Nach Insolvenz des ERP-Anbieters SoftM rettet Semiramis
Übernahme. Der ERP-Anbieter SoftM kauft die Assets von Semiramis und garantiert somit die Weiterentwicklung und den Vertrieb des Java-Produkts.
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Semiramis ist gerettet. Nur wenige Wochen nach Bekanntgabe der Insolvenz des mittelständischen ERP-Herstellers ist ein Käufer für die Software gefunden. Das Consulting- und Softwarehaus SoftM hat ein Angebot für die Übernahme der Lösung abgegeben – die Zustimmung der Gläubigerausschüsse beider Firmen ist bereits erfolgt. Besiegelt werden soll der Deal bereits in Kürze.
Nur Assetkauf
SoftM kauft damit für einen laut Unternehmensangaben „hohen einstelligen Millionenbetrag“ die Assets von Semiramis. Das bedeutet im Klartext, dass die Software-Rechte sowie der Mietvertrag für die Deutschlandzentrale der Semiramis Software AG in Hannover übernommen werden. Die dort ansässigen 40 Beschäftigten sollen künftig für SoftM arbeiten.
Das Münchner Unternehmen will mit der Akquisition eine führende Rolle im Markt für javabasierte Lösungen einnehmen. Mit Semiramis hat sich SoftM dabei das Produkt eines seiner Hauptkonkurrenten einverleibt. Die Lösung sei mit rund 200 Kunden gut eingeführt am Markt, heißt es dabei aus dem Unternehmen, vor allem, wenn man in Betracht zieht, dass sie erst seit drei Jahren verkauft wird.
Auf diesem Kundenstamm will SoftM aufbauen und gelobt, die Software nicht verschwinden zu lassen, sondern sie aktiv zu vermarkten und weiterzuentwickeln. Dabei plant der Hersteller sowohl seinen direkten Vertrieb zu forcieren, als auch das Partnernetzwerk von Semiramis zu stärken. Derzeit vertreiben 35 Händler die Java-Software, mit denen die Zusammenarbeit fortgeführt werden soll.
Eine spezielle Stellung nimmt dabei die KTW Software & Consulting GmbH ein. Das Unternehmen unter der Leitung von CEO Reinhold Karner, der als Firmenchef gleichzeitig die Mehrheit hält, bekommt die Exklusiv-Vertriebsrechte für die ERP-Software in Österreich zugesichert. Karner soll SoftM laut Vorstand Ralf Gärtner zudem als persönlicher Berater unterstützen.
Wunschpartner SoftM
„Ich bin sicher, dass wir mit dieser Lösung wieder jene Interessenten überzeugen können, die ihre Kaufentscheidung auf Grund der Insolvenz verschoben haben“, gibt sich Karner optimistisch. Der Semiramis- und KTW-Chef konnte dabei nach eigenen Angaben unter etwa 20 Bietern wählen. Darunter seien neben Wettbewerbern auch Finanzinvestoren, Beratungshäuser und große Industrieunternehmen gewesen. Ursprünglich hatte KTW die Entwicklung selbst übernehmen wollen, „es war aber immer klar, dass wir dazu einen starken Finanzpartner brauchen“, so Karner im Gespräch mit IT-BUSINESS NEWS.
SoftM sei der Wunschpartner des Österreichers gewesen. Die Münchner seien ein seriöses Mittelstandsunternehmen mit einer ähnlichen Denke, einem großen Kundenbestand und einer eigenen Entwicklungsmannschaft. Die kürzlich lancierte Software Greenax ist jedoch bislang noch nicht so recht aus den Startlöchern gekommen. Unternehmensnahe Kreise gehen daher davon aus, dass die Semiramis-Lösung künftig das Flaggschiff des Herstellers werden könnte.
Entgegen anders lautender Berichte hat SoftM den Kauf aus eigenen Mitteln sowie im Rahmen der Kreditlinie seiner Hausbank finanziert. Externe Investoren habe es nicht gegeben, heißt es aus dem Unternehmen. Unangetastet vom Deal bleiben die insolventen Semiramis-Gesellschaften in Deutschland und Österreich, die laut Karner liquidiert werden sollen. Immerhin, die Software konnte gerettet werden. „Ich bin froh, dass mein Lebenswerk nicht zusammenbricht“, so ein erleichterter Karner.
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