Da hier der Durchschnittspreis stärker gewachsen ist als bei den Notebooks, geht der Umsatz nur um etwa 20 Prozent zurück. Eine deutliche Delle gibt es auch bei den Gaming-Monitoren.

Eine Katastrophe stellen diese Zahlen allerdings keineswegs dar. Schließlich ist der Umsatz mit Gaming-Rechnern in den vergangenen beiden Jahren deutlich gewachsen. Daher liegen die Zahlen für PCs und Monitore ungefähr wieder auf dem Niveau von 2019, die der Notebooks aber immer noch deutlich darüber.

Die Zahl der am PC oder Notebook spielenden Menschen ist im gleichen Zeitraum deutlich zurückgegangen, von 16,3 auf 14,3 Millionen. Das vermeldet jedenfalls „Game“, der Verband der deutschen Games-Branche. Gleichzeitig ist die Zahl der Smartphone-Spieler von 19,5 auf ­einen neuen Höchststand von 23,5 Millionen Menschen geklettert. Für das Geschäft mit Gaming-Hardware ist dieser Trend allerdings nicht relevant, da es sich hier überwiegend um Gelegenheitsspieler handelt, die zuvor den Rechner größtenteils nur für Browser-Spiele genutzt haben und auch nie auf die Idee gekommen wären, viel Geld in spezielle ­Gaming-Hardware zu investieren. Anders sieht es bei passionierten Spielern aus, für die das Gaming ein Hobby oder, im Fall von eSports-Athleten oder Streamern, ­sogar eine Erwerbsquelle ist. Diese sind bereit, erhebliche Summen in Rechner, Komponenten oder passende Peripherie zu investieren.

eSports als Mittel zur Kundenbindung

Großereignis: Das Finale des ESL-IEM-Turniers in Köln.
Großereignis: Das Finale des ESL-IEM-Turniers in Köln.
(Bild: Helena Kristiansson)

Trotzdem müssen die Hersteller, die Distribution und die Reseller größere ­Anstrengungen unternehmen, um ihre Hardware an die Kunden zu bringen. ­Eine Möglichkeit neben Preissenkungen ist dabei die Unterstützung von eSports-Teams als Marketing-Maßnahme. Die nun wieder stattfindenden großen ­eSports-Events ziehen enorme Besuchermassen an. So vermeldet ESL Gaming für das Intel Extreme Masters (IEM) Cologne 2022 mehr als 1,25 Millionen Online-Zuschauer und eine ausverkaufte Lanxess-Arena in Köln mit etwa 35.000 Fans beim Finale. Und diese Fans sind natürlich zu einem guten Teil selbst Gamer, die sicher auch gerne mit derselben Hardware spielen, wie ihre favorisierten Teams oder zumindest mit Produkten derselben Marken, falls sie sich die Highend-Geräte nicht leisten können.

Kommende AMD- und Intel-Prozessoren für Gamer

Eine Ursache für die Kaufzurückhaltung bei Gaming-Desktop-PCs könnte darin liegen, dass passionierte ­Gamer immer die schnellsten Komponenten in ihren Rechnern haben wollen, wenn sie schon viel Geld ausgeben und auf die nächste Hardware-Generation warten. Denn die neuen Prozessoren und Grafikkarten stehen bereits in den Startlöchern.

Den Anfang wird AMD mit den Ryzen-CPUs der Serie 7000 mit dem Codenamen Raphael machen, für die der Vorhang im September fallen wird. Die Compute-Dies mit Zen-4-Mikroarchitektur fertigt TSMC in einem 5-nm-Verfahren, was höhere Taktfrequenzen im ­Bereich von 5,5 GHz möglich macht. Die Ryzen-7000-Prozessoren kommen mit DDR5- und PCI-Express-5.0-Unterstützung. DDR4-SDRAM wird prinzipiell nicht unterstützt. Das macht eine neue Plattform mit Sockel AM5, und somit neue Mainboards, nötig, die auch mit der höheren Leistungsaufnahme zurecht kommen. Einige Hersteller haben ihre Platinen mit X670- oder X670-Extreme-Chipsatz bei einem Online-Event mit AMD bereits vorab präsentiert.

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Vielleicht noch im Oktober folgt Intel mit Raptor Lake, den Core-Prozessoren der 13. Generation. Sie sind sockelkompatibel zu Alder Lake und werden wie dieser im Intel-7-Verfahren hergestellt. Allerdings verdoppelt der Hersteller bei den Spitzenmodellen die Zahl der E-Cores von acht auf 16. Deren Gracemont-Architektur übernimmt Intel von Alder Lake. Die Performance-Cores, hier bleibt es bei acht, bekommen ein Update bei der Mikroarchitektur, die sich jetzt Raptor Cove nennt. Zudem vergrößern sich L2- und L3-Cache auf voraussichtlich 32 beziehungsweise 36 MB. Dadurch wird der Die um etwa 25 Prozent größer, was ihn in der Herstellung teurer macht, aber die Kühlung erleichtert. Auch beim Intel-Prozessor sind Turbo-Taktraten von etwa 5,5 GHz zu erwarten.

Die neuen CPUs werden auf jeden Fall den Verkauf schneller DDR5-Speichermodule beflügeln, die gerade von etlichen Herstellern vorgestellt werden.

Noch in der Warteschleife: Die nächste Grafikkartengeneration

Die neuen Grafikkarten von Nvidia und AMD werden wohl erst zum Weihnachtsgeschäft auf den Markt kommen, so zumindest Branchengerüchte. Das würde dem Handel die Chance geben, noch auf Lager liegende Karten von AMDs ­RDNA-2- und Nvidias RTX-3000-Generation zu verkaufen, bevor die neuen ­Modelle verfügbar sind.

AMD hat Anfang Juni beim Financial Analyst Day 2022 einige Details zu den RDNA-3-GPUs verraten, die das Kernstück der kommenden RX-7000-Karten bilden werden. TSMC fertigt die GPUs in einem 5-nm-Verfahren für AMD und sie werden aus mehreren Chiplets bestehen. Zudem gibt es eine optimierte Grafik-Pipeline und einen Infinity-Cache. Das alles soll zu einer um 50 Prozent höheren Leistung pro Watt führen. Da die Leistungsaufnahme der Top-Grafikkarten wohl ebenfalls nach oben geht, dürfte der Leistungszuwachs gegenüber den RX-6000-Modellen wohl noch höher liegen.

Nvidia hat bislang zu den neuen Consumer-GPUs mit dem Codenamen Ada ­Lovelace noch nicht viel verraten. Allerdings lassen erste Leaks vermuten, dass bereits eine RTX 4070 die Performance einer heutigen RTX 3090 Ti erreichen könnte. Bei Intel gibt es sogar ein noch größeres Fragezeichen bezüglich der kommenden Gaming-Grafikkarten Arc A770 und A750 mit Alchemist-GPU. Denn die bisher nur in China verkauften A380-Einsteigerkarten fielen bei ersten Tests vor allem wegen der miserablen Qualität der Treiber durch. Unter Umständen schiebt die Firma den für September geplanten Launch der primär für das OEM-Geschäft bestimmten Karten noch nach hinten.

Daher ist davon auszugehen, dass das ­Geschäft mit Mainboards, Speicher, Gehäusen und weiteren Komponenten erst zum Jahresende anziehen wird. Bei den Gaming-Monitoren könnte es dagegen so sein, dass die Kunden bei attraktiven Angeboten mit höheren Auflösungen und vor allem schnellen Bildwiederholraten schon jetzt zuschlagen.

Stimme aus der Distribution

Achim Reichstein, Einkaufsleiter bei Siewert & Kau
Achim Reichstein, Einkaufsleiter bei Siewert & Kau
(Bild: Siewert & Kau)

Der Markt für Gaming-Hardware schwächelt in einigen Bereichen und ist insgesamt nicht stabil. Einen Rückgang der Nachfrage beo­bachten wir vor allem bei E-Tailern aber auch einem Teil der Systemintegration. Hier ist das Bild allerdings uneinheitlich: Einige verlieren stark, andere gleichen das teilweise wieder aus. Bei den Produktgruppen sind davon sowohl Komponenten als auch Peripheriegeräte betroffen. Der Markt für Monitore und Eingabegeräte wächst derzeit nicht mehr. Einige Hersteller steuern hier mit Supportaktionen für den Handel und mit Preissenkungen gegen. Ohne diese geht es derzeit nicht – auch nicht bei Gaming-Notebooks oder PCs. Besonders deutlich fallen die Endkundenpreise bei Highend-Grafikkarten, die ja im letzten Jahr extrem teuer waren. Hier liegen die Top-Modelle inzwischen sogar unter dem UVP zur Markteinführung.

Allerdings erwarten wie einen Aufschwung durch die kommende Prozessor- und Grafikkartengeneration. Denn beim Gaming gibt es viele Kunden, für die nur die Leistung zählt und die dann bereit sind, viel Geld dafür auszugeben. Und die warten bereits auf Ryzen 7000, Intel Raptor Lake, AMD RDNA 3 und vor allem auf Nvidias RTX 4000. Deswegen auch der starke Preisrückgang bei Karten wie der RTX 3090 Ti. Wer bis zu 2.000 Euro in eine Grafikkarte investiert, der will dann auch die neuste Technik und die maximale Leistung haben. Und die werden die Karten der RTX-4000-Generation auf jeden Fall liefern.

Der Generationswechsel bei CPU und GPU wird die Nachfrage nach weiterer Hardware ebenfalls beleben. Beispiele sind hier passende Mainboards, DDR5-Speicher und Netzteile. Aber auch für Gaming-Monitore könnten die neue Grafikkarten einen erneuten Schub bedeuten. Denn mit Ihnen kann man auch in 4K-Auflösung mit hohen Bildwiederholraten spielen. Vielleicht sehen wir ja schon bald die ersten 8K-Monitore mit großen Diagonalen ab 32 Zoll, aber aktuell ist die OLED-Technologie, das, was als nächstes Einzug in den Breitenmarkt findet.

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