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Schweizer Paketdrohnen fliegen wieder nach Absturz

Online-Käufer wünschen Drohnenlieferung

| Autor: Sarah Gandorfer

Die Schweizer Post lässt Drohnen für sich arbeiten.
Die Schweizer Post lässt Drohnen für sich arbeiten. (Bild: © Mopic - stock.adobe.com)

Dass Drohnen Pakete ausliefern, ist keine Zukunftsmusik mehr. In der Schweiz sind im vergangenen Jahr zwei Quadrocopter abgestürzt, doch inzwischen liefern Paketdrohnen wieder aus. Und in Deutschland wäre jeder zweite Bundesbürger bereit, seine Päckchen künftig aus der Luft zu erhalten.

Jeder kennt das: Der Postbote war da, man selber jedoch nicht. Wer Glück hat, hat einen netten Nachbarn, der das Paket entgegengenommen hat. Allerdings empfinden laut einer Bitkom-Umfrage unter 1.024 Online-Käufern 28 Prozent, es sei lästig, Pakete für andere anzunehmen. 15 Prozent verweigern sich dem sogar gänzlich. Um also nicht zur Postfiliale zu laufen, käme für 59 Prozent eine persönliche Paketbox neben dem Briefkasten in Frage. 37 Prozent würden sich ihre Pakete gerne per Drohne auf den Balkon oder die Terrasse liefern lassen. In der Altersstufe der 16- bis 29-Jährigen würden sogar 52 Prozent gerne ihre Lieferung per Fluggerät bekommen.

Fast jeder Dritte findet es lästig, Pakete für Nachbarn anzunehmen. Entsprechend werden alternative Lösungen gewünscht.
Fast jeder Dritte findet es lästig, Pakete für Nachbarn anzunehmen. Entsprechend werden alternative Lösungen gewünscht. (Bild: Bitkom)

Mehr Zurückhaltung über alle Altersstufen hinweg gibt es bei der Möglichkeit, sich ein Paket in die eigene Wohnung liefern zu lassen, zu der der Paketbote dann per Kennwort oder Gesichtserkennung Zutritt erhält: Für jeden fünften Befragten käme diese Möglichkeit in Frage. 14 Prozent wären für die Variante offen, dass der Zusteller die Sendung im Kofferraum des eigenen Autos hinterlegt, der per digitalem Code geöffnet werden kann.

Dabei ist die Lieferung an das eigene Zuhause die meist genutzte Option: Neun von zehn Online-Shoppern (90 %) geben an, sich ihre Pakete in der Regel an die Privatadresse liefern zu lassen. 13 Prozent setzen auf eine Packstation, acht Prozent schicken ihre Waren gleich an einen Nachbarn. Sieben Prozent lassen Sendungen direkt an den eigenen Arbeitsplatz liefern.

„Insbesondere berufstätige Menschen wünschen sich mehr Flexibilität bei der Paketzustellung“, sagt Florian Lange, Bitkom-Experte für Handel und Logistik. „Ein Durchbruch auf dem Massenmarkt steht allerdings noch aus. Auch mit Transportdrohnen wird bereits experimentiert. Diese Technologie sorgt nicht nur für mehr Komfort für die Kunden, sondern entlastet auch den innerstädtischen Verkehr und damit die Umwelt. Schon allein aus Gründen der Sicherheit wird es aber noch dauern, bis Drohnen auf der letzten Meile eingesetzt werden.“

Drohnenprojekte der Deutschen Post

Die Deutsche Post nutzt bereits Drohnen, allerdings sehr eingeschränkt. So startete die Bundespost bereits 2014 auf der Nordseeinsel Juist mit der Lieferung von eiligen Medikamenten. Von September bis Dezember 2014 wurden Transportflüge über eine Strecke von rund zwölf Kilometern im Rahmen einer Eil- und Notfallversorgung vom Festland auf die Nordseeinsel Juist durchgeführt, insbesondere zu Zeiten, in denen es weder reguläre Fähr- noch Flugverbindungen gab.

Im Rahmen des sechsmonatigen Pilotprojekts „Deliver Future“ im Jahr 2018 teste die Deutsche Post außerdem die Lieferung von Medikamenten per Drohne auf eine Insel im Viktoriasee auf dem afrikanischen Kontinent. Der selbständig fliegende „DHL Paketkopter 4.0“ schaffte dabei die 60 km Flugstrecke vom Festland bis zur Insel in durchschnittlich 40 Minuten. Insgesamt wurden in dem Pilotprojekt mehr als 2.200 km geflogen und rund 2.000 Flugminuten geleistet. Die Drohne eröffnet neue Möglichkeiten, denn in vielen Regionen Afrikas stellt die Logistik im Gesundheitswesen, insbesondere die Medizinversorgung ländlicher Krankenhäuser und Apotheken eine enorme Herausforderung dar.

Abstürze in der Schweiz

2018 starte in der Schweiz ein regulärer Lieferdienst. Zunächst flogen Quadrocopter Blutproben, Medikamente und medizinische Proben zwischen Krankenhäusern in Lugano (Kanton Tessin) hin und her, dann in Zürich.

Im Mai 2019 stürzte eine der zehn Kilogramm schweren Fluggeräte in Zürich in einem Waldstück nahe der Universität ab. Die Drohnen sind für einen solchen Fall mit Sicherheitsmechanismen ausgestattet: Bei einem Systemausfall schaltet der Copter die Rotoren ab, und ein Fallschirm öffnet sich, an dem er zu Boden sinkt. Zusätzlich ertönt ein akustisches Warnsignal. Allerdings öffnete sich damals zwar der Fallschirm, doch riss das Seil, mit dem dieser an der Drohne befestigt war. Verletzt wurde niemand.

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Bereits wenige Monate zuvor hatte es einen Zwischenfall über dem Zürichsee gegeben, als das GPS bei einem Quadrocopter ausfiel. Bei ihm lief das Notfallsystem planmäßig und er schwebte laut warnend an seinem Fallschirm in Richtung See, wo er versank.

Nach dem Absturz im Mai setzte die Schweizer Post die Lieferungen aus und veranlasste eine Sicherheitsüberprüfung der Fluggeräte. Die Kommission von Luftfahrtexperten attestierte daraufhin sowohl der Post wie auch dem Fluggerätehersteller Matternet einen hohen Sicherheitsstandard. Aus Sicht der Experten lagen keine Bedenken gegen die Wiederaufnahme des Flugbetriebs vor. Entsprechend sind die Drohnen seit Ende Januar wieder unterwegs.

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