Initiativen für den sicheren Datenaustausch sind gescheitert oder an ihre Grenzen gestoßen. Nun müssen souveräne Datenräume dafür sorgen, dass Europas Wirtschaft weiterwachsen kann. Wie das gehen kann, erläutert der Projektleiter von Gaia-X Hub Germany, Jan Fischer, im Gespräch mit CloudComputing-Insider.
Souveräne Datenräume: Gaia-X und EuroStack als Gegenentwurf von Donald Trumps „Jetzt zocken wir Euch ab“-Polemik.
(Bild: BonzEarthsnapper - stock.adobe.com)
Der Austausch von Daten zwischen Unternehmen beziehungsweise deren Clouds gestaltet sich aus rechtlichen und sicherheitstechnischen Gründen sehr schwierig. Nach dem heutigen Stand müsste mit jedem beteiligtem Player ein Einzelvertrag abgeschlossen werden. Da sich auch der Datenaustausch via Plattformen als viel zu gefährlich erwiesen hat, müssen es künftig sogenannte souveräne Datenräume richten.
Datenaustausch – sicher und fair.
Jan Fischer, Projektleiter Gaia-X Hub Germany
Deren Entwicklung ist nicht nur eine technologische Notwendigkeit, sondern auch von enormer wirtschaftlicher Bedeutung. Denn wenn Unternehmen mit ihren Partnern keine Daten austauschen können, hemmt das gemeinsame Projekte und das Business allgemein. Dabei gab es früher schon viele Versuche, den Datenaustausch auch über Kontinente hinweg sicher zu gestalten, etwa den EU Data Act, das CISPE Cloud Switching Framework oder das Transatlantic Data Privacy Framework (TADPF).
Jan Fischer, Projektleiter Gaia-X Hub Germany.
(Bild: Gaia-X / acatech)
Diese Ansätze greifen nach Ansicht des Projektleiters Gaia-X Hub Germany, Jan Fischer, ineinander: „Der EU Data Act ist eine europäische Verordnung, das TADPF ein völkerrechtliches Abkommen, das CISPE Cloud Switching Framework eine Brancheninitiative für die Interoperabilität von IT-Diensten“, erläutert der Experte. Allen gemein sei, dass sie den Datenaustausch sicherer und fairer gestalten wollten, doch die eingesetzten Mittel unterschieden sich deutlich: „Die genannten Ansätze schaffen regulatorische Grundlagen, stoßen aber an ihre Grenzen, wenn es um die praktische Umsetzung geht.“
Initiativen gehören gebündelt
Nach Ansicht Fischers ist es daher wichtig, diese Initiativen in Recht, Politik und Wirtschaft zu bündeln, statt das Rad neu zu erfinden. „Hier setzen zahlreiche Initiativen der Daten-Community an. Gaia-X etwa konzentriert sich auf Vertrauen beim Datenaustausch. Die Community hat ein Trust Framework entwickelt, das datenbasierte Kooperation mit anonymen Dritten ermöglicht und teilweise automatisiert.“
Das europäische Datengesetz setze grundsätzlich auf Datenräume. „Common European Data Spaces“ seien Kern der europäischen Datenstrategie und im Data Act als Schlüssel für sicheren Datenaustausch definiert. Gaia-X baue auf diesen Vorgaben auf und liefert die technische Umsetzung.
Verschlüsselung allein reicht nicht, wenn das Vertrauen fehlt.
Jan Fischer, Projektleiter Gaia-X Hub Germany
„Datenbasierte Kooperation bedeutet mehr, als Daten sicher zwischen Servern zu übertragen“, so Fischer. „Unternehmer wollen wissen, wem sie die Nutzungsdaten ihrer Maschinen anvertrauen. Ist es der Hersteller, ein Dienstleister oder jemand, der sich als solcher ausgibt? Verschlüsselung allein reicht nicht, wenn das Vertrauen fehlt. In der Datenwirtschaft müssen wir nicht nur die Technik, sondern auch die Zusammenarbeit regeln – und diese Regeln in die Dateninfrastruktur integrieren. Dafür hat Gaia-X das Trust Framework geschaffen.“
Konkret bedeute das, dass Unternehmen nicht mehr manuell prüfen müssten, ob andere Teilnehmer die Regeln einhalten. Automatisierte Prüfverfahren garantierten, dass Identitäten und Daten den Gaia-X-Standards entsprechen. So könnten Unternehmen sicher und effizient über Branchen hinweg kooperieren. Ohne solche Systeme seien, wie bereits eingangs erwähnt, bilaterale Verträge nötig – „ein ineffizienter Prozess, der besonders kleine und mittlere Unternehmen von der Datenwertschöpfung ausschließt“.
Die jüngste Kritik an Gaia-X– etwa dass es angeblich „tot“ sei – hängt sich am langsamen Fortschritt und der Beteiligung von US-Hyperscalern auf. Diese Kritik betrachtet Fischer als „ oft veraltet“. Pilotprojekte in Branchen wie Gesundheit und Industrie zeigten, dass souveräne Datenräume mit Gaia-X-Standards machbar seien.
Die Einbindung von US-Hyperscalern werde häufig kritisiert, sei aber strategisch notwendig. „Europäische Unternehmen agieren global und brauchen skalierbare Cloud-Infrastrukturen. Eine Abschottung Europas würde sie benachteiligen“, erklärt Fischer“.
In sensiblen Bereichen wie Gesundheits- oder Finanzdaten setze Gaia-X auf europäische Infrastrukturen. Ein Labeling-Verfahren stelle sicher, dass außereuropäische Akteure keinen Zugriff auf kritische Daten erhalten. Zudem hätten diese Unternehmen kein Stimmrecht in der Gaia-X Association. Die Behauptung, sie könnten die Initiative dominieren, sei falsch. Es liege nun an den Europäern, das Potenzial von Gaia-X zu nutzen.
Stand: 08.12.2025
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Fischer ruft EuroStack zur Kooperation auf
Anfang des Jahres hat sich eine neue, „EuroStack“ genannte Kooperation zusammengetan, um ganz nach dem Muster von Gaia-X den Aufbau einer europäischen, souveränen und digitalen Infrastruktur voranzutreiben. Federführend sind ehemalige Gaia-X-Aktivisten der ersten Stunde. In einem offenen Brief an das EU-Präsidium erklärt die Initiative, das man „mehr sein will als Gaia-X“.
Ressourcen bündeln und technische Standards harmonisieren.
Jan Fischer, Projektleiter Gaia-X Hub Germany
Anders als andere will Fischer darin keinen Versuch ausmachen, Fördergelder abzuschöpfen und Gaia-X zu schwächen. Er sieht die Angelegenheit differenzierter: „EuroStack könnte Synergien schaffen, wenn es sich stärker mit bestehenden Projekten wie Gaia-X vernetzt“, so der deutsche Hub-Leiter. „Statt Parallelstrukturen aufzubauen, sollten wir Ressourcen bündeln und technische Standards harmonisieren. EuroStack kann Gaia-X ergänzen, etwa durch zusätzliche Infrastrukturkomponenten, und so den europäischen Ansatz für souveräne Datenräume stärken.“
Auch eigene Angebote zu souveränen Datenräumen etwa von den EuroStack-Aktivisten Ionos und Nextcloud bezeichnet er als einen wichtigen Schritt, um Datenräume als gebrauchsfertige Dienste anzubieten. „Viele mittelständische Unternehmen haben weder die Ressourcen noch die Expertise, Datenräume in Eigenregie aufzubauen“, erläutert Fischer. „Serviceangebote können hier helfen – vorausgesetzt, sie erfüllen die Prinzipien von Souveränität und Sicherheit.“
Welche Zukunft hat Gaia-X?
Die Zukunft von Gaia-X hänge davon ab, ob man komplexe Technik benutzerfreundlich gestalten und für die Wirtschaft zugänglich machen könne. Der Aufbau interoperabler Datenräume bleibe eine Herausforderung – und eine große Chance für Europa. „Gaia-X hat gezeigt, dass Vertrauen durch klare Regeln und Standards möglich ist. Wenn mehr IT-Anbieter Datenräume als fertige Services anbieten und Unternehmen deren Potenzial erkennen, könnte Gaia-X zum Kern der europäischen Datenwirtschaft werden.“
Interoperable Datenräume bleiben eine Herausforderung.
Jan Fischer, Projektleiter Gaia-X Hub Germany
Der Horizont aller Beteiligten dürfe aber nicht an den Grenzen Europas enden. Internationale Partnerschaften seien entscheidend, um global wettbewerbsfähig zu bleiben, ohne dabei europäische Werte zu gefährden. Die Balance zwischen Offenheit und Schutz sensibler Interessen werde über den Erfolg entscheiden.
Campus des Gaia-X Hubs Deutschland
Der Gaia-X Hub Campus ist ein Online-Trainingsbereich des Gaia-X Hubs Deutschland. Die Plattform richtet sich an Unternehmen, Verwaltung und Interessierte, die sich über Datenwirtschaft, Datenräume und das europäische Gaia-X-Datenökosystem informieren möchten. Im Fokus stehen Beiträge, die zentrale Begriffe, Anwendungsbeispiele und aktuelle Entwicklungen verständlich erläutern. Ziel ist es, den Zugang zu Wissen rund um souveränen Datenaustausch und digitale Innovationen in Europa zu erleichtern.