Nextcloud Summit 2025 Open Source und souverän: Nextcloud als europäischer Cloud-Workplace

Von Klaus Länger 3 min Lesedauer

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Software ist inzwischen zu einem Mittel der Politik geworden, findet Nextcloud-CEO Frank Karlitschek. Er setzt daher darauf, dass Behörden und Firmen sich für seine Open-Source-Kollaborationsplattform entscheiden, um so ihre digitale Souveränität zu gewährleisten. Dafür hat er Verbündete in Politik und IT-Branche.

Auf dem Nextcloud Summit 2025 in München tritt CEO Frank Karlitschek entschieden für europäische Cloud- und Software-Lösungen ein.(Bild:  Nextcloud)
Auf dem Nextcloud Summit 2025 in München tritt CEO Frank Karlitschek entschieden für europäische Cloud- und Software-Lösungen ein.
(Bild: Nextcloud)

Frank Karlitschek, Gründer und CEO von Nextcloud, ist schon seit den 1990er-Jahren in der Open-Source-Welt aktiv. Er hat Nextcloud im Jahr 2016 gegründet, als Ableger des ebenfalls von ihm sechs Jahre zuvor ins Leben gerufenen Owncloud-Projekts, mit dessen Kurs er nicht mehr einverstanden war. Auf dem Nextcloud-Summit in München Anfang Juni sagt Karlitschek, dass Software, anders als vor 30 Jahren, inzwischen politisch geworden sei. Denn gerade die Trump-Administration habe mit unberechenbaren Aktionen und den vom US-Präsidenten losgetretenen Handelskonflikten klar gemacht, in welchem Ausmaß sich Europa von außereuropäischen IT-Anbietern abhängig gemacht habe. Laut dem Nextcloud-CEO könne die US-Regierung so mit einem „Killswitch“ die europäische IT-Infrastruktur lahmlegen. Zudem ist für Karlitschek auch das neue Trans-­Atlantic Data Privacy Framework nicht kompatibel zur DSGVO, was ein rechtliches Risiko für Unternehmen darstellt. Schließlich warnt der Nextcloud-Gründer vor Preisrisiken durch Monopole der Hyperscaler sowie vor Spionage durch US-­Geheimdienste. Damit trifft er auf offene Ohren, wie die Resonanz beim Nextcloud Summit belegt: Mit 600 Teilnehmern war er das bislang größte Event des Open-Source-­Software-Herstellers.

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Nextcloud Workspace als Microsoft-365-Alternative

Mit von der Partie war auch der europäische Cloud-Anbieter Ionos. Dessen CTO Dr. Markus Noga kündigte auf dem Summit die gemeinsame Entwicklung des neuen souveränen Online-Arbeitsplatzes ­Nextcloud Workspace an, der im Laufe des Jahres 2025 verfügbar sein soll. „Wir sehen aktuell eine große Nachfrage nach souveränen und sicheren Arbeitsplatzlösungen in Unternehmen“, sagte Noga auf dem Event und ergänzte: „Mit dem Nextcloud Workspace bauen wir auf diesem Momentum auf und entwickeln gemeinsam die nächste Stufe echter Wahlfreiheit für europäische Unternehmen – mit vollem Fokus auf digitale Souveränität und offene Standards.“ Uwe Presler, Leiter Business Development Public Sector bei Bechtle, sieht vor allem im öffentlichen Sektor eine Nachfrage nach einer souveränen ­Microsoft-365-Alternative von Nextcloud, aber auch zunehmendes Interesse bei Unternehmen. Hier werde man mit Nextcloud und Ionos kooperieren. Als dezentralisiertes Systemhaus sei Bechtle nah an den Kunden – und für die spiele Open Source eine immer größere Rolle.

Neue Talk-Version in München vorgestellt

Die Basis für den Nextcloud Workspace bildet der im Februar vorgestellte ­Nextcloud Hub 10, die neueste Version der Kollaborationsplattform für Private-Cloud-Umgebungen. Ein Bestandteil davon ist Talk als Alternative zu Microsoft Teams, dem Karlitschek zubilligt, durch den Funktionsumfang zum führenden Produkt in seiner Sparte geworden zu sein. Die in München vorgestellte neue Talk-Version soll hier mithalten können, speziell durch ein neues Dashboard, durch die Integration in Telefonsysteme und Verbesserungen für Videokonferenzen. Zudem bietet Talk auch KI-Funktionen, die lokal betrieben werden können, was für Datensouveränität sorge. Generell habe Talk Vorteile, da es Open Source sei, eine föderative Struktur sowie den On-Premises-Betrieb ­unterstütze.

Unterstützung für souveräne Cloud-Lösungen durch die Politik

Unterstützung erhofft sich der Nextcloud-CEO von der Politik. Bei einem Presse-Roundtable setzte sich Alexandra Geese, Europa-Abgeordnete der Grünen für Eurostack, als neuem Anlauf für eine souveräne europäische Cloud ein und fordert, europäische Unternehmen bei öffentlichen Aufträgen zu bevorzugen. Die Anti-Trust-Expertin Christina Caffara, ebenfalls für Eurostack aktiv, sieht Europa als „Kolonie der USA“ und fordert die Industrie auf, das zu ändern. Dabei solle sie von der EU Hilfe erhalten werden. Ionos setzt sich laut Noga bereits seit vielen Jahren für den Aufbau einer europäischen Cloud ein und unterstützt daher ebenso wie Nextcloud die Eurostack-Initiative.

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