Distributor aus Bergheim in Schieflage Update zur Insolvenz von Siewert & Kau

Von Mihriban Dincel und Sylvia Lösel 3 min Lesedauer

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Siewert & Kau ist insolvent. Das Unternehmen hat beim Amtsgericht in Köln Insolvenz angemeldet. Aktuell wird der Geschäftsbetrieb stabilisiert und es werden weitere Schritte eingeleitet. Unter anderem startete der Investorenprozess.

Der Bergheimer Distributor Siewert & Kau ist in Schieflage geraten. (Bild:  creatfive - stock.adobe.com)
Der Bergheimer Distributor Siewert & Kau ist in Schieflage geraten.
(Bild: creatfive - stock.adobe.com)

Der Bergheimer Distributor Siewert & Kau ist in Schieflage geraten und musste beim zuständigen Amtsgericht in Köln Insolvenz anmelden. Eine Insolvenzverwalterin wurde bestellt.

++ Update ++

Nun hat sich Siewert & Kau in Form einer Mitteilung zu Wort gemeldet. Demnach ist die vorläufige Insolvenzverwalterin, Marion Rodine, seit Montag mit ihrem Team beim Distributor vor Ort, um den Geschäftsbetrieb zu stabilisieren. „Wichtigste Aufgabe ist es, die Finanzierung für die kommenden Monate sicherzustellen. Damit bliebe die unternehmerische Handlungsfähigkeit in vollem Umfang erhalten“, erklärt Rodine. Das Ziel sei es, die ineinander verzahnten Einkaufs- und Lieferprozesse, die Siewert & Kau auszeichnen, im vorläufigen Insolvenzverfahren fortzuführen.

Gespräche mit Kunden und Lieferanten seien bereits gemeinsam mit den Geschäftsführern aufgenommen worden. „Die ersten Rückmeldungen sind positiv“, zeigt sich Rodine für das weitere Vorgehen zuversichtlich. Die vorläufige Insolvenzverwalterin möchte bewerkstelligen, dass Ware kurzfristig vom Siewert & Kau Logistikzentrum in Bergheim an die Kunden geliefert wird und neue Bestellungen aufgenommen werden können. Zudem wird eine Insolvenzgeldvorfinanzierung veranlasst, um die Löhne und Gehälter der Mitarbeitenden in den kommenden Monaten zahlen zu können.

Stellungnahme der Geschäftsführung

Zum Geschehen äußert sich Siewert & Kau Geschäftsführer und CFO Claus Holzleitner folgendermaßen: „Als lizensierter IT-Distributor ist Siewert & Kau seit über 30 Jahren systemisch mit seinen Lieferanten und Kunden verbunden. Wir haben viele erfahrene IT-Experten im Unternehmen, die die Bedürfnisse der Kunden genau kennen und ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen. Das qualitativ hochwertige Zusammenspiel von Mensch und Technik zeichnet uns im hart umkämpften IT-Markt aus. Allerdings hat uns die seit mehr als einem Jahr andauernde Investitionskrise in Deutschland – sowohl in der Wirtschaft als auch bei der Öffentlichen Hand – insbesondere im wichtigen Projektgeschäft hart getroffen. Hinzu kommt die Volatilität des US-Dollars seit der Wahl der neuen US-Administration im November 2024, da wir einen Großteil unserer Einkäufe in US-Dollar tätigen.“

So soll es vorerst weitergehen

Der Distributor strebt nun einen geordneten Investorenprozess an, um so die Arbeitsplätze sowie Kunden- und Lieferantenbeziehungen langfristig zu sichern und Gläubiger bestmöglich zufrieden zu stellen. „Als Familienunternehmer geht es uns um den Fortbestand dessen, was wir über 30 Jahre lang gemeinsam mit unserem Team mit viel Herzblut aufgebaut haben. Wir stehen einem möglichen Investorenprozess offen gegenüber und können uns gut vorstellen, Teil der Zukunftslösung zu werden“, blickt Björn Siewert, Geschäftsführer und Co-Gründer von Siewert & Kau, unternehmerisch nach vorn.

Investorenprozess gestartet

Und diese Pläne könnten bereits demnächst aufgehen, wie ein Statement von Rodine bestätigt. So wurde der bereits angekündigte Investorenprozess am 19. Mai gestartet. „Erste Interessensbekundungen potenzieller Erwerber sind bereits eingegangen – das ist ein erfreuliches Zeichen aus dem internationalen IT-Markt“, berichtet die Rechtsanwältin.

Auch arbeitet das Unternehmen gemeinsam mit der Insolvenzverwalterin daran, dass Einkaufs- und Lieferprozesse weiter fortgeführt werden können. „Die dafür notwendigen Abstimmungen mit den Lieferanten aus Europa, Asien und den USA laufen auf Hochtouren. Erste Lieferanten haben Verkäufen ihrer Ware bereits zugestimmt“, verkündet Rodine. Ebenso hätten die finanzierenden Banken „grünes Licht gegeben“. Bis die Systeme wieder hochgefahren werden, wird es aber vermutlich noch einige Zeit brauchen. Die Geschäftsführung aber erwartet, dass „Siewert & Kau bis Ende der Woche wieder auf allen Ebenen verfügbar sein wird.“, so die Rechtsanwältin.

So entwickelte sich der Distributor

Der Bergheimer Distributor wurde 1994 von Björn Siewert sowie den Brüdern Holger und Oliver Kau gegründet und beschäftigt rund 400 Mitarbeiter. Der Umsatz belief sich 2021 auf rund 700 Millionen Euro.

Vor einigen Jahren hat das Unternehmen die Logistikfläche deutlich erweitert und wollte wachsen. Der Distributor hat drei operative Einheiten: Distribution, Logistics und Services. Zudem gab es zu Beginn dieses Jahres eine personelle Neuausrichtung.

Denn das Distributionsgeschäft befindet sich im Umbruch, das reine Produktgeschäft wird weniger. Dafür steigt die Nachfrage nach Services und Beratung.

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