1&1 fordert Fairness bei der anstehenden Frequenzvergabe durch die Bundesnetzagentur. Die etablierten Netzbetreiber plädieren dagegen für eine einseitige Verlängerung ihrer Nutzungsrechte. Ihr Argument, es gebe zu wenig Spektrum für vier Anbieter, wird nun von einer Studie widerlegt.
Mit 1&1 gibt es mittlerweile wieder vier Netzbetreiber in Deutschland.
(Bild: 1&1)
Deutschland hat wieder vier Mobilfunknetze – das 1&1-Netz ist seit Dezember 2023 voll funktionsfähig. Der Anbieter setzt dabei auf die Open-RAN-Technologie. Trotz dieser Innovationskraft ist der diskriminierungsfreie Zugang zu Funkfrequenzen auch für 1&1 eine zentrale Voraussetzung für einen wettbewerbsfähigen Netzbetrieb. Die Studie „Die Frequenzsituation in Deutschland vor der anstehenden Frequenzvergabe 2024/25“ der internationalen Beratungsgesellschaft Aetha Consulting im Auftrag von 1&1 kommt zu dem Schluss, dass bei der anstehenden Frequenzvergabe im Sinne eines lebendigen Wettbewerbs und einer effizienten Frequenznutzung alle vier Netzbetreiber fair berücksichtigt werden müssen. Die Studie entkräftet die Argumente von Deutscher Telekom, Vodafone und Telefónica, die für eine einseitige Verlängerung ihrer Ende 2025 auslaufenden Nutzungsrechte ohne Berücksichtigung von 1&1 eintreten.
Ausgangslage
Im regulären Vergabezyklus der Bundesnetzagentur stehen ab Januar 2026 neben 240 MHz an Mid-Band-Spektrum (1.800 MHz und 2.600 MHz) auch 60 MHz an Low-Band-Frequenzen im Bereich 800 MHz zur Verfügung. Diese Bandbreiten sind sowohl für die Netzabdeckung und Versorgung in Innenräumen dicht besiedelter städtischer Gebiete als auch für die Bereitstellung ausreichender Datengeschwindigkeiten und Netzkapazitäten unabdingbar und sind damit für alle Netzbetreiber von hoher Bedeutung. In einem Konsultationspapier der Bundesnetzagentur wird anstatt der üblichen Frequenzauktion erstmals eine Verlängerung auslaufender Frequenzrechte von Deutsche Telekom, Vodafone und Telefónica erwogen. Dies käme einer Subventionierung der drei etablierten Netzbetreiber in Milliardenhöhe gleich.
Im Rahmen der Konsultation hat die Bundesnetzagentur Stellungnahmen von Unternehmen, Politik, Verbänden, Behörden, Stadtnetzen und weiteren Marktteilnehmern erhalten. Darin plädieren Deutsche Telekom, Vodafone und Telefónica für die Verlängerung ihrer Frequenznutzungsrechte ohne Berücksichtigung der Frequenzbedarfe von 1&1, während sich 36 andere Stakeholder für die Berücksichtigung der Interessen des Neueinsteigers aussprechen.
Mythos 1: „Es gibt zu wenig Spektrum für vier Anbieter“
Nach dem Wegfall von E-Plus gibt es seit dem Markteintritt von 1&1 auch in Deutschland wieder vier Netzbetreiber, so wie in allen anderen großen europäischen Ländern. Ein Vergleich der Frequenzportfolios in anderen Ländern mit vier Netzbetreibern zeigt, dass die drei etablierten deutschen Netzbetreiber über deutlich mehr Frequenzen als die jeweiligen „Top-3-Anbieter“ in Europa verfügen. Konkret haben sie durchschnittlich Zugriff auf 38 MHz mehr Spektrum in Low-Band-Bereichen und ihr Gesamtportfolio ist sogar fast 120 MHz größer. Diese zusätzliche Frequenzausstattung wird in anderen Ländern typischerweise von dem jeweils vierten Netzbetreiber gehalten.
„Dass vier Netze parallel und ohne die Gefahr von Funklöchern und Kapazitätsengpässen betrieben werden können, zeigt sich in den anderen großflächigen europäischen Ländern – egal ob Großbritannien, Frankreich, Spanien, Italien oder Polen. Denn das Funkspektrum ist europaweit harmonisiert und in nahezu identischer Menge verfügbar“, so Marc Eschenburg, Partner bei Aetha Consulting.
„Um den Weg zu bereiten, dass auch Deutschland wieder über vier Mobilfunknetze verfügt, hat die Bundesnetzagentur bei der 5G-Auktion 2019 spezielle Regeln für Neueinsteiger erlassen. 1&1 hat über eine Milliarde Euro für erstes hochfrequentes Spektrum investiert und sich darauf verlassen, dass Ende 2025 weitere Frequenzen verfügbar werden. So sahen es die Auktionsbedingungen ausdrücklich vor“, sagt Ralph Dommermuth, CEO der 1&1 AG. „Vor allem befinden sich sämtliche Low-Band-Frequenzen in den Händen der etablierten Netzbetreiber. Mit den 800-MHz-Frequenzen wird Ende 2025 lediglich ein Drittel der Low-Band-Frequenzen frei. Das heißt, Deutsche Telekom, Vodafone und Telefónica können ohnehin bis mindestens 2034 uneingeschränkt auf die anderen zwei Drittel bei 700 und 900 MHz zugreifen. Würde 1&1 bei der Frequenzvergabe ausgeschlossen, wären wir für viele Jahre blockiert und könnten unser Netz nicht wettbewerbsfähig betreiben.“
Mythos 2: „Die etablierten Netzbetreiber nutzen ihre großen Frequenzportfolios vollumfänglich“
Low-Band-Frequenzen im Bereich 800 MHz sowie Mid-Band-Frequenzen im Bereich 1800 MHz und 2100 MHz werden von den etablierten Netzbetreibern weitflächig effizient für die 4G- und 5G-Versorgung eingesetzt. Jedoch werden Frequenzen im Bereich 700 MHz, 900 MHz, 1500 MHz und 2600 MHz an vielen Antennenstandorten nicht genutzt. Im gesamten Low-Band-Bereich weist die Studie basierend auf Daten renommierter Messfirmen auf, dass nur an fünf Prozent der deutschlandweiten Standorte mehr als 40 MHz der je etabliertem Netzbetreiber zur Verfügung stehenden 60 bis 70 MHz eingesetzt werden. Ein Verzicht auf jeweils 20 MHz im Bereich der 700- oder 900-MHz-Frequenzen wäre demnach für jeden Netzbetreiber ohne signifikante Qualitätseinschränkungen möglich. Auch die Versorgungsauflagen der Bundesnetzagentur zur Bereitstellung von Geschwindigkeiten von 100 MBit/s sind mit 40 MHz im Low-Band-Bereich erfüllbar.
Stand: 08.12.2025
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Mythos 3: „Die großen Frequenzportfolios der etablierten Netzbetreiber sind die Basis für eine hohe Netzqualität in Deutschland. Teilt man insbesondere das Low-Band-Spektrum durch vier, drohen Funklöcher“
Basierend auf Messdaten unabhängiger Experten von Opensignal und Ookla stellt die Aetha-Studie fest: Deutschland liegt trotz der (nach dem Wegfall von E-Plus) überdurchschnittlich großen Frequenzportfolios der drei etablierten Netzbetreiber bei der Netzverfügbarkeit im Vergleich mit anderen großen europäischen Ländern wie Spanien, Frankreich, Großbritannien und Italien zurück. Auch bei der Datengeschwindigkeit liegt Deutschland nur im Mittelfeld – und das trotz deutlich geringerem Datenverkehr pro Kunde im Vergleich zu anderen europäischen Ländern.
Die großen Frequenzportfolios der etablierten Netzbetreiber stehen demnach in keinem direkten Zusammenhang mit einer guten Netzqualität. Insbesondere bei der Datengeschwindigkeit erzielen Länder mit kleineren Portfolios per Netzbetreiber in der Regel höhere Werte. Der von Aetha erhobene Benchmark zeigt zudem, dass es bei der Performance keine messbaren Unterschiede zwischen Ländern mit drei oder vier Mobilfunknetzen gibt.
Fazit
Die Studie kommt zu dem Schluss, dass Deutsche Telekom, Vodafone und Telefónica ihre Netze selbst bei einem theoretischen vollständigen Verlust von 800-MHz-Frequenzen durch eine intensivere Nutzung ihrer weiteren Low-Band-Frequenzen flächendeckend betreiben könnten. Allerdings wäre es für den deutschen Markt wesentlich nützlicher, die weniger genutzten 700- und 900-MHz-Frequenzen in die anstehende Vergabe einzubeziehen – wie 2022 bereits von der Bundesnetzagentur angeregt – um einen teuren Bieterwettstreit und weitreichende Umbaumaßnahmen der bestehenden Netzbetreiber zu vermeiden.
Eine Verlängerung der Frequenzen allein zu Gunsten der drei etablierten Netzbetreiber würde dazu führen, dass wichtige Teile der Low- und Mid-Band-Frequenzen potenziell langfristig weiter ungenutzt bleiben. Gleichzeitig würde sich die bestehende ungleiche Verteilung der Frequenzen zu Gunsten der etablierten Netzbetreibern im Vergleich zu 1&1 für viele Jahre zementieren. Dies würde die Wettbewerbsfähigkeit des vierten Netzbetreibers unweigerlich fundamental einschränken.
„Wenn wir fair behandelt werden, stehen auch wir alternativen Verfahren zur Frequenzvergabe offen gegenüber – dazu gehört auch die Verlängerung von Frequenzrechten. Andere Länder machen es vor: Um einen fairen Wettbewerb zu gewährleisten, erhielten beispielsweise bei der Low-Band-Frequenzverlängerung in Frankreich alle vier Netzbetreiber – inklusive des Neueinsteigers Free Mobile – den gleichen Anteil an den zu vergebenden Frequenzen. Auch in Deutschland gibt es keinen Grund, warum eine faire Verteilung der Frequenzen nicht gelingen sollte“, so Ralph Dommermuth, CEO der 1&1 AG.