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... Partner kommen langsam
Bislang war die Heimvernetzung fest in der Hand von Elektro-Fachbetrieben, nun drängen auch die IT-Hersteller und deren Partner in den Markt. Armin Anders, Vice President und Mitbegründer von Enocean: „Wir stellen die Funkmodule zur Verfügung, die unsere Partner wie Eltako oder Thermokon in ihre Produkte wie zum Beispiel Taster und Sensoren einbauen. Diesem System kann dann ein Datensammler, ein so genanntes Gateway, hinzugefügt werden – und hier haben wir dann die Schnittstelle zur IT.“ Das Gateway verfügt darüber hinaus noch über eine Schnittstelle ins Internet, und mit Hilfe von Apps können so die Sensoren ferngesteuert werden.
Anders bricht dabei eine Lanze für ein offenes System: „Das Thema Smart Home kann nur über offene Schnittstellen funktionieren, wie wir von Enocean diese bieten. Denn hier spielen viele unterschiedliche Kompetenzen eine Rolle. Ein IT-Dienstleister und ein Elektro-Installateur kommen aus zwei völlig unterschiedlichen Welten, die können nur über offene Schnittstellen kommunizieren. Künftig wird man wohl mindestens zwei Funktechnologien innerhalb eines Smart Homes benötigen. Eine, die hohe Datenraten übertragen kann – da hat sich WLAN etabliert. Und eine zweite, die mit möglichst wenig Energie auskommt, wie das zum Beispiel unsere Module gewährleisten.“ Über ein Gateway können diese beiden Übertragungsstandards dann zusammengeführt und mit Hilfe von Apps zentral gesteuert werden.
Offenen Standards gehört die Zukunft
Aus diesem Grund sieht der Enocean-Mitgründer auch wenig Chancen für sogenannte Closed-Shop-Systeme, also in sich geschlossene Systeme, wie sie von zahlreichen Anbietern im Moment im Markt positioniert werden. „Ich glaube nicht, dass das nachhaltig ist. Denn spätestens wenn jemand sein gesamtes Haus damit ausrüsten möchte, stößt er an die Grenzen dieser Systeme, die keine offenen Schnittstellen besitzen. Da braucht man einen Produkt-Katalog mit mehr als 1.000 Bestellpositionen. Da können nicht interoperable Starter-Packs nicht mithalten.“ Dennoch haben die Starter-Packs einen Vorteil: Sie bereiten den Markt, ziehen die Aufmerksamkeit der Verbraucher auf sich und wecken Begehrlichkeiten.
Neben der Vielfalt der Produkte vom Einfachrahmen über Aktoren, Jalousiensteuerungen und vielem mehr, gibt es noch ein weiteres Indiz für nachhaltige Systeme: einen langen Lebenszyklus. „In der Elektrobranche kennt man Produktzyklen von zehn bis 20 Jahren. Die Protokolle sind hier daher immer rückwärtskompatibel ausgelegt. Selbst wenn sie ein neues Gerät definieren, werden die alten Funktionalitäten unterstützt.“
Das Ganze hat dann natürlich seinen Preis, auch wenn man die Kosten relativieren muss, wie Anders findet: „Wenn ich neu baue, dann benötige ich zum Beispiel sowieso Rohrmotoren für die Jalousie. Wenn man daran dann ein Enocean-Modul anbringt, sind die Kosten dafür vergleichsweise gering.“ Rüstet man ein bestehendes System auf, so benötigt man laut Anders nur noch ein Gateway, das die Systeme ansteuert.
Sicherheit als Markttreiber
Neben den Starter-Packs gibt es aber noch andere heiße Themen im Smart-Home-Markt. „Ich glaube, dass die Alarmanlagen-Funktion ein wesentlicher Treiber ist. Und es ist wunderbar, wenn in komfortable Smart-Home-Lösungen Notrufsysteme einfach und bedarfsgerecht integriert werden können. Denn wer hängt sich denn einen Knopf um, nach dem Motto „Ich bin alt und gebrechlich“. Wenn man dies aber smart integrieren kann, dann werden auch diese Hausnotrufsysteme besser angenommen.“
Auch das Thema Datensicherheit ist bei den Herstellern von Smart-Home-Lösungen angekommen. „Die Daten die gesammelt werden, bleiben beim Kunden und werden lokal vorgehalten. Eine Schnittstelle nach draußen gibt es nur, wenn der Kunde das möchte“, beschreibt Anders die Ist-Situation. Dies könnte sich ändern. „Künftig könnte es ein Gateway geben, das mittels gesicherter Kommunikation die Daten in der Cloud speichert. Das geht allerdings erst dann, wenn die IT diese Kommunikation sicher gestalten kann.“
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