Trends 2026 Compliance 2026: Darauf sollten Unternehmen achten

Von Agnes Panjas 4 min Lesedauer

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Mehr Regeln, mehr Verantwortung, mehr Tech: 2026 zieht die Compliance-Schraube an. EU-AI-Act, ESG, Due Diligence und Anti-Fraud geben den Takt vor. Moritz Homann von der EQS Group zeigt drei Trends auf und übersetzt sie in konkrete To-dos.

Was sind die wichtigsten Entwicklungen für die Compliance in Unternehmen im Jahr 2026?(Bild:  Canva / KI-generiert)
Was sind die wichtigsten Entwicklungen für die Compliance in Unternehmen im Jahr 2026?
(Bild: Canva / KI-generiert)

Im Jahr 2026 werden eine Vielzahl nationaler und internationaler Regulierungsvorhaben zusammenlaufen und sich parallel auf die Unternehmenspraxis auswirken. Weltweit treten neue Vorschriften in Kraft – einige davon in strenger Form, andere aktuell noch im politischen Prozess und möglicherweise abgeschwächt. Doch es ist insbesondere ihr Zusammenspiel, das die Komplexität für Unternehmen erheblich erhöhen wird.

KI‑Regulierung, Anti‑Fraud, Lieferketten‑Transparenz sowie erweiterte ESG‑ und Datenschutzpflichten greifen zusammen. Gefordert ist eine kontinuierliche, funktionsübergreifende Compliance‑Steuerung, die globale und lokale Vorgaben verbindet – sonst drohen Bußgelder und Reputationsschäden. In Deutschland kommen u. a. der AI Act (voraussichtlich ab August), angepasste CSRD‑Schwellenwerte, das Lieferkettengesetz sowie NIS2, MiCA, DORA und schärfere AML‑Regeln. Die folgenden drei Trends zeigen, wie sie sich jetzt vorbereiten sollten.

1. Ethik als neue Leadership-Währung

Führungskräfte werden zunehmend nach ihrem tatsächlichen Verhalten bewertet – reine Unternehmensbotschaften reichen nicht mehr aus. Ethisches Handeln, gelebte Unternehmenskultur und Verantwortungsbewusstsein sind zentrale Faktoren für Vertrauen und nachhaltigen Unternehmenserfolg. Studien zeigen, dass verantwortungsvolles Handeln von Führungskräften die Bindung der Mitarbeitenden stärkt und das Vertrauen in die Organisation erhöht.

In vielen Unternehmen fließt ethisches Verhalten inzwischen direkt in die Bewertung von Führungskräften, die Nachfolgeplanung und das Talentmanagement ein. Indikatoren wie Feedback-Kultur, Umfragen oder Disziplinarmaßnahmen gewinnen intern und extern an Bedeutung. Unklares oder inkonsistentes Verhalten wird nicht mehr als „weicher Faktor“ behandelt, sondern als konkretes Risiko für Kultur, Governance und Compliance.

Gerade vor dem Hintergrund der regulatorischen Landschaft in Deutschland – etwa dem Schutz von Hinweisgebern und die stärkere Berücksichtigung von Integritätskennzahlen in der Berichterstattung – wird ethisches Verhalten noch wichtiger. Führungskräfte benötigen dafür klare Leitlinien, die Erwartungen, Entscheidungsstandards und den Umgang mit Interessenkonflikten definieren. Nicht nur Compliance, sondern auch Ethik sollte zudem Teil der täglichen Routinen sein – etwa durch regelmäßige Townhalls, Management-Updates und Team-Dialoge. Transparente Prozesse zur Aufarbeitung von Fehlverhalten tragen dazu bei, dass Verantwortlichkeit sichtbar und nachvollziehbar bleibt.

2. AI Governance: Von Regulierung zu verantwortlicher Praxis

Mit dem AI Act, der voraussichtlich ab 2026 in Kraft tritt, werden verbindliche Regeln für den Einsatz von Hochrisiko-KI-Systemen eingeführt. Unternehmen müssen für Transparenz sorgen, ihre KI-Systeme dokumentieren, regelmäßig testen und menschliche Kontrolle sowie laufendes Monitoring sicherstellen. Auch außerhalb der EU entstehen ähnliche Vorgaben, etwa in den USA und Großbritannien. Ethische Aspekte wie Fairness und Nachvollziehbarkeit werden zum festen Bestandteil der gesetzlichen Anforderungen.

Für Unternehmen bedeutet das: Sie müssen alle eingesetzten KI-Systeme erfassen, deren Risiken bewerten und klare Verantwortlichkeiten für Entwicklung, Einkauf und Betrieb festlegen. Besonders für Hochrisiko-Anwendungen sind umfassende Dokumentation, Tests und ein strukturiertes Vorgehen bei Vorfällen Pflicht. Auch hier verteilen sich die Zuständigkeiten auf verschiedene Abteilungen wie HR, Einkauf, IT und Recht.

In Deutschland übernimmt die Bundesnetzagentur die Marktüberwachung für KI-Systeme und der Whistleblower-Schutz wird auf KI-Verstöße ausgeweitet. Praktisch empfiehlt sich ein zentrales KI-Risiko-Register, definierte Approval-Workflows für neue oder geänderte Systeme und klare Standards für externe Anbieter. Regelmäßige Prüfungen auf Verzerrungen und Auswirkungen – vor allem in sensiblen Bereichen wie Personal, Kredit oder Versicherung – sind ebenso wichtig wie gezielte Schulungen für Führungskräfte und Systemverantwortliche.

3. Daten in Führungs-Insights verwandeln – und Wirksamkeit messbar machen

Compliance-Daten wie Hinweise aus Whistleblowing, Policy-Bestätigungen, Trainingsverhalten oder Third-Party-Risikosignale werden zur Grundlage, um Kultur, Integrität und Führungserfolg zu bewerten. Führungsgremien erwarten zunehmend konsolidierte Berichte zu Risiko- und Integritätsindikatoren, und Aufsichtsbehörden setzen verstärkt eine datenbasierte Überwachung voraus.

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Gleichzeitig verschiebt sich der Fokus von „Output” zu „Outcome”: Unternehmen müssen nicht mehr nur nachweisen, dass Maßnahmen stattfinden – etwa wie viele Trainings durchgeführt oder wie viele Richtlinien aktualisiert wurden. Entscheidend wird, welche Wirkung sie zeigen: Verändert sich das Verhalten? Werden Fehlentwicklungen verhindert? Das US-Justizministerium (DOJ) hat diesen Anspruch in seinen aktualisierten Compliance-Guidelines besonders klar formuliert: Entscheidend sind nachweisbare Ergebnisse, nicht Aktivitätsnachweise.

Für Unternehmen bedeutet das: Sie benötigen integrierte, vergleichbare Daten, die nicht nur Aktivitäten dokumentieren, sondern Wirksamkeit sichtbar machen – etwa durch Mustererkennung über Regionen, Geschäftsbereiche und externe Partner hinweg.

Europäische Vorgaben verstärken diesen Trend: Die angepasste CSRD und die European Sustainability Reporting Standards (ESRS) verlangen verifizierbare, konsistente Nachhaltigkeitsdaten, der AI Act führt Dokumentations- und Loggingpflichten für KI-Systeme ein, und NIS2 verschärft die Anforderungen an Cyber-Monitoring sowie Incident-Reporting.

Was sollten Unternehmen tun?

Praktisch sollten Unternehmen ein integriertes Reporting zentraler Kennzahlen aufbauen – darunter Fallzahlen, Bearbeitungszeiten, Meldeschritte, Trainingsbeteiligung, wiederkehrende Policy-Lücken oder KI-bezogene Vorfälle. Entscheidend ist eine hohe Datenqualität durch standardisierte Erfassung, klare Definitionen und eine funktionsübergreifende Governance. So lassen sich Risiken frühzeitig erkennen – und die Effektivität des gesamten Compliance-Programms nachweisen.

Compliance wird komplexer

Compliance wird 2026 komplexer – und zugleich essenziell für den langfristigen Unternehmenserfolg. Wer Prozesse, Dokumentation und Zusammenarbeit abteilungsübergreifend professionalisiert, ethisches Verhalten fördert und Compliance-Daten strategisch nutzt, ist für die neuen Anforderungen besser vorbereitet. Die gesetzlichen Vorgaben und Vorhaben in Deutschland und der EU machen deutlich, dass nachhaltiger Erfolg nur mit einer ganzheitlichen und verantwortungsvollen Unternehmensführung möglich ist.

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