In den Medien wird über mögliche Blackouts geredet, auch die Angst vor Stromausfällen wächst. Eine unterbrechungsfreie Stromversorgung wird für Unternehmen immer wichtiger. Andreas Bichlmeir von Online-USV schildert die Sicht eines Herstellers.
USV-Systeme werden für immer mehr Unternehmen relevant.
(Bild: Online-USV)
Noch schnell den Kaffee geholt, den Rechner hochgefahren, vielleicht steht schon die erste Konferenz an. Doch irgendetwas ist seltsam an diesem Arbeitstag. Die ersten Kollegen klagen über Verbindungsprobleme zum hauseigenen Server. Im Büro nebenan gehen plötzlich die Tower-PCs aus. Die Notebooks laufen noch, doch auch die angeschlossenen Bildschirme sind schwarz. Nach ein paar Sekunden ist der Spuk, ein kurzer Stromausfall, auch schon wieder vorbei. Was zuhause, abgesehen von vielleicht nicht gespeicherten Dokumenten, keine allzu große Sache wäre, kann im geschäftlichen Umfeld hohe wirtschaftliche Schäden hervorrufen. Denn Server etwa mögen es gar nicht, wenn sie einfach vom Stromnetz getrennt werden.
Notstromaggregate brauchen im Regelfall auch mehrere Minuten, bis sie Geräte stabil versorgen können. Um die Zeit bis dahin zu überbrücken - oder zumindest, um die Server ordnungsgemäß herunterzufahren - gibt es Geräte für unterbrechungsfreie Stromversorgung, kurz USVs. Und der Markt für die Systeme wächst, zusammen mit der steigenden Digitalisierungsrate von Unternehmen und Industrie. Mordor Intelligence schreibt im Branchenreport von einer jährlichen Marktwachstumsrate von acht Prozent bis 2027. Andreas Bichlmeir ist Geschäftsführer des deutschen Herstellers Online USV-Systeme mit etwa 50 Mitarbeitern. Er erklärt, wie es in der Branche weitergeht und welche Vorteile der Standort Deutschland für seine Kunden bieten soll.
Eigene USV für den möglichen Blackout?
Auch wenn in den Medien aktuell oft von einem theoretisch möglichen Blackout gesprochen wird, „es wird sich nicht jeder einen Generator in den Garten stellen“, ist Bichlmeir sicher. Doch viele kleinere Unternehmen, für die USVs bisher noch kein wirkliches Thema waren, würden sich seiner Meinung nach jetzt mehr mit ihrer Stromversorgung befassen. Und mit der Frage: „Was würde bei einem Blackout passieren?“ Auch größere Betriebe, die ihre Stromversorgung bereits abgesichert haben, wollten jetzt oft die Möglichkeit haben, länger zu puffern als bisher.
Andreas Bichlmeir, Geschäftsführer von Online USV-Systeme.
(Bild: Online USV-Systeme)
Denn die Kapazität der meisten verbauten Geräte schafften aktuell etwa zwei bis sieben Minuten. „Das reicht, um die Server herunterzufahren“, sagt Bichlmeir. Doch ein Dieselgenerator, der den Betrieb weiter am laufen halten kann, braucht fünf bis zehn Minuten, um ordentlich den Betrieb aufzunehmen. Und das müssen die USVs überbrücken können. Doch längst nicht jedes Unternehmen muss dafür jetzt ein neues System kaufen, sagt der Geschäftsführer. Oft reiche auch eine Erweiterung der bestehenden Anlage.
Der Markt für USVs
Für den Vertrieb ihrer USVs setzt der Hersteller Online-USV auf Broadliner wie Ingram und andere IT-Distributoren wie ADN, Komsa, Siewert & Kau, Systeam und Wortmann. Doch auch beim Elektro-Distributor Unielektro gibt es die USVs. „Wir sind überall gut vertreten“, erklärt Bichlmeir. Den Vertrieb der Stromboxen abseits von IT-Unternehmen sieht er auf lange Sicht allerdings nicht bei den Channel-Distributoren, sondern bei Elektrodistributoren und Elektrikerunternehmen. Denn „die dürfen den Strom auch anfassen“, sagt er. Für die hohen Ströme der dreiphasigen USVs werden nämlich Fachkräfte benötigt. Deshalb arbeiten laut Online-USV auch immer mehr IT-Reseller bei Projekten mit Elektrikern zusammen. Und Bichlmeir ist sich sicher, dass der Bedarf an den Produkten seines Unternehmens in den kommenden Jahren weiter steigen wird.
Und zwar nicht nur im Channel, sondern mit steigendem Digitalisierungsgrad auch in der Industrie. Denn wenn dort die Verbindung zum Server nicht mehr stünde, dann stehe die Fertigungsanlage. Eine große Chance für Systemhäuserbieten besteht laut dem Online-USV-Chef zukünftig im Verkauf einphasiger USV-Anlagen, etwa für die Absicherung der Heimautomatisierung und Smart Home-Systeme, Homeoffice, für kleine Büroumgebungen und Betriebe, sowie für Unternehmen mit kritischer IT-Infrastruktur wie medizinische Einrichtungen oder Forschungsinstitute. Ansonsten besteht für den IT-Channel die Gefahr, dass die Elektrobranche nach und nach die USV direkt mit verkauft und IT-Reseller außen vor bleiben.
Der Standort Deutschland
Kritische Teile stammen bei Online-USV nicht aus dem Ausland, sagt Bichlmeir. Die Produktion finde zwar in China statt, doch die Entwicklung, die Softwareentwicklung und die Programmierung der Elemente bleibe in Deutschland. Und den Mehrwert zahlen seine Kunden gerne, ist er überzeugt. Besonders, wenn die Geräte mit dem Firmennetz verbunden sind, in dem wichtige Daten liegen. Auch, dass der Support im gleichen Land sitzt, sieht er als großen Vorteil an. Da sein Unternehmen während der Lockdowns die Produktion gesteigert hat, zahle sich jetzt durch eine gute Lieferfähigkeit der Produkte aus. Deshalb habe es zum Start der Energiekrise einen Push für sein Unternehmen gegeben.
Online USV-Systeme bietet jetzt auch eine dreiphasige USV an.
(Bild: Online USV-Systeme)
Die Nachfrage stieg, und Online-USV habe liefern können, als andere das nicht konnten. Neben der Produktion bestehender Produkte entwickelte Online-USV auch neue. Dazu gehört das dreiphasige System Xanto, das als Gebäude- und Etagenverteiler eingesetzt werden kann. Zuvor musste bei der Nachfrage nach einem solchen dreiphasigen System immer auf Konkurrenzprodukte verwiesen werden, sagt Bichlmeir. Allgemein sei eine Stärke von „kleinen“ USV-Herstellern, dass auf den Markt gehört und eng mit Kunden zusammengearbeitet werden könne. Auch Testanlagen würden herausgegeben, um Feedback zu sammeln.
Stand: 08.12.2025
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Können USVs nachhaltig werden?
Und wie steht es mit der Nachhaltigkeit? Die meisten Anlagen würden zwar theoretisch zehn bis 15 Jahre lang laufen, im Regelfall aber eher schon nach fünf bis zehn Jahren ersetzt. Der Grund: Wegen der höheren Effizienz neuer Anlagen lohne es sich für Unternehmen oft mehr, direkt eine solche anzuschaffen.
Doch wenn sich immer mehr Firmen große Mengen an Akkus anschaffen, kann das überhaupt nachhaltig sein? Online-USV biete mittlerweile proaktiv Ersatzteile an, damit nicht wie früher direkt eine neue Anlage angeschafft werden müsse. Für die Blei-Akkus, die im Regelfall verwendet werden, „sehen wir aktuell keine Alternative“, sagt Bichlmeir. Lithium-Ionen-Akkus würden nur dann eingesetzt, wenn wirklich wenig Platz zur Verfügung stehe. Denn die seien teuer und ließen sich im Gegensatz zu den traditionellen Blei-Stromspeichern bisher kaum recyceln, gibt der Online-USV-Geschäftsführer zu bedenken.