Microsoft fordert von Ex-Compusoft-Partnern Schadensersatz Microsoft will Handel mit gefälschten Waren verhindern

Redakteur: Regina Böckle

Noch immer haben Partner des ehmaligen Software-Distributors Compusoft mit den Folgen der Betrugsaffäre zu kämpfen. Denn für die von Compusoft illegal gehandelten Software-Lizenzen, fordert Microsoft weiter Schadensersatz von den Ex-Compusoft-Kunden. Sie sollen nun für die finanziellen Einbußen des Herstellers aufkommen, die aus der Insolvenzmasse des 2002 Pleite gegangenen Distributor nicht mehr gedeckt werden konnten. Microsoft-Rechtsanwältin Dorothée Jasper signalisiert gegenüber den Händlern jedoch Gesprächs- und Kompromissbereitschaft.

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„Wir wollen, dass Urheberrechtsverletzungen in diesem Ausmaß nicht mehr passieren“

ITB: Fahnden Sie auch noch im Rahmen des vor rund einem Jahr aufgelegten »Windows Advanced Genuine Programms« nach Urheberrechts-Verstößen, die möglicherweise auf die Compusoft-Quelle zurückgehen?

Jasper:

Nein. Das Genuine-Programm dient dazu, die korrekte COA-Nummer der aktuellen Produkte zu prüfen. Die von Ihnen angesprochenen Schreiben an ehemalige Compusoft-Kunden gehen ausschließlich an jene Händler, die nachweislich manipulierte Artikel von Compusoft gekauft haben. Wir stützen uns dabei auf Daten aus dem Warenwirtschaftssystem der Firma Compusoft, die die Staatsanwaltschaft Gießen ausgewertet hat, sowie Unterlagen des Landeskriminalamts und Zeugenaussagen.

ITB: Weshalb fordern Sie heute noch Schadenszahlungen für Lizenzen ein, die die Fachhandelspartner vor fünf bis sieben Jahren verkauft haben, und die eventuell gar nicht mehr im Einsatz sind?

Jasper:

Abgesehen davon, dass Microsofts Urheberrechte verletzt wurden und Compusoft nicht komplett für den entstandenen Schaden aufkommen konnte, gebietet es die Fairness gegenüber jenen Fachhändlern, die damals sauber gearbeitet und einen weitaus höheren Preis bezahlt haben, Nachforderungen anzustellen. Denn sonst hätten diejenigen das Nachsehen, die damals den echten, weitaus höheren Preis für die Produkte bezahlt haben. Und das darf einfach nicht passieren.

ITB: Die betroffenen Händler haben für die manipulierten Produkte bereits eine bestimmte Summe an Compusoft bezahlt. Weshalb dieser – sicher auch kostenintensive – Aufwand, um nachträglich noch Gelder einzufordern?

Jasper:

Es geht uns darum, dass eine Urheberrechtsverletzung in diesem Ausmaß nicht mehr passiert. Wir betreiben einen großen Aufwand, um mit jedem davon betroffenen Fachhandelspartner persönlich zu sprechen. Uns liegt sehr daran, eine gemeinsame Lösung zu finden. Deshalb geht das Abmahnschreiben auch nicht von unseren Anwälten aus, sondern wir nehmen aktiv Kontakt zum betroffenen Händler auf und bieten Gespräche an. Dafür nehmen wir uns viel Zeit.

ITB: Wie errechnet sich die Gebühr, die Sie jetzt als Schadensersatz pro verkaufter Lizenz von den Händlern einfordern?

Jasper:

Die Kalkulation des Schadens erfolgt in der Weise, dass die Anzahl der illegalen Produkte, um die es in jedem Einzelfall geht, mit der Höhe des für das jeweilige Produkt geltenden Lizenzsatzes multipliziert wird. Den Lizenzsatz entnimmt Microsoft den einschlägigen Preislisten der Distributoren.

ITB: Wann werden Sie alle betroffenen Partner kontaktiert haben?

Jasper:

Wir gehen davon aus, dass wir diese Phase noch in diesem Jahr beenden werden.

ITB: Oft lassen sich manipulierte Produkte gar nicht auf den ersten Blick erkennen. Wie können sich Händler überhaupt vor zweifelhafter Ware schützen?

Jasper:

Händler, die im Zweifel sind, ob es sich bei einem Produkt um ein Original-Produkt handelt, sollten sich unbedingt auf der Microsoft-Internetseite informieren, aus welchen Bestandteilen das jeweilige Produkt besteht. Fehlt auch nur ein Element, sollte der Reseller das Produkt an Microsofts PID-Service einsenden. Diese Stelle prüft das Produkt kostenlos und informiert den Partner dann binnen 24 Stunden über das Ergebnis. Somit hat der Händler auch noch die Chance, einen Scheck sperren zu lassen.

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