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Zeit und Vertrauen
Das Dilemma ist nun folgendes: Gegen solche eher irrational geprägten Vorurteile hilft im Prinzip nur eins: Vertrauen. Aber wie wir alle wissen, gehört zu dessen Aufbau vor allem eins: Zeit. Womit wir wieder beim Ausgangspunkt wären: Wer in zwei Jahren den Umsatzanteil verdoppeln will, dem bleibt fast keine Zeit für vertrauensbildende Maßnahmen, die aber wiederum Voraussetzung für solides Wachstum sind. Man darf gespannt sein, wie Dell diesen Knoten durchschlagen will.
Unterstützung gibt es von ganz oben – auf das Unternehmen bezogen. Michael Dell weiß ganz genau, dass sein „Baby“ nicht mehr von der direkten „Muttermilch“ allein genügend wachsen kann. Es braucht dringend indirekte „Zusatzkost“. Und deshalb hat sich der einstige Direktvertriebs-Pionier mittlerweile zum glühender Anhänger von Distributoren und Resellern gewandelt.
Allein auf weiter Flur
Produktseitig ist Dell seit ein paar Tagen der letzte verbliebene Vollsortimenter. Ähnlich wie bis vor kurzem HP deckt der Anbieter die Bereiche Clients (Tablets, Notebooks, Thin Clients und PCs), Server, Storage, Netzwerke und Software ab. Dazu kommen die Service-Angebote, die aber im Fachhandels-Umfeld ein sensibles, um nicht zu sagen heikles Thema sind.
Nachdem HP soeben – und teilweise nach den folgenden Interviews mit den Dell-Verantwortlichen – bekannt gegeben hat, sich in zwei voneinander unabhängige Firmen splitten zu wollen (siehe Seite 16), ist Dell aktuell der einzige „End-to-end“-Anbieter, der ein breites Portfolio sowohl für das Consumer-Segment als auch für den professionellen Bereich besitzt. Ein Pfund, mit dem Dell wuchern will. Inwieweit dies tatsächlich ein Wettbewerbsvorteil ist, muss sich noch herausstellen.
Voll im Mainstream
Ein anderes Alleinstellungsmerkmal verliert Dell allerdings mit diesem Schwenk zum gemischten Vertriebsmodell. Groß geworden ist das Unternehmen nicht durch technische Innovationen, brillante Produkte oder wegweisendes Design, sondern durch clevere Logistikprozesse und Vertriebsstrukturen für das Direktgeschäft. Die Herausforderung wird also sein, diesen Erfahrungsschatz zu nutzen und ihn auch auf indirekte Prozesse abzubilden und entsprechend umzusetzen.
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