Systemhaus-Portrait: Hartl Group Vom Systemhaus zum Anbieter von Managed Services
Eigentlich gehört die Hartl-Gruppe gar nicht in ein Systemhaus-Portrait. Denn der IT-Spezialist aus dem niederbayerischen Dreiländereck mit Österreich und Tschechien ist diesem Stadium längst entwachsen und zum Rechenzentrums-Betreiber, Hoster und Systemhaus-Dienstleister gereift.
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Bis vor kurzem hätte sich Peter Hartl noch dagegen gewehrt, als „Pionier“ oder „Visionär“ bezeichnet zu werden. Dabei ist er einer der wenigen, die diese Bezeichnung verdient haben: „Wir haben seit 1992 den langen Weg vom Systemhaus über den Betrieb von Rechenzentren bis hin zum Anbieter von Managed Services zurückgelegt. Dahinter steckte kein langfristiger Plan. Wir haben immer den Schritt getan, der für uns in der konkreten Situation gerade notwendig war.“
SPLA & CSP
Nachdem bis dato die IT-Strukturen der Kunden vor Ort administriert wurden, lief dann zur Jahrtausendwende das erste eigene Rechenzentrum in Frankfurt. Es diente als Basis für das eProcurement-Angebot, das sich primär an die Versicherungswirtschaft richtet.
Zeitgleich traute er sich auf das neue Feld der Service Provider License Agreements (SPLA), die Microsoft einführte: „Wir waren einer der ersten SPLA-Partner. Schwierigstes Thema war dabei die richtige Lizensierung im Rechenzentrum. Und das ist es bis heute, weil es niemand kapiert.“
Zusätzlich wurde auch die Software-Entwicklung als Datacenter-Add-on in Angriff genommen. „Wir übernehmen etwa für Produktionsbetriebe die Steuerung aller IT-Prozesse, inklusive der Pressen. Dort gibt es keinen einzigen IT-Mitarbeiter mehr. Das machen alles wir.“
Trotz der SPLA-Erfahrungen ließ sich Hartl auf den Vorläufer des CSP-Programms (Cloud Solution Provider) von Microsoft ein. Nach einem halben Jahr machte er bereits den drittgrößten Umsatz in Europa: „Aber das haben wir bitter bereuen müssen, denn wir mussten alles zurückabwickeln.“
Der Grund: Die Abrechnung mit seinen Kunden lief über die eigene Kreditkarte und das Firmenkonto. Irgendwann musste er dann feststellen, dass fünfstellige Beträge ohne Rechnung von Microsoft abgebucht wurden. Ein Unding: „Bei der nächsten Steuerprüfung hätten die mir zu recht den Vogel gezeigt.“
Wellness & Finanzamt
Im Jahr 2012 fiel die Entscheidung für den Bau eines größeren Rechenzentrums, das in diesem Herbst in Betrieb gehen soll. Innerhalb von zwei Tagen war die Genehmigung durch. Doch fast wäre das Projekt wegen des integrierten Wellness-Bereichs am Finanzamt gescheitert. „Wir brauchen das große Schwimmbad, weil wir komplett per Verdunstung ohne Kompressor kühlen.“ Doch letztlich spielte die Behörde mit.
Die größte Problematik betrifft die Personal-Ebbe: „Der Markt ist leergefegt.“ Als Lösung dafür entwickelte Hartl ein Asset Management System (AMS), Projektname SAM, um die Administratoren von Verwaltungstätigkeiten zu entlasten. „In einem Rechenzentrum werden rund 30 Prozent der Arbeitszeit durch Reportings, Abrechnungen oder Lizenzfragen gebunden. Diese Belastung fangen wir durch ein AMS-Modul innerhalb eines ERP-Systems ab, mit Einkauf, Verrechnung, Asset, Lizenzen und SPLA-Regeln. Dadurch brauchen wir nur noch für 20 Prozent der Tätigkeiten IT-Administratoren.“
Microsoft & Magengeschwür
Um SAM wasserdicht zu machen, wurde es sogar einem freiwilligen Audit durch Microsoft unterzogen. „Das hat mich zwar ein Magengeschwür gekostet, aber im Bericht stand dann drin, dass wir die Anforderungen sogar übertreffen.“ Was Hartl zu einem potenziellen Übernahmekandidaten macht. Aber seine Eigenständigkeit will er nicht aufgeben und sein SAM-Angebot für Hoster und Service Provider namens CloudPremiumLine24 lieber selbst vermarkten (lassen). Bis zum Ende des Jahres soll auf dieser Basis ein Produkt für Systemhäuser entstehen: „Wichtig ist das dahinter stehende Datenmodell. Mit SAM fahren wir das Controlling auf Null herunter. In dem System können nur Leistungen abgerechnet werden, die tatsächlich freigeschaltet sind.“
Und trotzdem will Hartl kein Pionier sein? „Jetzt wehre ich mich nicht mehr dagegen. Im Gegenteil, mittlerweile bin ich sogar ein bisschen stolz darauf.“
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