Verstößt VMware by Broadcom gegen EU-Wettbewerbsrecht? CISPE reicht Kartell­beschwerde gegen Broadcom ein

Von Elke Witmer-Goßner 3 min Lesedauer

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CISPE, der europäische Cloud-Verband, wirft Broadcom vor, mit neuen VMware-Lizenz- und Partnerregeln den Wettbewerb zu verzerren und europäische Anbieter zu verdrängen. CISPE fordert wegen der ernsten Lage Sofortmaßnahmen gegen Broadcoms „fortgesetzten Missbrauch“.

Der Branchenverband CISPE befürchtet eine Monopolbildung bei Virtualisierungssoftware und hat deswegen eine Wettbewerbsbeschwerde bei der EU gegen Broadcom eingereicht.(Bild: ©  noah9000 - stock.adobe.com)
Der Branchenverband CISPE befürchtet eine Monopolbildung bei Virtualisierungssoftware und hat deswegen eine Wettbewerbsbeschwerde bei der EU gegen Broadcom eingereicht.
(Bild: © noah9000 - stock.adobe.com)

Mit der bei der Generaldirektion Wettbewerb (DG Competition) der EU eingereichten Beschwerde eskaliert ein Konflikt, der Europas Cloud-Ökosystem direkt trifft. Zentraler Vorwurf des Branchenverbands ist, dass Broadcom seine Marktmacht rund um VMware-Virtualisierung missbrauche und Anbieter sowie Kunden in unfaire Konditionen zwinge.

Partnerausschluss und weniger Wahl für Kunden

Auslöser ist laut CISPE die Anfang dieses Jahres erfolgte Ankündigung Broadcoms, das VMware Cloud Service Provider Programm (VCSP) in Europa zu beenden. In Kombination mit massiven Preissteigerungen, Produktbündelungen und verpflichtenden Vorauszahlungen sowie Mindestabnahmen, die sich an erwarteter statt tatsächlicher Nutzung orientieren, hätten sich die Kosten für Marktteilnehmer drastisch erhöht. CISPE spricht von kumulierten Belastungen von mehr als 1.000 Prozent und davon, dass viele europäische Provider über Nacht wesentliche Umsätze verlieren könnten.

Nach Darstellung des Verbands werden durch die Neuordnung nur noch wenige, ausgewählte Partner zugelassen, während die Mehrheit europäischer Cloud-Anbieter VMware nicht mehr weiterverkaufen kann. Das wirke sich unmittelbar auf Verfügbarkeit und Auswahl für Kunden aus, die auf VMware-Virtualisierung angewiesen sind, darunter Unternehmen und öffentliche Einrichtungen.

Nach Einschätzung von CISPE werde dieser Schritt zahlreiche europäische Cloud-Anbieter zum Marktausstieg zwingen. In einigen Märkten könnten faktische Monopole entstehen, in denen Anbieter vollständig von Broadcom abhängig sind. Entgegen Broadcoms Darstellung, damit Europas „Sovereign Cloud“ aufzubauen, zerstöre dieses Vorgehen Europas strategische Autonomie und stärke die Dominanz außereuropäischer Anbieter.

Forderung nach einstweiligen Maßnahmen gegen Marktschäden

CISPE drängt auf schnelle Zwischenentscheidungen der EU, um die Kündigung des Partnerprogramms auszusetzen, europäischen Cloud-Anbietern wieder den Zugang zum VMware-Vertrieb zu ermöglichen und kleinere Anbieter über ein „White Label“-Modell erneut einzubinden. Zusätzlich verlangt der Verband Schutz vor möglichen Vergeltungsmaßnahmen und wirksame Durchsetzung, damit Anbieter und Kunden sich ohne Angst vor Repressalien äußern und handeln können.

Unterstützung aus Verbänden und von Kundenseite

Rückenwind sieht CISPE durch bereits bestehende Beschwerden, darunter die Eingabe von Voice e.V. aus Deutschland. Auch Verbände aus Belgien, den Niederlanden und Dänemark beschreiben die Lage als außergewöhnlich belastend, weil kurzfristige Änderungen bei Preisen, Lizenzen und Prozessen die Planbarkeit zerstörten und Anbieter in Vertrags- und Lieferprobleme drängten.

CISPE-Generalsekretär Francisco Mingorance fordert eine rasche Intervention und spricht von einem finalen Schlag gegen das bestehende Ökosystem. Vertreter mehrerer europäischer Cloud- und CIO-Verbände warnen ebenfalls vor weiter steigenden Kosten, zunehmender Abhängigkeit und dem Risiko, dass Europas digitale Souveränität geschwächt statt gestärkt wird. Weitere Informationen zur Kampagne bietet CISPE unter dontbebullied.cispe.cloud.

Zweite Wettbewerbs-Beschwerde

Bereits 2022 hatte der Verband eine Wettbewerbsbeschwerde gegen einen dominanten US-Anbieter eingereicht, der über Vertrags- und Lizenzbedingungen die Kontrolle im europäischen Cloud-Markt ausbauen wollte. Microsoft, so CISPE, nutze seine beherrschende Stellung bei Produktivitätssoftware, um europäische Kunden auf seine eigene Azure-Cloud-Infrastruktur zu lenken, zum Nachteil der europäischen Cloud-Infrastruktur-Anbieter und Nutzer von IT-Diensten. Änderungen an den Microsoft-Lizenzen, die ab dem 1. Oktober 2022 in Kraft traten, hätten die Situation insofern verschärft, dass damit neue Formen der Kopplung, Bindung und eines Wegfalls der Wahlmöglichkeiten für Kunden erfolgten.

Interessanterweise verglichen sich der Softwarekonzern und CISPE zwei Jahre später – eine Zahlung von 20 Millionen Euro soll an den Verband geflossen sein. Inzwischen ist Microsoft sogar Mitglied im CISPE.

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