Von passiv zu proaktiv Unternehmen sollten ihre Hardware-Erneuerungszyklen neu gestalten

Ein Gastbeitrag von Paul Höcherl* 4 min Lesedauer

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Künstliche Intelligenz wird aktuell als maßgeblicher Treiber für Innovationen betrachtet: Egal, ob die von speziellen Prozessoren in neu angekündigten KI-PCs angetrieben, umsetzbar, Realität werden oder/und durch die komplette Neugestaltung interner Unternehmensabläufe mithilfe leistungsstarker Rechenzentrumsinfrastruktur.

Nach Einschätzung des Lenovo-ISG-Experten Paul Höcherl, ist es Zeit für die Unternehmen, die Einkaufsstrategie für Datacenter-Euipment zu überdenken. Unter Umständen steht auch ein Wechsel zur Flüssigkühlung an?     (Bild:  Dall-E / KI-generiert)
Nach Einschätzung des Lenovo-ISG-Experten Paul Höcherl, ist es Zeit für die Unternehmen, die Einkaufsstrategie für Datacenter-Euipment zu überdenken. Unter Umständen steht auch ein Wechsel zur Flüssigkühlung an?
(Bild: Dall-E / KI-generiert)

Gleichzeitig rückt der damit einhergehende steigende Energiebedarf in den Fokus, werden doch die Regulierungen in der IT- und Rechenzentrumsbranche immer schärfer. So mit dem im November 2023 in Kraft getretenen Energie-Effizienzgesetz (EnEfG), das neben Faktoren wie der Stromverbrauchseffektivität (Power Usage Effecitveness, PUE), auch die Nutzung von Abwärme und den Einsatz von Strom aus erneuerbaren Energien thematisiert, ist es mehr denn je an der Zeit, sich darüber Gedanken wie man Rechenzentren zukunftsfähig gestalten kann.

Gerade in Bezug auf Rechenzentrumsinfrastruktur spielt es auch für den Energieverbrauch eine wichtige Rolle, in welchen Abständen die Hardware aktualisiert werden sollte und wie sich die Gesamtbetriebskosten (Total Cost of Ownership / TCO) zusammensetzen. Laut einer wissenschaftlichen Abhandlung werden bis 2025 rund 33 Prozent der Gesamtkosten für Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) auf den Energiebedarf von Rechenzentren zurückzuführen sein.

Außerdem war es aufgrund der anhaltenden Schwankungen bei den Energiekosten noch nie teurer, ein Rechenzentrum zu betreiben, oder kosteneffektiver, auf schnellere und weniger stromhungrige Hardware umzusteigen. Kosteneinsparungen, eine Verbesserung der Effizienz und die schnellere Einführung neuer Technologien sind also nicht zuletzt aufgrund von Wirtschaftlichkeit und Wettbewerbsfähigkeit ausschlaggebende Faktoren dafür, sich genauer mit dem Thema zu befassen und sich auf Neues einzulassen.

Die Vorteile eines Upgrades

Folgt man dem Moore'schen Gesetz, das besagt, dass sich die Anzahl der Transistoren pro Flächeneinheit in ungefähr zwei Jahren verdopple - die Rechenleistung also steigt, werden Unternehmen, die ihre IT-Infrastruktur erneuern, alle 18 Monate entweder die Leistung ihrer Hardware verdoppeln oder den Preis halbieren können. Beispielsweise kann der Austausch eines drei Jahre alten Servers durch ein neues Modell die Leistung verdoppeln und damit die Effizienz steigern und damit die Betriebskosten senken.

Führende Unternehmen in der Branche machen sich die diese Tatsache bereits zu nutzen und planen entsprechend proaktiv ihre Hardware-Erneuerungszyklen. Kurzfristige Investitionen können langfristige Einsparungen und Wettbewerbsvorteile bedeuten.

Die Kosten für den Betrieb eines bestehenden Servers steigen im Laufe der Jahre aufgrund von Garantieverlängerungen, Reparaturen und ineffizientem Energieverbrauch. Unternehmen sollten sicherstellen, dass 20 Prozent ihrer Rechenzentrumshardware weniger als drei Jahre alt ist, um von neuen Technologien zu profitieren und wettbewerbsfähig zu bleiben.

Faustregel 20 Prozent

Wohlmöglich ergibt ein „As-a-service“-Ansatz Sinn, der es Geschäftsführern ermöglicht, die neuste Hardware ohne Kapitalaufwand nutzen. Alternativ wäre auch eine Zweitnutzung der Systeme eine Lösung. Nach einer dreijährigen Nutzung als Hauptsystem können diese Geräte in weniger anspruchsvollen Anwendungsbereichen weiterverwendet werden, die nicht die höchste auf dem Markt verfügbare Leistung erfordern und einen Ausfall verkraften können.

Damit man den Aspekt der Nachhaltigkeit nicht aus den Augen verliert, bieten außerdem viele Hersteller einen Asset-Recovery-Service an. Dieser Service sorgt dafür, dass ausgemusterte Geräte fachgerecht recycelt oder wiederaufbereitet werden, wodurch wertvolle Ressourcen wie Gold, Kupfer und Eisen gespart und die Umweltbelastung verringert wird.

Gleichzeitig kann die Implementierung eines Asset-Recovery-Services zudem dazu beitragen, die Kosten für neue Technologieanschaffungen zu senken, indem der Restwert der Altgeräte maximiert wird. Ein solcher Ansatz vereinfacht den Übergang von alten zu neuen IT-Systemen und kann so die Gesamtbetriebskosten für kommende IT-Investitionen reduzieren.

Die Kontrolle über den Energieverbrauch erlangen

40 bis 60 Prozent des verbrauchten Stroms bei Servern in Rechenzentren entfallen nicht auf die eigentliche Leistung, sondern decken lediglich die Grundlast des Systems: zum Beispiel den Strombedarf für normale Betriebsvorgänge, wie das Inbetriebhalten der Server, das Kühlungssystem und andere essenzielle Funktionen. Beim Ausführen von anderen rechenintensiven Aufgaben auf dem System, wird zusätzlicher Strom verbraucht, um die notwendige Leistung bereitzustellen, weswegen es umso wichtiger ist Technologien einzusetzen, die weiter anfallenden Stromkosten – auch jenseits der Serverkomponenten – möglichst gering halten.

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Dazu gehören zum Beispiel Wasserkühlungungssysteme. Herkömmliche Luftkühlungen können bis zu 30 Prozent des Energiebedarfs eines Hochleistungsrechners ausmachen und stellen gerade in Zeiten von Künstlicher Intelligenz eine Belastung dar. Wasserkühlungen – insbesondere eine Warmwasserkühlung – sind hingegen effizienter und können 30 bis 40 Prozent an Energie sparen.

Mithilfe derartiger Technologien die Kosten für die Heizung, Lüftung und Klima-Anlagen zu senken, ist ein weiterer Grund, warum Konsolidierung so wichtig ist. Grundvoraussetzung für jede Verbesserung ist hier das Vorhandensein von Messsystemen, die den Stromverbrauch im Rechenzentrum überwachen. Denn erst wenn man ein genaues Bild davon hat, was wie viel Energie verbraucht, kann man den richtigen Ansatzpunkten identifizieren, die notwendig sind, um die TCO zu reduzieren und den größtmöglichen Wert daraus zu ziehen.

*Der Autor
Paul Höcherl ist Produkt Manager bei Lenovo ISG. Er sagt: Große Akteure ebnen bereits den Weg, indem sie Hardware in großem Maße konsolidieren und die Serverleistung voll ausschöpfen. Mit Blick auf die Zukunft ist es wesentlich, eine ganzheitliche Sicht zu haben und seine Herangehensweise an Serverhardware neu zu überdenken.

Bildquelle: Lenovo

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