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Debatte über die Rollen von Kunde und Systemhaus
Saxes These wurde von einigen, aber nicht von allen Systemhausvertretern geteilt. Für Innovationen, die das Business-Modell betreffen, sei der Kunde selbst zuständig, lautete die Gegenposition. Systemhäuser müssten die spezifischen Prozesse ihrer Kunden nicht in der Tiefe kennen. IT-Dienstleister kämen erst dann ins Spiel, wenn es darum gehe, die geeigneten IT-Systeme auszuwählen und zu implementieren.
Dieser Position widersprach Saxe. Er wünscht sich Systemhäuser, die sich mit den Geschäftsprozessen des Kunden befassen und, davon ausgehend, einen „Bebauungsplan“ für dessen IT erstellen. Freilich bleibe ein Unternehmen für sein Business-Modell verantwortlich, räumte der Hamburger CIO ein. Ein IT-Dienstleister sollte aber die Technologie und die Möglichkeiten, die es für Prozessinnovationen bietet, besser einschätzen können als der Kunde. Saxe: „Wenn der Bebauungsplan schon steht, kommen Sie als Systemhaus zu spät.“
Einige Summit-Teilnehmer stimmten der Forderung durchaus zu, dass Systemhäuser sich mit den Aufgaben eines Business-Innovators auseinandersetzen sollten. Sich auf die Rolle als Experte für IT-Infrastruktur zurückzuziehen, reiche auf Dauer nicht aus, mahnte ein Manager. Für die neuen Anforderungen sei allerdings mehr Beratungskompetenz erforderlich, als sie Systemhäuser heute vielfach besitzen. Grundsätzlich stelle sich für die Unternehmen die Frage, ob sie eigene Consulting-Teams aufbauen oder stattdessen strategische Partnerschaften mit Beratungshäusern eingehen sollten.
Kunden treiben die Innovation
Bereits zuvor wurde auf dem Summit mehrfach darauf hingewiesen, dass sich der Markt auf Anwenderseite gerade verändert. Viele Entwicklungen würden aktuell durch Kunden und nicht durch IT-Anbieter getrieben, beobachtete ein Teilnehmer: „Ich habe zuvor noch nie erlebt, dass Kunden innovativer sind als wir.“ Entscheidungen würden dabei vermehrt in den Fachabteilungen getroffen. Daran müssten sich Systemhäuser gewöhnen und lernen, die Sprache der Kunden zu sprechen, hieß es weiter. In Projekten gehe es primär um die Prozesse der Unternehmen. Die IT sei dabei kein Selbstzweck, sondern nur ein Werkzeug.
Von den Erfahrungen auf Anwenderseite war auch die bedenkenswerte Keynote von Dr. Andreas Resch, Managing Partner des Beratungshauses Modalis, geprägt. Der frühere CIO des Bayer-Konzerns regte an, „einige Traditionsfragen für die IT neu zu formulieren“. Aktuelle nimmt Resch einen Paradigmenwechsel in den IT-Organisationen wahr, was die Bedeutung der Funktion gegenüber der Integration betrifft. In der IT nehme man Abschied davon, „dass alles rigoros integriert sein muss“. Ausdrücklich begrüßte der Berater diesen Mentalitätswandel. Denn das Prinzip, Integration gehe vor Funktion, sei „eine der größten Barrieren der Transformation“.
Abstrakt-theoretisch wurde es beim Vortrag von Prof. Dr. Manfred Broy, Dozent für Informatik an der TU München. Im Mittelpunkt seiner Keynote standen Service-orientierte Architekturen für Cloud-Anwendungen. Dabei brach Broy eine Lanze für stark modularisierte Systeme, die flexibel erweiterbar sind. Zudem ging der Hochschullehrer darauf ein, wie Business-Innovationen durch vernetzte Geschäftsmodelle ermöglicht werden.
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