Stellenabbau und neue Produktgruppen Lenovo-Chef Fischer stellt sich der Krise

Redakteur: Dr. Stefan Riedl

Lenovo trifft die Krise besonders hart. Doch auch, wenn schmerzhafte Einschnitte anstehen, bleibt Deutschland-Chef Marc Fischer gelassen. Im Gespräch mit IT-BUSINESS erklärt er warum und erläutert die Pläne mit dem neuen Brand »Idea«.

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ITB: Das China-Geschäft ist sehr stark eingebrochen, ebenso der Geschäftskundenbereich sowie das Premium-Segment. Da Lenovo geografisch insbesondere in China und produktseitig insbesondere im Premium-Geschäftskundensegment platziert ist, dürften Sie die Nachbeben der Finanzkrise besonders hart treffen. Was ist an Restrukturierung geplant?

Fischer: Es ist richtig, dass sich diese drei Einflussfaktoren bei uns aufsummieren. Lenovo-intern fiel bereits der Begriff Perfect-Storm-Szenario dafür. Und wir gehen davon aus, dass diese Geschäftssituation mehrere Quartale anhalten wird, daher müssen wir auch reagieren. Bis zum Start des Geschäftsjahres 2009/2010 zum 1. April 2009 werden wir weltweit 2.500 Stellen abbauen, das sind etwa 11 bis 12 Prozent der Gesamtbelegschaft. Alle Bereiche werden davon betroffen sein, auch Management- und Support-Funktionen. Wir konsolidieren Organisationseinheiten und werden auch die Bonifizierungsmodelle nochmal genau unter die Lupe nehmen. Geografisch und strukturell sollen die Einschnitte gerecht verteilt werden.

ITB: Wenn auch im Support Mitarbeiter abgebaut werden, müssen Ihre Vertriebspartner hier in Deutschland mit eingeschränkter Betreuung rechnen?

Fischer: Wie ich schon sagte, klammern wir keinen Bereich und kein Land aus. Mit Einschränkungen beim technischen Support ist aber nicht zu rechnen. Auch was die individuelle Fachhandelsbetreuung angeht, können unsere Partner weiterhin voll auf uns zählen. Mehr kann ich Ihnen dazu aber nicht sagen, aus dem einfachen Grund, weil noch keine Details zu den Änderungen feststehen.

ITB: Welche Auswirkungen hat die Finanzkrise auf die IT-Branche?

Fischer: Das ist wirklich keine leichte Frage. Ich denke, dass grundsätzlich Panikstimmung im B2B-Segment unangebracht ist. Was wir im Mittelstand beobachten, ist, dass die Investitionszurückhaltung doch nicht so stark ist, wie Schwarzmaler prophezeien. Schließlich ist der Druck da, in der und mittels der Informationstechnologie Prozesse effizienter zu gestalten. Für 2009 kann daher trotz der Krise meist von eingefrorenen, womöglich leicht reduzierten Budgets ausgegangen werden. Außerdem können Sie davon ausgehen, dass der IT-Bereich im öffentlichen Sektor vom anstehenden Konjunkturpaket profitieren wird, insbesondere im Uni-Umfeld. Spätestens 2011 wird es meiner Ansicht nach im B2B-Bereich wieder zweistellig anziehen.

ITB: Also alles halb so wild?

Fischer: Man sollte die Kirche einfach im Dorf lassen. Klar ist das eine weltweite Krise, die in dieser Form bislang keiner von uns erlebt hat. Aber bisher kam nach jedem Abschwung wieder ein Aufschwung. Und das scheinen Viele derzeit zu vergessen.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, wie Lenovo sein Portfolio anpasst, um der schlechten Ausgangslage zu begegnen.

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