Ein Energieunternehmen modernisiert die eigene IT und soll damit unter anderem für mehr Nachhaltigkeit sorgen? Das geht. E.ON-CIO Sebastian Weber erklärt, wie das beim Energieversorger E.ON abläuft.
Mit dem Ausbau erneuerbarer Energien geht die Digitalisierung der Netze einher. Um der Energiewende wieder ein Stück näher zu kommen, setzt E.ON daher unter anderem auf die Modernisierung der IT.
(Bild: KI-generiert / Copilot)
Die richtige IT-Struktur kann eine Vielzahl von Vorteilen mit sich bringen und ebenfalls zu grünerem Wirtschaften verhelfen. Ein Beispiel ist die Modernisierung der IT des Energieversorgers E.ON. CIO Sebastian Weber spricht über den Umstellungsprozess, geht auf Herausforderungen und Chancen ein und beschreibt, welche Auswirkung das Ganze für das Thema Nachhaltigkeit hat.
Ausschlaggebend für eine IT-Modernisierung war in erster Linie eine Veränderung des gesamten Energiekonzerns. Die Unternehmensstrategie fußt auf drei Eckpfeilern: Nachhaltigkeit, Digitalisierung und Wachstum. Digitalisierung wurde somit einer der zentralen strategischen Eckpfeiler des Gesamtkonzerns und dazu wurde ein neues Vorstandsressort Digital aufgebaut. Weber berichtet, dass bei der Digitalisierung zunächst die Basis bzw. das Fundament in Angriff genommen werden musste. “Es gibt Dinge, die müssen einfach funktionieren: ein zuverlässiger Computer mit stabiler Verbindung zum Internet und den Geschäftsanwendungen.” Unter diesem Aspekt startete die Modernisierung der IT, bei der unter anderem Notebooks ausgetauscht, die Netzwerkstruktur angepasst und die Migration in die Cloud erfolgte. „Wir haben erkannt, dass Digitalisierung die Basis für die grüne Energiewende ist, deshalb haben wir unsere Strategie angepasst und Digitalisierung zu einem unserer strategischen Eckpfeiler gemacht.“
Grüner dank der Cloud
Ein großer Hebel, den E.ON in diesem Sinne tätigte war die Migration in die Cloud. Damit können mehr als 5.000 Tonnen CO2-Äquivalente pro Jahr eingespart werden. Der Stromanbieter setzt dabei auf die Multi-Cloud, die die Rechenzentren abgelöst hat. “Wir verfolgen eine Multi-cloud-Strategie und haben große Anteile auf Azure und AWS, aber auch Google Cloud“, konkretisiert Weber. Dabei war bereits das Lift and Shift nicht ganz ohne. „So eine Migration bei einem Unternehmen wie E.ON ist ein großes Unterfangen“, räumt der CIO ein.
Eine technische Herausforderung war dabei laut Weber verbundene Anwendungen in die Cloud zu migrieren, ohne Ausfälle zu verursachen. „Wir migrierten die Anwendungen in Clustern, um Abhängigkeiten zu berücksichtigen. Wir verlagerten ein Cluster nach dem anderen & hielten die Betriebszeit aufrecht“, geht der CIO ins Detail. „Aber wir haben mit starken Partnern wie Microsoft und Wipro zusammengearbeitet.“, betont Weber.
In der Gesellschaft, in der wir leben, hat es eine hohe Priorität nachhaltiger zu werden. Wir selbst glauben daran und sehen, dass es auch technisch geht.
Warum gerade Nachhaltigkeit einer der großen Eckpfeiler der neuen E.ON-Strategie ist, erklärt Weber so: „In der Gesellschaft, in der wir leben, hat es eine hohe Priorität nachhaltiger zu werden. Wir selbst glauben daran und sehen, dass es auch technisch geht.“ Der Stromversorger biete selbst Wärmekopplungslösungen und unterstütze Kunden dabei, ihren Strom- oder Energiebedarf zu reduzieren. „Und hier zeigt sich schnell, wir können an dieser Stelle nichts optimieren, wenn wir diese Systeme nicht mit modernen Technologien aufbauen.“ Das bedeutet, zum einen ist die Optimierung der IT an sich und zum anderen der Nutzen aus dieser Modernisierung für mehr Nachhaltigkeit relevant. „Nachhaltigkeit als eines unserer Ziele passt also gut zu unserem Können und was wir mitbringen als Company“, ist der CIO überzeugt.
Auch Künstliche Intelligenz ist mit dabei
Neben moderneren Geräten und den Umzug in die Cloud spielt auch Künstliche Intelligenz eine entscheidende Rolle bei dieser Umwälzung. „Für uns stellt sich die Frage: Wo und welche Energie speisen wir ein und liefern sie unseren Kunden? Wenn es um die Einspeisung von grünem Strom geht, wo ist dieser vorhanden und wo müssen noch Brücken geschlagen werden? Bei diesen internen Prozessen kann man mit KI optimieren“, erläutert Weber den Einsatz. Das hängt insbesondere mit der Energiewende zusammen. So gab es in der ‚früheren Energiewelt‘ mit den zentralen Groß-Kraftwerken einen statischen Stromfluss: „Die Energie floss von den Kraftwerken zu den Verbrauchern. Heute passiert die Energiewende auf der Straße: Der Strom fließt von den Verbrauchern, die heute ihren eigenen Strom beispielsweise durch die Solaranlage auf ihren Dächern produzieren und speichern in Richtung der Kraftwerke.“ Aus einem statischen wird damit ein dynamisches System. Wenn man nun tiefer in diese Sphäre taucht, wird deutlich, dass es ohne KI und Automatisierung nicht funktioniert.
„Mit Deep Learning greifen wir auf Vorhersagen über Wetterdaten zu, wonach wir dann den Strom lenken und herausfinden, wie viel Strom wir am Markt einkaufen müssen.“ Insbesondere für die verstärkte Einspeisung von grünem Strom sei die Digitalisierung daher essenziell. Schließlich fließt heute deutlich mehr Energie aus dezentralen Solaranlagen ins Netz. Und es kommen täglich neue hinzu: „In 2023 hat E.ON die 1 Millionste erneuerbare Energieanlage angeschlossen. Das erfordert eine flexible und widerstandsfähige Netzinfrastruktur als Rückgrat der Energiewende. Daher arbeiten wir mit einem Digital Twin, der Netzsimulationen in Echtzeitermöglicht, um Netzkapazitäten optimal zu nutzen und den Bedarf an Netzausbau frühzeitig zu erkennen“, so Weber.
Stand: 08.12.2025
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Hürden bewältigen, um grüner zu werden
Im Sinne der Nachhaltigkeit ist es also erforderlich die größten Hürden bei der Digitalisierung zu bewältigen, um noch mehr erneuerbare Energien einfacher einspeisen zu können. „Als E.ON versorgen wir aktuell bereits mehr als 50 Prozent unseren Haushaltskunden mit grünem Strom. Um unser Ziel bis 2040 klimaneutral zu werden zu erreichen, müssen wir den Ausbau erneuerbarer Energie und die damit einhergehende Digitalisierung der Netze weiter vorantreiben“, postuliert Weber. Um dieses Vorhaben stärker ins Rollen zu bringen, arbeitet E.ON mit Universitäten, Forschungseinrichtungen und Startups zusammen. „Wir sind auf deren schnelle Entwicklungen angewiesen“, erläutert der CIO die Wechselbeziehung.
Gleichermaßen gesteht er: Wenn sich Unternehmen stärker digitalisieren, steigt der Energiebedarf für die IT. Dadurch gewinne der Energieversorger aber einen viel größeren Hebel. Als Beispiel nennt Weber die Wartungen der Strommasten.“Man kann einen Helikopter nutzen, oder auch eine Drohne.“ Einfach erklärt: Der Drohneneinsatz bedingt vielleicht den Einsatz einer entsprechenden Software und die Einbeziehung der IT, gleichzeitig wird CO2 gespart, weil der Helikopter nicht genutzt wird. „Gleichzeitig bedeutet das auch mehr Arbeitsschutz“, nennt Weber einen weiteren Vorteil. Innovative, digitale Lösungen können alsodabei helfen, die Energiewende aktiv voranzutreiben und Digitalisierung, wie sie bei E.ON erfolgt, somit einen positiven Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten.