Rückblick 2024, Ausblick 2025 Transformation, Veränderung, Zukunft

Von Dr. Rudolf Aunkofer 5 min Lesedauer

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Der Begriff „Transformation“ wird sehr häufig verwendet. Transformation steht für einen grundlegenden Wandel, einen Paradigmenwechsel und einen Strukturbruch, der aktuell die Wirtschaft wie die gesamte Gesellschaft in Deutschland erfasst – die Karten werden neu gemischt!

Die ITK-Branche blickt postitiv auf das Jahr 2025.(Bild:  Pixelot - stock.adobe.com)
Die ITK-Branche blickt postitiv auf das Jahr 2025.
(Bild: Pixelot - stock.adobe.com)

Skepsis, Befürchtungen und Warnungen dominieren die mediale Diskussion um unsere wirtschaftliche Zukunft. „Typisch deutsch“ könnte man meinen, die Sachlage ist allerdings eine differenzierte Betrachtung wert. Bei der Analyse der Konjunkturzyklen über die letzten 40 Jahre (Grafik 1) wird deutlich, dass es „konjunkturelle Dellen“ schon immer gab und dass diese regelmäßig alle 5 bis 6 Jahre stattgefunden haben. Es wird sichtbar, dass sich das Konjunktur-Muster seit dem Jahr 2011 dank „Digitaler Transformation“ verändert hat. Die zu erwartende Konjunkturdelle 2013/2014 wurde übersprungen, eine weitere durch pandemiebedingte Zusatzinvestitionen verzögert. Die nun aktuelle konjunkturelle Schwäche ist im Vergleich zwar zeitlich etwas länger, aber objektiv weniger stark ausgeprägt, wenngleich subjektiv als viel stärker empfunden.

Grafik 1: „Konjunkturelle Dellen“ gab es schon imnmer und finden regelmäßig alle 5 bis 6 Jahre statt.(Bild:  iSCM)
Grafik 1: „Konjunkturelle Dellen“ gab es schon imnmer und finden regelmäßig alle 5 bis 6 Jahre statt.
(Bild: iSCM)

Konjunkturzyklen – normal, aber „verlernt“?!

Wir haben einen grundlegenden Wahrnehmungswandel. Waren wir über Jahrzehnte pro Dekade „fette wie magere Jahre“ gewohnt und hierauf eingestellt, zeigt sich nun eine komplett neue Situation in der über ein Jahrzehnt hinweg nur „fette Jahre“ erlebt wurden. Ein Gedankenspiel: Jemand, der im Jahr 2010 mit 20 oder 30 Jahren in den Arbeitsmarkt gestartet ist, hat in seiner Karriere erstmals zehn bis zwölf Jahre später eine wirklich herausfordernde Marktsituation erfahren. Menschen die – je nach Ausbildung – heute 30 bis 40 Jahre alt sind, hatten bis zum Ende der Pandemie in ihrem Berufsleben weder dramatische Krisen erlebt noch von diesen lernen können, andere scheinen vergangene Krisen etwas verklärt zu erinnern. Wenn hochbezahlte Manager in staatlicher Hilfe und Unterstützung die Lösung aktueller, wirtschaftlicher Herausforderungen sehen, scheinen diese das „Krisenmanagement verlernt zu haben“.

Transformation und Veränderung

Was ist eigentlich Transformation? Kernelement jeglicher Veränderung ist der Übergang von „alt“ nach „neu“ bzw. im Kontext „Wirtschaft“ die zeitlich begrenzte Überlappung von alten und neuen Technologien, Prozessen und Geschäftsmodellen. Faktisch bedeutet dies, dass Unternehmen eine Vielzahl von Tätigkeiten doppelt, also „alt“ und „neu“ in unterschiedlichen Gestaltungsformen parallel ausführen und so mehr Ressourcen und mehr Menschen benötigen. Nach grundsätzlicher Funktion des Neuen muss nun Effizienz sichergestellt werden. Das erfolgreiche Durchschreiten einer Transformation führt zu einer Aufgabe der alten Vorgehensweisen, verbunden mit einer Anpassung der Ressourcen. Die aktuelle Reduzierung von Arbeitskräften spiegelt also das erfolgreiche Durchschreiten der Digitalen Transformation wider. Neue effiziente Technologien etablieren sich. Dies beeinflusst auch die Geschäftslage der ITK-Branche (siehe Grafik 2).

Grafik 2: Die ITK-Investitionen sind stabil.(Bild:  iSCM)
Grafik 2: Die ITK-Investitionen sind stabil.
(Bild: iSCM)

Geschäftslage: stabil mit Potenzial für mehr

Seit den großen Investments 2021 sind Kunden mit der Implementierung der Cloud und entsprechenden Anwendungen, der Steigerung von Effizienz und aktuell mit weiterer Vernetzung und Automatisierung beschäftigt. Dem entsprechend sind die ITK-Investitionen stabil. Investitionen und Projekte sind in ihrer Bedeutung weniger zeitkritisch und können dadurch leichter verzögert oder in die Zukunft verlagert werden. Das ist eine der zentralen Herausforderungen der Branche. Zudem macht sich technologische Unsicherheit auf Kundenseite aufgrund des verringerten Investitionsdrucks deutlich stärker bemerkbar, was in abwartender Nachfrage resultiert.

Cloud – zentraler Wachstumsmotor

Die Cloud wird auch 2025 Wachstumsmotor bleiben. Der Fokus wird einerseits auf Hybrid-Cloud, andererseits auf SaaS- / Cloud-basierten Anwendungen liegen. Die Investitionen verlagern sich von Infrastruktur-Aufbau in die Nutzung dieser. Diese Strukturverschiebung macht sich auch in der Nachfrage nach Hardware bemerkbar. Netzwerk-Infrastruktur steht nicht länger im Zentrum der Investitionen. Security bleibt Schwerpunkt der Investitionstätigkeit, ergänzt um Storage und klassische Endgeräte-Hardware. Eine erste Replacement-Welle wird – beginnend mit mobilen Computern – die Umsatzsituation der Branche zusätzlich positiv beeinflussen. Dem folgend werden Managed Services, Consulting, Beratung und Planung weitere Wachstumsfelder sein. KI wird als Teil von Applikationen eine wichtige Rolle spielen. Investitionen in KI ohne konkreten Nutzen werden weiter schwer zu vermitteln sein.

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Investitionsschub und demographischer Wandel

Zusätzliche Nachfrage nach ITK wird durch einen steigenden Bedarf an Prozessoptimierung wie Automatisierung vor dem Hintergrund des stattfindenden demographischen Wandels generiert. Die aktuell 46 Millionen erwerbstätigen Personen in Deutschland werden sich in den kommenden zehn Jahren um knapp 10 Prozent, also um ca. 4,5 Millionen Menschen verringern (siehe Grafik 3). Im Durchschnitt wird jeder zehnte Arbeitsplatz ersatzlos wegfallen (müssen) ohne jedoch an Produktivität und Kundennähe zu verlieren. Die politische Herausforderung ist, den transformationsbedingten Verlust an Arbeitsplätzen mit dem demographiebedingten Rückgang an Erwerbstätigen zeitlich in Einklang zu bringen. Die Herausforderung der ITK-Branche ist es einerseits, ihre Services so zu gestalten, dass sie diese mit weniger Menschen erbringen kann, andererseits ihren Kunden Services und Dienstleistungen zur Verfügung zu stellen, die den Rückgang an Erwerbstätigen kompensieren und und sie in die Lage versetzen, Produkte und Dienstleistungen weiter in der erwarteten Qualität zur Verfügung zu stellen.

Grafik 3: Die aktuell 46 Millionen erwerbstätigen Personen in Deutschland werden in den kommenden zehn Jahren knapp 10 Prozent weniger sein.(Bild:  iSCM)
Grafik 3: Die aktuell 46 Millionen erwerbstätigen Personen in Deutschland werden in den kommenden zehn Jahren knapp 10 Prozent weniger sein.
(Bild: iSCM)

Veränderung und Chancen nutzen

Es gilt, die Chancen zu nutzen, die die Transformation bietet. Unternehmertum, Verantwortung für Entscheidungen zu übernehmen, wird deutlich wichtiger als in der Vergangenheit sein, um neue Geschäftsmodelle zu entwickeln, zu implementieren und davon zu profitieren. Hardware wird eine wichtige Umsatz-Basis bleiben. Die Differenzierung zum Wettbewerb erfolgt aber mehr und mehr über modulartig, flexibel kombinierbare Service- und Dienstleistungs-Bausteine, die unkompliziert, kompetent und mit einem akzeptablem Kosten-Nutzen-Verhältnis erbracht werden.

Auch die ITK-Branche wird generationsbedingt einen Konzentrationsprozess mit Unternehmensaufgaben und -übernahmen erfahren. Dieser ist eine Chance für die „verbleibenden“ und neu entstehende Unternehmen, denen dadurch überproportionales Wachstum möglich wird. Die positive Stimmung der Branche zeigt in puncto Investition, dass „aufgeschoben nicht aufgehoben“ ist. Kunden aus allen Branchen befinden sich in einem seit 2022 größer werdenden Investitions-Backlog, der zumindest teilweise verringert werden muss. Die Aussichten für 2025 sind daher deutlich positiver als es manche aktuell sehen. Bedingt durch Generationswechsel und Investitions-Backlog sollten die momentanen Erwartungen übertroffen werden.

Dr. Rudolf Aunkofer
Dr. Rudolf Aunkofer ist Geschäftsführer des iSCM INSTITUTs, dem ThinkTank für Informations- & Supply Chain Management, des Clusters BahnTechnik im Rahmen der Innovations-Offensive des Bayerischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie, des CNA e.V., ThinkTank für Mobilität, Transport & Logistik sowie der Logistik Initiative Bayern im Auftrag des Bayerischen Staatsministeriums für Wohnen, Bau und Verkehrs. Zudem lehrt er als Professor an der Triagon Akademie die Schwerpunkte „Strategie und Organisations-Management“.


Bildquelle: iSCM

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