Urgesteine aus der IT-Branche

Tonis Rüsche wurde gesagt eine „64-Kilobit/s-Übertragung ist nicht möglich“

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ITB: Gibt es etwas, dass Sie in technologischer Hinsicht besonders überrascht hat?

Rüsche: Damals hatte das Fernmeldetechnische Zentralamt in Darmstadt gesagt, eine 64-Kilobit-Übertragung wäre nicht möglich, weil die Strahlung zu hoch sei und es zu Störungen komme. Wir wollten jedoch eine Datenrate von 96 Kilobit pro Sekunde. Wir hatten Glück, da Siemens damals auch schon mit ISDN unterwegs war und somit der Druck groß war, haben wir das schließlich auch bekommen. Heute läuft über die gleichen nicht abgeschirmten Leitungen DSL. Es hat mich überrascht, was plötzlich auf normalen Kupferleitungen machbar ist, und ich bin überzeugt, da geht noch mehr. Wir wollten bereits 1988 bundesweit flächendeckend Glasfaser einsetzen, wir hatten die Glasfaser-Fabrik ja direkt hinter dem Haus.

ITB: Schnelles Internet für alle ist eines der großen Ziele der Bundesregierung. War es einfach zu früh für das Projekt?

Rüsche: Es ist an den Kosten von 600 Milliarden DM gescheitert. Auch heute wäre es mit 300 Milliarden Euro die gleiche Summe. Mit den von der Bundesregierung angesetzten 50 Millionen Euro für das Sonderprogramm geht also kaum wirklich etwas voran. Nicht die Leitungen sind so teuer, sondern das Verlegen.

ITB: Also wird es auch in naher Zukunft DSL-freie Flecken auf der Landkarte geben. Was denken Sie, bringt uns die etwas entferntere Zukunft?

Rüsche: Wir machen uns Gedanken über den Arbeitsplatz der Zukunft.. Aufgrund der Vernetzung ändert sich die Gesellschaft. In den Unternehmen wird es nicht mehr so hierachisch zugehen. Der Austausch von Informationen fördert die Teamarbeit. Auch ältere Menschen oder Mütter mit Kindern können vom Home Office aus in die Arbeitsstruktur einbezogen werden. Das ist gerade hinsichtlich der Überalterung der Gesellschaft und den fehlenden Fachkräften wichtig. Trotzdem braucht es natürlich ein Sozialleben, dass sich auch im Büro abspielt, wo man sich mit Kollegen austauscht. Doch da man ja nicht täglich in der Firma ist, braucht nicht jeder Mitarbeiter, nicht jede Mitarbeiterin einen ständigen Arbeitsplatz dort. Schreibtische können also von verschiedenen Leuten gemeinsam genutzt werden. In dieser Hinsicht spielt Desktop-Virtualisierung eine große Rolle, denn so kann ein Rechner vielen individuell dienen.

ITB: Gibt es auch negative Aspekte?

Rüsche: Natürlich macht die Vernetzung auch angreifbar. Das hat schon 9/11 – der Anschlag auf das World Trade Center – gezeigt. In dem Gebäude waren Rechenzentren untergebracht. Ihr Ausfall legte einige Banken komplett lahm.

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