In nur ein paar Wochen zur gefragten IT-Fachkraft: Das ist das Versprechen der Coding Schools. Doch reicht das wirklich für einen guten Job? Viele der Kurse richten sich auch explizit an Quereinsteiger ohne IT-Vorkenntnisse.
Bis zu 10.000 Euro kosten Programmier-Bootcamps. Nach erfolgreichem Abschluss steigt man, trotz der deutlich kürzeren Ausbildung, auf dem Level eines Berufseinsteigers mit einem Abschluss in Informatik oder Mathematik ein.
(Bild: gguy - stock.adobe.com)
Wie viel Zeit ist notwendig, um einen Beruf zu lernen? Mehrere Jahre sind es bei einer Ausbildung oder einem Studium. Dass es auch in einigen Wochen oder Monaten möglich ist, versprechen sogenannte Coding Schools, häufig auch Bootcamps genannt. Schon die Bezeichnung für die vergleichsweise neuen Lernangebote soll signalisieren: Hier läuft manches anders, hier geht es zur Sache.
Die meisten Lehrgänge dauern zwischen drei und sechs Monaten. Ausgebildet wird vor allem für die IT-Branche. Hier sind nach Angaben des Branchenverbandes Bitkom mehr als 80.000 Stellen für Fachkräfte unbesetzt.
Der Verband bewertet die neuen Qualifizierungsangebote daher positiv. Sie seien ein niedrigschwelliger Einstieg vor allem für Quereinsteiger, sagt Daniel Breitinger, bildungspolitischer Referent bei Bitkom: „Man bekommt aktuelles Wissen schnell und praxisnah vermittelt.“
Straffes Programm: Intensive Schultage im Klassenzimmer
Die Kurse sollen dazu befähigen, als Web- oder Java-Entwickler zu arbeiten, als Datenanalystin oder als Experte für verschiedene Cloud-Systeme.
Mehr als ein Dutzend Anbieter gibt es allein mit Sitz in Deutschland. Das Training ist intensiv: Man sitzt tagsüber im (virtuellen) Klassenzimmer der Coding School, abends und am Wochenende müssen oft weitere „Coding Challenges“ allein oder im Team erledigt werden.
Als Anreiz für das straffe Programm gibt es bei einigen Anbietern die Garantie auf einen Job nach Abschluss der Ausbildung. Andere sorgen für die notwendigen Kontakte zu Unternehmen und coachen die Absolventinnen und Absolventen bei der Stellensuche.
Beide Wege haben ihre Vor- und Nachteile: Eine Vorab-Zusage gibt zwar Sicherheit. Damit legt man sich aber möglicherweise auf einen Arbeitgeber fest, zu dem man nach dem Kurs gar nicht mehr möchte.
Angebot zum Quereinstieg: Keine IT-Kenntnisse nötig
Viele der Kurse richten sich explizit an Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger. IT-Vorkenntnisse sind häufig keine Voraussetzung: In Auswahltests und -gesprächen geht es vor allem darum, Motivation, Durchhaltevermögen, allgemeines technisches Verständnis und die Lernfähigkeiten der Bewerberinnen und Bewerber einzuschätzen.
„Jeder Teilnehmer muss bei uns durch mehrere Vorinterviews“, sagt etwa Steffen Zoller, Gründer und Geschäftsführer des Digital Career Institutes (DCI). Ursprünglich als Initiative zur Integration von Geflüchteten in digitale Berufe gegründet, stehen die Kurse mittlerweile allen Interessierten offen.
Die Abbruch-Quote sei niedrig. Das führt Zoller vor allem auf das Auswahlverfahren zurück: „Wir lehnen einen durchaus relevanten Anteil der Bewerber ab.“ Programmieren zu lernen, das könne man mit dem Einstieg in eine Fremdsprache vergleichen: Wer darin schnell gut sein möchte, muss bereit sein, viel zu lernen.
Bis zu 10.000 Euro für ein Bootcamp
Daniel Breitinger vom Bitkom sieht einen weiteren Vorteil: „Die Bootcamps bieten sich an, wenn man erst einmal testen möchte, ob einem die Arbeit, etwa mit Daten, überhaupt liegt.“
Günstig ist das nicht. Bis zu 10.000 Euro kosten die Kurse. Vergleichen lohnt sich, nicht nur bei Dauer und Inhalten, sondern auch bei den Zahlungsbedingungen. Bei einigen Anbietern etwa wird das Geld erst nach dem erfolgreichen Einstieg in den Job fällig.
Startet man aus der Arbeitslosigkeit heraus, können viele der Qualifizierungen über einen Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit finanziert werden. In manchen Fällen übernimmt der Arbeitgeber die Kosten für die Weiterbildung.
Passgenaue Ausbildung für Unternehmen
Laut Steffen Zoller liegt der große Vorteil der Coding Schools gegenüber anderen Bildungsangeboten in der Tatsache, dass sie ganz konkret auf den Bedarf auf dem IT-Arbeitsmarkt ausgerichtet sind.
Manche Programme werden gemeinsam mit Unternehmen entwickelt. Das IT-Beratungsunternehmen Capgemini kooperiert seit 2020 etwa mit dem Bildungsanbieter AW Academy. In festen Klassen werden unter anderem Expertinnen und Experten für Cloud-Systeme geschult. Nach erfolgreichem Abschluss können sie beim Unternehmen einsteigen.
Stand: 08.12.2025
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„Wir bekommen gleich einen ganzen Schwung an Absolventen, die genau das können, was wir brauchen“, sagt Steffen Riedling von Capgemini. „Gerade angesichts des Fachkräftemangels sind Qualifizierungsprogramme für Quereinsteiger für uns wertvolle zusätzliche Rekrutierungsinstrumente.“
Praxisnahes Wissen für Arbeitgeber von Vorteil
Wer übernommen wird, steige trotz der deutlich kürzeren Ausbildung auf dem Level eines Berufseinsteigers mit einem Abschluss in Informatik oder Mathematik ein. „Das Wissen hat zwar nicht dieselbe Breite wie nach einem einschlägigen Studium, ist dafür aber deutlich praxisnäher“, so Riedling.
In einem Punkt sieht er Teilnehmende der Coding School sogar deutlich im Vorteil: „Weil sie in der Regel schon Berufserfahrung haben, gehen sie deutlich reifer und strukturierter an die Lösung von Problemen heran.“ Sie würden es deshalb oft vergleichsweise schnell in Führungspositionen schaffen.
Ohnehin gilt: IT-Wissen veraltet schnell und muss laufend aufgefrischt und erweitert werden. Ein erfolgreich absolviertes Bootcamp stelle aber auch dafür durchaus schon die Weichen, findet Riedling: „Danach weiß man, wie man lernt und Schwierigkeiten überwindet.“