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ITB: Wo lagen die größten Unterschiede bei den Tools?
Heeren: Der Funktionsumfang und die Laufzeit der Verfahren boten die größten Überraschungen. Zahlreiche, mitunter gravierende Einschränkungen in der Funktionalität sind aus den Produktbeschreibungen mancher Hersteller gar nicht oder nur sehr mühsam herauszulesen. SAP BW und KNIME stellen beispielsweise keine Sequenzanalyse zur Verfügung, sodass etwa der zeitliche Abstand zwischen Kauftransaktionen nicht ausgewertet werden kann. Viele typische analytische Anwendungsszenarien im Umfeld des Cross- und Upselling, aber auch im Risiko-Management oder in der Betrugserkennung bei Banken und Versicherungen lassen sich somit überhaupt nicht durchführen. Auch die zum Teil gravierenden Unterschiede in der Laufzeit sind in der Praxis ein entscheidender Faktor – gerade bei Assoziationsanalysen, die typischerweise mehrere Millionen Transaktionen in kurzer Zeit analysieren müssen.
ITB: Wie schnitten denn Open-Source-Tools im Vergleich zu den kommerziellen Lösungen ab?
Heeren: In dem von uns getesteten Szenario gibt es beispielsweise für das Open-Source-Tool KNIME noch deutlichen Nachholbedarf: Neben der unzureichenden Dokumentation zeigte KNIME besonders bei der Ergebnisauswertung und -interpretation Schwächen. Auch die Datenvorverarbeitung dauert deutlich länger als mit kommerziellen Tools.
ITB: Worauf sollten Anwender bei der Auswahl ihrer DM-Lösung achten?
Heeren: Nach wie vor gilt, dass der Anbietermarkt nicht nur breit gefächert ist, sondern auch eine große „Artenvielfalt“ an Lösungen umfasst. Für Anwender ist die Auswahl daher nicht einfach. Das Wichtigste ist, dass man sich darüber klar wird, für welchen Zweck die Analyse-Software vorrangig eingesetzt werden soll: Verbundkaufanalysen à la Amazon erfordern andere Schwerpunkte als Prognosemodelle im Marketing oder Zeitreihenanalysen bei einer Versicherung. Hier geht es um Aussagen wie „Kunden, die dieses Produkt angesehen haben, kauften auch die folgenden...“. Im Praxistest entpuppte sich bei einigen Tools besonders die Fähigkeit, große Datenmengen ohne Abbrüche in angemessener Zeit zu analysieren, als Achillesferse. Bei der Auswahl sollte also, bei entsprechendem Bedarf, die Skalierbarkeit unbedingt mit geprüft werden.
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