Digitale Einkaufserlebnisse Shoppen rund um die Uhr

Von Ira Zahorsky

Inzwischen haben die meisten Geschäfte werktäglich bis 20 Uhr geöffnet. Sind Läden, die 24/7 auf und kaum noch Verkaufspersonal vor Ort haben und wo das Bezahlen automatisch beim Verlassen des Geschäfts abläuft, Zukunftsmusik? Der Bitkom meint, im Jahr 2030 könnte das Realität sein.

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Kassen ohne Kassierer? In Deutschland bei Ikea, in asiatischen Ländern in deutlich mehr Geschäften
Kassen ohne Kassierer? In Deutschland bei Ikea, in asiatischen Ländern in deutlich mehr Geschäften
(Bild: Corona Borealis - stock.adobe.com)

Rund um die Uhr per Smartphone in einem Geschäft einchecken, Produkt- und Preis-Infos per App und automatisches Bezahlen: „Was in Deutschland wie Zukunftsmusik klingt, ist in anderen Teilen der Welt schon Realität“, erklärt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder. „Insbesondere in einigen asiatischen Ländern kann man den so genannten ‚New Retail‘ bereits live erleben.“

Die Hälfte der vom Bitkom befragten Handelsunternehmen und Internetnutzer schätzt, dass im Jahr 2030 durch den Einsatz digitaler Lösungen 24/7-Öffnungszeiten möglich sind. Ebenfalls die Hälfte der Internet-User sowie 69 Prozent der Händler vermuten, dass es bald keine Kassen mehr in den Läden gibt. Das Bezahlen der Ware erfolgt dann automatisch beim Verlassen des Geschäfts. Jeweils rund 70 Prozent erwarten, dass die Kunden per App ein Maximum an Transparenz zu den Waren erhalten werden. Dazu zählen unter anderem Herkunft, CO2-Fußabdruck und Inhaltsstoffe.

Etwas mehr in Richtung Science Fiction geht es bei den Fragen zum Thema Verkaufspersonal. Immerhin je ein Drittel der Befragten kann sich zwar vorstellen, dass es bis 2030 kein Verkaufspersonal mehr geben wird und die persönliche Beratung nur noch durch digitale Assistenten stattfindet. Verkaufsroboter, die die Kundschaft durch den Laden führen, sehen nur noch 26 Prozent der Händler und 29 Prozent der Internetnutzer. Den Abschied vom Bargeld prognostizieren 28 Prozent der befragten Handelsunternehmen und fast die Hälfte (46 %) der Internet-User.

Kennen Sie noch den „langen Donnerstag“?

Zur Lockerung des Ladenschlussgesetzes führte Deutschland im Oktober 1989 den „langen Donnerstag“ ein, an dem, im Gegensatz zu den anderen Werktagen, die Geschäfte bis 20:30 geöffnet haben durften. Bei den Mitarbeitern der betroffenen Branchen kam das allerdings nicht gut an. Sie bezeichneten den langen Arbeitstag als „Schlado“ oder „Scheilado“ (Scheiß langer Donnerstag).

Ab 1. November 1996 konnten die Geschäfte dann montags bis freitags von 6 bis 20 Uhr öffnen. Seit 2003 ist dies auch samstags möglich. Abgesehen von Sonn- und Feiertagen besteht in vielen Bundesländern keine Vorschrift mehr zur Festlegung der Ladenöffnungszeiten, sodass inzwischen auch rund um die Uhr geöffnet sein kann.

Zukunft des stationären Handels

Während der Corona-Pandemie hielten immerhin 60 Prozent der Internetnutzer dem Einzelhandel vor Ort die Stange. Etwa ebenso vielen (61 %) fehlt jedoch auch ein Online-Angebot der regionalen Geschäfte. Einem guten Drittel (35 %) fiel auf, dass sich dies während der Pandemie verbessert hat.

Im Handel darf es nicht darum gehen, online und offline gegeneinander zu stellen.

Dr. Bernhard Rohleder, Bitkom

„Stationäre Einzelhändler sollten beide Kanäle bedienen und die Potenziale der Digitalisierung nutzen, um krisenfest und langfristig erfolgreich zu sein“, so Rohleder. Es müsse jetzt ein Umdenken beim stationären Handel stattfinden, meinen 82 Prozent der Internetnutzer und 71 Prozent der Händler.

Über die Umfrage „Die Zukunft des Handels“

Grundlage der Angaben ist eine Umfrage, die Bitkom Research im Auftrag des Digitalverbands Bitkom durchgeführt hat: 1) Telefonische Befragung von Mitte Juli bis Ende August 2021 mit 505 Handelsunternehmen in Deutschland; 2) Online-Befragung von Mitte bis Ende Oktober 2021 mit 1.109 Personen in Deutschland ab 16 Jahren. Die Umfragen sind repräsentativ.
Die Fragestellungen lauteten jeweils: „Bitte beurteilen Sie, wie verbreitet die folgenden Szenarien im Jahr 2030 sein werden.“ und „Inwieweit treffen Ihrer Meinung nach die folgenden Aussagen auf den Handel zu bzw. nicht zu?“

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