KI-Governance am Scheideweg Wer steuert die KI, wenn niemand ans Steuer will?

Von Berk Kutsal 3 min Lesedauer

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Unternehmen setzen auf KI, doch die Verantwortung bleibt laut einer Studie von NTT Data auf der Strecke. Fehlende Richtlinien, regulatorische Unsicherheiten und eine unvorbereitete Belegschaft lassen die Schere zwischen Innovation und Sicherheit weiter auseinandergehen.

Der Report „The AI Responsibility Gap: Why Leadership is the Missing Link“ deckt KI-Verantwortungskrise auf: Führungskräfte fordern eindeutige KI-Governance .(Bild:  NTT DATA)
Der Report „The AI Responsibility Gap: Why Leadership is the Missing Link“ deckt KI-Verantwortungskrise auf: Führungskräfte fordern eindeutige KI-Governance .
(Bild: NTT DATA)

Künstliche Intelligenz ist das neue Gold des digitalen Zeitalters. Unternehmen investieren Milliarden in smarte Algorithmen, doch wenn es um Governance und ethische Verantwortung geht, sieht es mager aus. Laut der aktuellen NTT-Data-Studie „The AI Responsibility Gap: Why Leadership is the Missing Link“* klafft eine bedrohliche Lücke zwischen Fortschritt und Regulierung. Mehr als 80 Prozent der befragten Führungskräfte geben zu, dass weder ihre eigenen Fähigkeiten noch ihre Unternehmensstrukturen mit dem Tempo der KI-Entwicklung Schritt halten. Die Konsequenz? Ein Drahtseilakt zwischen Innovation und Kontrollverlust.

Die Ursachen sind hausgemacht: Die Chefetagen sind sich uneins, ob Verantwortung oder Innovation den Vorrang haben soll. Ein Drittel will die KI-Bremse ziehen, ein anderes Drittel den Turbo einschalten, der Rest versucht, beides gleichzeitig zu tun – mit vorhersehbarem Chaos. Noch problematischer ist der regulatorische Flickenteppich: 80 Prozent der Entscheider sehen unklare Gesetze als Hindernis für Investitionen. Die Mehrheit rechnet sogar mit steigenden Kosten für KI-bezogene Compliance. Ohne klare Spielregeln bleibt KI-Governance ein vages Versprechen – und ein teurer Unsicherheitsfaktor.

Sicherheitsrisiken? Kennt jeder, löst aber keiner.

Die Sicherheitsprobleme von KI sind kein Geheimnis. 89 Prozent der Führungskräfte sind über potenzielle Risiken besorgt, doch nur 24 Prozent der CISOs attestieren ihren Unternehmen robuste Schutzmechanismen. Das bedeutet: Fast drei Viertel der Unternehmen agieren nach dem Prinzip Hoffnung – sie vertrauen darauf, dass die nächste KI-Katastrophe woanders passiert. Eine Strategie, die bereits in der Vergangenheit krachend gescheitert ist.

Gleichzeitig fehlt es an Know-how in der Belegschaft. 67 Prozent der Entscheider sehen ein Kompetenzdefizit in ihren Teams, doch echte Schulungsprogramme? Fehlanzeige. Noch absurder: 72 Prozent der Unternehmen haben nicht einmal Richtlinien für den verantwortungsvollen KI-Einsatz. KI wird also auf breiter Front eingeführt, aber die Mitarbeiter sollen sich das nötige Wissen selbst zusammenreimen. Ein riskantes Experiment, das selten gut ausgeht. Dabei zeigt die Studie: Besonders wirtschaftlich erfolgreiche Unternehmen setzen frühzeitig auf klare ethische Leitlinien und investieren gezielt in Weiterbildung.

Hinzu kommt eine weitere Brisanz: GenAI und Nachhaltigkeitsziele stehen oft im Konflikt. 75 Prozent der Befragten geben an, dass energieintensive KI-Technologien nicht mit den ESG-Zielen ihrer Unternehmen vereinbar sind. Das zwingt Unternehmen dazu, entweder in effizientere Lösungen zu investieren oder einen internen Zielkonflikt auszutragen.

Wer sich nicht bewegt, bleibt auf der Strecke.

Die Lösung ist kein Hexenwerk: „Responsible by Design„ – also ethische, sichere und transparente KI von Anfang an – muss zur Pflicht werden. Unternehmen dürfen nicht auf den nächsten regulatorischen Erlass warten, sondern brauchen eigene, robuste Governance-Modelle. „Unternehmen brauchen führungsgesteuerte Strategien für die KI-Governance, um diese Lücke zu schließen, bevor der Fortschritt ins Stocken gerät und das Vertrauen schwindet“, warnt Abhijit Dubey, CEO von NTT Data.

Doch ohne ein Umdenken bei den Verantwortlichen wird das nicht funktionieren. Wer KI wie eine Blackbox behandelt und Governance als nächste Quartalsaufgabe vertagt, wird spätestens dann aufwachen, wenn die erste KI-Fehlentscheidung das eigene Geschäftsmodell zerlegt. Denn eines ist sicher: KI wird weiterentwickelt – die Frage ist nur, ob mit oder ohne Kontrolle.

*NTT Data beauftragte Jigsaw Research Ende September und Anfang Oktober 2024 mit der Durchführung einer Primärforschung. Das Team befragte Führungskräfte aus Unternehmen in 34 Ländern in Nordamerika, Europa, Asien-Pazifik, Lateinamerika, dem Nahen Osten und Afrika. 98 Prozent der über 2.300 Befragten haben direkte Entscheidungsbefugnis oder Einfluss auf GenAI-Kaufentscheidungen. Die vertretenen Branchen sind Banken und Investment (11 Prozent), Versicherungen (9 Prozent), Fertigung (14 Prozent), Automobilindustrie (8 Prozent), Logistik, Reisen und Transport (5 Prozent), Telekommunikation, Medien und Technologie (9 Prozent), Gesundheitswesen (9 Prozent), Biowissenschaften und Pharmazeutik (9 Prozent), Einzelhandel und Verbrauchsgüter (5 Prozent), öffentlicher Sektor (8 Prozent), Energie- und Versorgungsunternehmen (7 Prozent) sowie Hochschulwesen und Forschung (6 Prozent).

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