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Kommentar: Die Krisen schreibende Zunft
Stellen Sie sich vor, es ist Krise und keiner macht mit. Na ja, werden Sie zurecht sagen, wenn die Hausbank das dringend benötigte Darlehen nicht rausrückt, oder die Kreditversicherer Euler-Hermes und Atratius die Kreditlinien gekürzt haben, hat man gar keine andere Wahl, als mit zu machen. Genau das ist auch der Grund, warum aus der Finanzkrise – ein Problem gieriger Banker – eine waschechte Wirtschaftskrise wurde – ein Problem der Gesellschaft. Die Tatsache, dass selbst Banker immer öfters von der »Realwirtschaft« sprechen, heißt auch, dass sie sich durchaus bewusst sind, dass ihr Geschäft teilweise kaum noch etwas mit der Realität zu tun hat. Einsicht ist ja bekanntlich der erste Schritt zur Besserung. Aber dennoch: Ist die Krisenstimmung, die mancherorts an Weltuntergangsstimmung grenzt, wirklich gerechtfertigt? Meiner Meinung nach ist in der medialen Berichterstattung in letzter Zeit stark übertrieben worden. Insbesondere in der IT-Branche gibt es Segmente, die nun eher zulegen werden, »krisengetrieben«, wenn man so will. Beispielsweise wandlungsfähige Infrastrukturen und Systeme sind gefragt wie nie. Mit ein Grund für die krisenlastige Presse ist sicherlich der so genannte Küchenzuruf des Stern-Gründers Henri Nannen, der von vielen Redaktionen gelebt wird. Ein Artikel soll demnach eine klare Kernaussage haben, beispielsweise »Es ist Krise!«. Nebenthemen verwirren demnach nur: »Es ist Krise, aber...« Allerdings: Wenn Konjunkturpakete »Marshall-Plan« genannt werden, ist das definitiv übertrieben, denn ausgebombt ist Deutschland wahrlich nicht.
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