Channel Fokus: Distribution Nachhaltigkeit: Gut für die Umwelt und gut fürs Geschäft

Das Gespräch führte Michael Hase

Es ist nicht so schwierig, Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit in Einklang zu bringen, meint Andreas Ruhland von Also. Zusammen mit Mike Rakowski berichtet er, wie weit Also dabei schon ist.

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Mit nachhaltigem Verhalten und konsequentem Einsatz digitaler Technologien beeinflussen die großen Distributoren die Klimabilanz positiv.
Mit nachhaltigem Verhalten und konsequentem Einsatz digitaler Technologien beeinflussen die großen Distributoren die Klimabilanz positiv.
(Bild: j-mel- stock.adobe.com)

ITB: Die Halbleiterknappheit war in diesem Jahr ein allgegenwärtiges Thema in der Wirtschaft, nicht nur in der ITK-Branche. Inwieweit kam es bei Ihren Lieferanten zu Engpässen und Verzögerungen? Und wie haben die sich auf Ihr Geschäft ausgewirkt?

Andreas Ruhland, Chief Customer Officer bei Also Deutschland
Andreas Ruhland, Chief Customer Officer bei Also Deutschland
(Bild: Also)

Ruhland: Grundsätzlich ist diese Frage besser bei den Herstellern aufgehoben. Alles, was wir dazu sagen können, ist, dass das Also-Ökosystem hier enorme Vorteile bietet, da wir europaweit über ein sehr breites Angebot von Produkten und Lösungen verfügen und daher immer gut lieferfähig waren.

ITB: Wie gehen Sie mit der Situation um? Welche Maßnahmen haben Sie ergriffen?

Mike Rakowski, Managing Director Service & Solutions bei Also Deutschland
Mike Rakowski, Managing Director Service & Solutions bei Also Deutschland
(Bild: Beylemans)

Rakowski: Wie Andreas schon sagte: Dadurch, dass wir seit Jahren systematisch das Also-Ökosystem ausbauen und die Produktkategorien gut besetzen, haben wir hier einen echten Vorteil. Denn genau das versetzt uns in die Lage, unsere Partner mit Alternativen beliefern zu können.

ITB: Als eine Ursache der Halbleiterknappheit gilt die Allokation von Rohstoffen und Energie. Nicht ohne Grund wird in diesem Jahr so intensiv wie nie über Nachhaltigkeit diskutiert. Wie wichtig ist das Thema für Also?

Ruhland: Das Thema ist äußerst wichtig für uns und natürlich nicht erst seit diesem Jahr. Wir arbeiten seit Jahren an einer ressourcenschonenden Distribution mit der Optimierung von Verpackungsmaterialien, der Reduzierung von Plastik und Abfall und der Bündelung von Paketen beim Versand. Unsere Konzepte für die Rücknahme, das Refurbishing und die Wiedervermarktung von Altgeräten sowie den Vertrieb als B-Ware erweitern wir ständig, um sie attraktiv zu gestalten. Zudem engagieren wir uns für gesellschaftliche Themen, zum Beispiel mit Oscar, dem Online Scout für digitale Medien, der in diesen Tagen live geht und kontinuierlich erweitert wird.

ITB: Nehmen Sie in puncto Nachhaltigkeit auch Einfluss auf die Strategien der Hersteller, die Sie distribuieren? Was tun sie, um den Nachhaltigkeitsgedanken bei Ihren Fachhandelspartnern zu etablieren?

Ruhland: Es ist spürbar, dass ein Umdenken stattfindet, und das Bewusstsein aller Marktteilnehmer steigt. Und das ist gut so, denn wir können nur gemeinsam als Channel nachhaltiger werden. Wir müssen nicht nur die gesamte Lieferkette, sondern auch die Herstellung beachten. Darüber diskutieren wir sowohl mit Herstellern wie mit Kunden. Bei den Herstellern betrifft es Themen wie Seltene Erden oder den Anteil recycelter Elemente, bei den Kunden geht es um CO2-neutralen Transport und die Kreislaufwirtschaft.

ITB: Distribution ist ein ressourcenintensives Geschäft: der Transport von Waren, der Einsatz von Verpackungsmaterial, der Betrieb von Systemen und Plattformen. Wo setzten Sie den Hebel an? An welchen Punkten lässt sich die Ökobilanz am nachhaltigsten verbessern?

Rakowski: Es gibt zwei große Themen. In der klassischen Distribution ist es der Transport. Dazu nutzen wir vor allem die emissions-reduzierenden Angebote der großen Transportunternehmen. Der zweite Themenbereich ist sicher die energieeffiziente Ausstattung und der entsprechende Betrieb von Data Centern. Wir stellen derzeit systematisch auf erneuerbare Energien um, achten sehr auf die Energiebilanz unserer eingesetzten Hardware und arbeiten ständig an der Optimierung des Setups.

ITB: Rücknahme und Remarketing gebrauchter Produkte spielen seit einigen Jahren auch in der Distribution eine Rolle. Nach unserer Beobachtung geht es vielen Händlern, wenn sie Rechner an die Distribution zurückgeben, aber mehr um die ordnungsgemäße und datenschutzkonforme Entsorgung als um Wiederverwendung. Wie läuft das Geschäft mit Lifecycle-Services?

Rakowski: Die Sicherheit der Daten auf angekauften Altgeräten ist für den Handel enorm wichtig. Sie muss garantiert sein. Deshalb bietet unser Unternehmen Webinstore als einer der größten Refurbisher in Deutschland einen lückenlosen Prozess vom Transport bis zur zertifizierten Datenlöschung. Aber ja, in den meisten Fällen geht es den Händlern nicht um die Wiederverwendung. Das muss man verstehen. Die Händler müssen für sich auch die Komplexität in der Ausstattungslandschaft ihrer Kunden reduzieren. Es macht aber durchaus Sinn, alte Geräte wieder aufzubereiten. Denn es gibt genügend interessierte Sektoren, etwa Bildung und Erziehung, wo diese Geräte hervorragend ein „zweites Leben“ führen können. Zudem ist der Markt für Refurbished-Geräte bei Endkunden im Aufwind.

ITB: Wie bringen Sie die Anforderung, schonend mit Ressourcen umzugehen, mit der Notwendigkeit, Umsatz und Ertrag zu steigern, in Einklang?

Ruhland: Das ist eigentlich gar nicht so schwierig. Es geht darum, Win-Win-Situationen zu schaffen. Neue IT-Infrastrukturen, neue, energiesparendere, Gerätegenerationen. Das ist gut für die Umwelt und gut für das Geschäft.

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