FIT-Kongress 2021 Mit Technologien in eine nachhaltige Marktwirtschaft

Autor Ann-Marie Struck

Prof. Dr. Franz Josef Radermacher leitet das Forschungsinstitut für anwendungsorientierte Wissensverarbeitung/n (FAW/n) in Ulm und forscht an einer weltweiten, ökosozialen Marktwirtschaft. Dabei spielen Umweltschutz und Nachhaltigkeit eine zentrale Rolle.

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Prof. Dr. Radermacher ist Leiter des Forschungsinstituts für anwendungsorientierte Wissensverarbeitung/n (FAW/n).
Prof. Dr. Radermacher ist Leiter des Forschungsinstituts für anwendungsorientierte Wissensverarbeitung/n (FAW/n).
(Bild: Südwest Presse Ulm, Volkmar Könneke)

ITB: Wie nachhaltig ist die Digitalisierung?

Radermacher: Nachhaltigkeit bezieht sich nicht auf die Digitalisierung, sondern auf einen Zustand der Menschheit. Digitalisierung kann der Menschheit helfen, sich in Richtung Nachhaltigkeit zu bewegen, sie kann die Lage aber auch erschweren. Beide Effekte können beobachtet werden. Bisher überwiegen die negativen Effekte. Die Digitalisierung befördert massiv die Globalisierung, preiswerte weltweite Mobilität etc. Das ist gut für Wachstum und auch für die Partizipation von Menschen, trägt aber auch massiv zu mehr CO2-Emissionen bei.

ITB: Und welchen Beitrag können dann moderne Technologien zum Umweltschutz leisten?

Radermacher: Wie schon bisher in der menschlichen Entwicklung sind neue Technologien der wichtigste Wegbereiter für Fortschritt, neben gesellschaftlichen Innovationen. Aus der jetzigen Umwelt- und Klimakrise kann uns wahrscheinlich nur ein neues Energiesystem bringen, das einen Energiewohlstand für 10 Milliarden Menschen mit breitem Wohlstandszuwachs und mit Umwelt- und Klimaschutz verbindet. Das Energiesystem muss sich dabei in Richtung Klimaneutralität bewegen. Der Ausbau sogenannter „Nature-based Solutions“ muss parallel dazu massiv zusätzliches CO2 aus der Atmosphäre entfernen.

ITB: Reichen für einen besseren Schutz von Umwelt, Klima und natürlichen Ressourcen technische Lösungen aus oder ist dafür auch eine Veränderung der Mentalität bzw. von Unternehmenskulturen erforderlich?

Radermacher: Technische Lösungen sind primär, z.B. beim Übergang zu erneuerbarer Energie, zu grünem Wasserstoff und synthetischen Kraftstoffen. Der Übergang zu neuen technischen Lösungen erfordert bzw. befördert in der Regel Veränderungen der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, z.B. der Preisrelationen. Diese führen dann meist zu Veränderungen in Verhalten, vielleicht auch der Mentalität bzw. der Unternehmenskultur. Diese Veränderungen sind aber oft Folge der geänderten Rahmenbedingungen. Sie stehen also nicht am Anfang der Veränderungsprozesse.

ITB: Nachhaltigkeit und Geschäftserfolg: Geht das zusammen? Wie sehen nachhaltige Geschäftsmodelle Ihrer Meinung nach aus?

Radermacher: Nachhaltigkeit und Geschäftserfolg können zusammengehen. Dies geht besonders gut, wenn die Regulierung zunehmend Elemente von Nachhaltigkeit fördert bzw. wenn die Kunden ein auf Nachhaltigkeit hin ausgerichtetes Verhalten von Firmen fordern – selbst dann, wenn Produkte dadurch teurer werden. Die massive öffentliche Förderung der Elektromobilität führt mittlerweile dazu, dass Automobilfirmen damit Geld verdienen. Die Firma Vaude, als Beispiel, setzt schon lange auf Klimaneutralität und hat Kunden, die bereit sind, dafür mehr zu bezahlen.

FIT-Kongress 2021

Der FIT-Kongress bringt Unternehmerinnen, Managerinnen und Expertinnen zusammen, um sich zu vernetzen und über Chancen sowie Herausforderungen auszutauschen. Als Highlight werden Power-Frauen der IT in verschiedenen Kategorien mit dem WIN-Award ausgezeichnet.
Der Kongress findet am 25. November 2021 in der Villa Kennedy Frankfurt statt!

Interesse? Gleich hier zum FIT-Kongress anmelden!

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