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Fehler der Vergangenheit bereiten Sorge
Die Mitarbeiter von SIS sehen ihre Zukunft im Gegensatz zum Personalvorstand skeptisch, denn in der Vergangenheit hatte Siemens bei der Partnerwahl kein gutes Händchen bewiesen:
- Die Handy-Sparte, die an Benq verkauft worden war und dort unter Benq Mobile firmierte, wurde finanziell ausgeschlachtet und dann geschlossen. Vergeblich wurde der Mutterkonzern Benq vom Benq-Mobile-Insolvenzverwalter verklagt .
- Die Service-Gesellschaft Sinitec wurde an die deutlich kleinere A&O verkauft. Es dauerte nicht lange, dann waren die daraus entstandenen A&O-Töchter 4Tec und iTec pleite.
- Das Geschäft mit Mobilfunk- und Festnetz-Infrastruktur wurde im April 2007 in ein Joint-Venture mit Nokia eingebracht. Die daraus entstandene Nokia Siemens Network hatte ursprünglich 60.000 Mitarbeiter. Fünf Wochen nach der Gründung wurde die Entlassung von 9.000 Mitarbeitern bekanntgegeben, davon knapp 2.300 in Deutschland.
- Eine 80,2-Prozent-Mehrheit der Telefon- und Heimnetzwerksparte Siemens Home and Office Communications GmbH & Co. KG (SHC) wurde im August 2008 an Arques verkauft und gemäß dem wichtigsten Produkt-Brand in Gigaset umbenannt, kündigte aber danach weitere Entlassungen an. Der Firmensanierer Arques wird von Siemens derzeit verklagt, weil er zugesagte Investitionen von 20 Millionen Euro nicht leistet, daneben gab es Streit um eine fällige Kaufpreisrate von 15 Millionen Euro. Arques will trotzdem eine beim Kauf vereinbarten Option im September 2010 ausüben, um die restlichen 19,8 Prozent der Anteile von Siemens zu übernehmen – zum Spottpreis von 5.000 Euro. Arques hatte zudem, wie die Gores-Group für SEN, eine ordentliche Mitgift für SHC erhalten.
- 51 Prozent von Siemens Enterprise Communications (ehemals Siemens Enterprise Networks, abgekürzt noch heute SEN) wurden im Herbst 2008 an die Gores-Group verkauft, die das Geschäft mit den US-Töchtern Enterasys und SER Systems kombinieren wollte. Mitte 2009 bekam die Abteilung ein neues Management, das tausende Stellen abbaute, defizitäre Auslandsniederlassungen schloss und etliche Entwicklungsprojekte einstellte. Mit Zukäufen soll der Geschäftsbereich gestärkt werden. Beim Versuch, Teile der insolventen Nortel zu übernehmen, unterlag man aber gegen Avaya, genau wie Nokia Siemens Network, die beim Verkauf der Nortel-Mobilfunksparte von Ericsson ausgestochen wurde.
Einzig die Übernahme der Anteile am Joint Venture Fujitsu Siemens Computers durch den Kooperationspartner Fujitsu, der auch Teile der ursprüngliche Sparte Siemens Business Services (SBS) gekauft hatte, kann als bislang erfolgreiche Transaktion bewertet werden.
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