Channel Fokus: Digital Learning Kreidezeit oder KI?

Von Margrit Lingner, Alexander Siegert, Barbara Miletic 7 min Lesedauer

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Fachkräfte und langfristige Finanzierungsversprechen des Bundes für die Digitalisierung an Schulen fehlen. Halten also wieder Kreide und Tafeln in deutsche Schulen Einzug statt digitalem Lernen und Künstlicher Intelligenz?

Wegen fehlender Finanzierungszusagen hält in deutschen Schulen die Kreidezeit wieder Einzug.(Bild:  KI-generiert - Mark - stock.adobe.com / [M] J Rath)
Wegen fehlender Finanzierungszusagen hält in deutschen Schulen die Kreidezeit wieder Einzug.
(Bild: KI-generiert - Mark - stock.adobe.com / [M] J Rath)

Der Digitalpakt Schule hat es möglich gemacht: Die digitale Revolution ist über die Schulen des Landes gerollt. So gehören inzwischen digitale Endgeräte in den meisten Schulen zum Unterrichtsalltag. Laut Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) sind seit Beginn der Laufzeit des Digitalpakts bis zum 31. Dezember 2023 über 5 Milliarden Euro verplant und bewilligt. Während für die Geräteausstattung also 96 Prozent der Fördergelder abgeflossen sind, wurden bei den zur Administration gedachten Mitteln nur etwas mehr als die Hälfte abgerufen.

Digitalpakt 2.0?

Gleichwohl noch nicht alle zur Verfügung stehenden Mittel des Digitalpakts ausgegeben sind, werden Forderungen für eine Anschlussfinanzierung durch den Bund lauter. Schließlich müssen Schulen inzwischen Endgeräte für Schüler und Lehrer erneuern, die Infrastruktur managen und Unterrichtskonzepte anpassen. Und damit Schulen in Deutschland auch in Zeiten von ChatGPT und Künstlicher Intelligenz zeitgemäßen, medienpädagogisch sinnvollen Unterricht anbieten können, brauchen sie Planungssicherheit und finanzielle Unterstützung.

Zwar ist im Koalitionsvertrag der Bundesregierung die Fortführung des Digitalpakts vorgesehen, eine Neuauflage des milliardenschweren Förderprogramms ist aber noch nicht in Sicht. So äußerten die Kultusminister der Länder Mitte Juni 2024 anlässlich der Kultusministerkonferenz (KMK) ihre Besorgnis über die Verzögerungen im Verhandlungsprozess. Streitpunkt dabei ist unter anderem die Finanzierung. Der Bund fordert, dass die Länder rund die Hälfte der Fördermittel zur Verfügung stellen müssten – bisher kamen 90 Prozent der Gelder vom Bund.

Der digitale Wandel ist eine kontinuierliche Aufgabe. Deshalb braucht es eine verlässliche und dauerhafte Unterstützung der Länder durch den Bund in Form eines Digitalpakts 2.0.

Christine Streichert-Clivot, saarländische Ministerin für Bildung und Kultur und Präsidentin der KMK

Anschlussfinanzierung gefordert

Mit Blick auf fehlende Finanzierungszusagen von Bund und Ländern warnt auch Ralf Becker, GEW-Vorstandsmitglied, „notwendige Investitionen an Schulen sind keine frei wählbare Zusatzoption. Schulen und Schulträger benötigen Planungssicherheit, etwa wenn sie Personal für die IT-Administration gewinnen wollen.“

Dass fehlende Finanzierungen für Schuldigitalisierung problematisch sind, sieht auch Moritz Zeman, Business Manager ACS Group. Da es noch keine Einigung beim Digitalpakt 2.0 gäbe, würden neue Fördergelder frühestens 2026 fließen. Gerade Schulen, die bereits vor der Corona-Pandemie Konzepte für ihre digitale Schule entwickelt und früh Geräte angeschafft hätten, müssten Tablets jetzt erneuern. Für diese Schulen stelle sich also die Frage, ob sie „die Geräte irgendwie noch über zwei Jahre retten, damit aber nicht mehr so produktiv arbeiten“ könnten, erklärt Zeman und führt aus, dass „Schulen teilweise wieder zurück zum analogen Unterricht gehen, weil sie nicht mehr auf dem neuesten Stand der Technik sind“.

(Bild:  ACS Group)
(Bild: ACS Group)

Schulen und Eltern haben nicht einen teuren Heft-Ersatz gekauft, damit die Schüler weiterhin Unterricht und Hausaufgaben wie vor zehn Jahren machen.

Moritz Zeman, Business Manager Education, ACS Group

Wer die Aktualisierung von Hardware in der Schule nicht auf die lange Bank schieben will, könne aber zum Beispiel zu elternfinanzierten Geräten greifen, zieht Zeman als Alternative in Betracht. Vorteilhaft sei das nicht zuletzt, weil Schulen sich so aus „dieser Abhängigkeit von zeitlich begrenzten Fördermitteln“ befreien könnten, ist der ACS-Manager überzeugt.

Elternfinanzierte Endgeräte

Bei der Elternfinanzierung kaufen Eltern privat Endgeräte, die im Unterricht, aber auch privat genutzt werden können. Dabei gibt es meist Vorgaben oder einen Katalog möglicher Endgeräte, damit alle Schüler einer Klasse ähnlich ausgestattet sind. Das entlastet Schulen und Schulträger, führe aber zu sozialer Ungleichheit, glaubt Sven Lehneis, Client Business Manager Public Sector bei Dell Technologies. „Einkommensschwache Familien können die Kosten für die Geräte auch mit staatlichen Zuschüssen und Finanzierungsangeboten nicht immer stemmen. Die Bildungschancen hängen also vom Einkommen der Eltern ab. Elternfinanzierung ist kein sozial gerechtes Mittel, die Schuldigitalisierung und die Vermittlung digitaler Kompetenzen im Unterricht zu verbessern“, ist Lehneis überzeugt.

Allerdings gibt es eben Möglichkeiten, Eltern bei der Finanzierung unter die Arme zu greifen. So sollen bayerische Schüler weiterführender Schulen ab Herbst mit elternfinanzierten Endgeräten arbeiten. Dabei unterstützt das Land die Anschaffung der Geräte mit 350 Euro. Für finanzschwache Familien gibt es entweder die Möglichkeit, dass Schulen oder Schulträger zusätzliche Kosten für die Anschaffung übernehmen oder Leihgeräte zur Verfügung stellen, erklärt Zeman. Zudem können Geräte vom Jobcenter bezuschusst werden, wenn die Voraussetzungen gegeben sind. Und nicht zuletzt bieten Dienstleister verschiedene sozialverträgliche Zahlungsmodelle an.

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Elternfinanzierte Geräte in Bayern

Digitale Schule der Zukunft

Als einziges Bundesland will Bayern ab dem kommenden Schuljahr 2024/2025 weiterführende Schulen mit mobilen Endgeräten ausstatten. Das flächendeckende Rollout von Tablets oder Notebooks für bayerische Schüler folgt auf eine zweijährige Pilotphase. Dabei setzt Bayern auf elternfinanzierte Endgeräte und bezuschusst den Kauf etwa eines iPads mit ​350 Euro. Die Geräte können privat uneingeschränkt genutzt werden.

Chancen für den Channel

Für IT-Dienstleister ist das Modell der Elternfinanzierung dadurch attraktiv, da sie nicht nur bei der Beratung, Auswahl und Beschaffung der Geräte behilflich sein können. Vielmehr können sie etwa mit einer Mobile-Device-Management-Lösung (MDM) die Verwaltung der mobilen Schülergeräte übernehmen. Das ist im Grunde günstiger, als wenn die Schulen beispielsweise den Informatiklehrer mit dieser Aufgabe betrauen, erklärt Moritz Zeman. Zudem könne mit MDM garantiert werden, dass „die Geräte sicher sind und dass die Schüler möglichst wenig Ablenkungen im Unterricht haben“, führt der IT-Experte aus. Dabei erkennen die 150.000 von der ACS Group verwalteten Geräte automatisch, wenn sie im Schul-WLAN eingewählt sind. Sie schalten dann in den sogenannten Schulmodus. Verlassen Schülergeräte die Schule, können sie uneingeschränkt im Privatmodus genutzt werden.

Beratungsbedarf und zusätzliche Verdienstmöglichkeiten ergeben sich zudem über Schulungen und Trainings für Lehrkräfte. Dabei geht es um einen pädagogisch sinnvollen Einsatz von Tablets oder Notebooks im Unterricht.

KI im Klassenzimmer

Zukünftige Lehrer werden in ihrer Ausbildung oder Weiterbildung nicht mehr darüber diskutieren, ob digitales Lernen notwendig ist, sondern wie man die optimale Balance zwischen digitalen und analogen Methoden findet.

Damit Lehrer im Zuge der Digitalisierung nicht wie Dinosaurier im Klassenzimmer stehen, führt an dem Thema Künstliche Intelligenz kein Weg vorbei. Kinder und Jugendliche sind längst mit der Technologie vertraut. Es liegt nun in der Verantwortung der Lehrkräfte, einen verantwortungsvollen Umgang mit KI zu vermitteln. Unterstützung kommt dabei aus dem IT-Channel oder von Anbietern wie Intel. So will der Chip-­Gigant mit der Initiative „AI for Youth“ Kinder und Jugendliche auf die Zukunft mit KI vorbereiten. Dazu schließen Bildungsträger mit Intel einen Vertrag ab, der anschließend die Lehrkräfte zu KI-Trainern schult und zertifiziert. Die Schulen integrieren dann die Inhalte in ihren Lehrplan und setzen sie um. Intel übernimmt dabei auch die Beratung in Sachen Hard- und Software. Das Programm richtet sich an Schüler von 13 bis 19 Jahren. Angelegt ist es für 176 Stunden und durch den modularen Aufbau kann es in Projektwochen oder im täglichen Unterricht umgesetzt werden. Die Teilnehmer sollen zunächst ein grundlegendes Verständnis von KI bekommen. Soziale Kompetenz steht dabei im Vordergrund, sodass Schüler einen kritischen Umgang mit KI lernen und sich der gesellschaftlichen Bedeutung der Technologie bewusst werden. Am Ende des Programms sollen Schüler in eigenen Projekten Probleme mit KI lösen können.

Sonja Pierer, Geschäftsführerin Intel Germany Services GmbH und Country Manager Sales und Marketing Group (SMG)(Bild:  Intel)
Sonja Pierer, Geschäftsführerin Intel Germany Services GmbH und Country Manager Sales und Marketing Group (SMG)
(Bild: Intel)

Für die Kinder von heute wird der Umgang mit KI-Technologien eines Tages selbstverständlich sein, mit allen Chancen und Risiken, die sie mit sich bringen.

Sonja Pierer, Geschäftsführerin Intel Deutschland

Intel: AI for Youth

Vorbereitung auf die KI-Zukunft

„Um die Gesellschaft auf eine von KI geprägte Zukunft vorzubereiten, hat Intel in Zusammenarbeit mit Partnern ein Bildungsprogramm ins Leben gerufen. Dieses Programm zielt darauf ab, Schülerinnen ab der 8. Klasse mit umfassendem Wissen über KI auszustatten. Die Jugendlichen erhalten praktische Werkzeuge und lernen, wie sie KI-Technologie effektiv einsetzen können. Neben der technischen Ausbildung werden soziale Fähigkeiten geschult. Die Teilnehmenden werden angeleitet, eigene visionäre und sozial relevante KI-Projekte zu entwickeln und zu realisieren“, erklärt Sonja Pierer, Geschäftsführerin Intel Germany Services.

Eigene KI-Projekte

Neben „AI for Youth“ bietet Intel auch das Programm „Skills for Innovation“ (SFI) für Lehrkräfte und Schulen: „Die SFI-Unterrichtspakete von Intel sind eine stetig wachsende Sammlung fertiger Unterrichtspläne, die sofort im Klassenzimmer verwendet werden können. Sie unterstützen Lehrkräfte dabei, den Einsatz von Technologie im Unterricht zu revolutionieren, um Schüler optimal auf ein Leben und Arbeiten in einer zunehmend digitalisierten Welt vorzubereiten“, erklärt Pierer. Programme wie diese sind kostspielig und eine Fortführung des Digitalpakts umso wichtiger. „Channel-Partner können beispielsweise mit Angeboten wie Beratung, Planung, Bereitstellung, Realisierung und Betrieb der IT-Infrastruktur an Schulen, Hochschulen oder anderen Bildungsstätten vom verlängerten Digitalpakt profitieren“, sagt Pierer. Intel will deshalb auch in Zukunft gemeinsam mit Partnern Lehrkräfte mit Angeboten wie Laptops, Convertibles und Tablets fit für den medienpädagogisch sinnvollen Einsatz von Medien machen.

Planungssicherheit und dauerhafte Finanzierung

Damit solche Projekte und die Digitalisierung an Schulen zum selbstverständlichen Teil von Lehr- und Lernprozessen werden, ist der Digitalpakt 2.0 unerlässlich. Bis sich aber Bund und Länder darauf einigen und bis dann tatsächlich Fördergelder fließen, wird es dauern. So rechnet etwa Zeman nicht damit, dass es vor 2026 finanzielle Unterstützung durch den neuen Digitalpakt geben wird. Dabei brauchen Schulen und Schulträger Planungssicherheit und dauerhafte Mittel, um Schüler auf die digitale Lebens- und Arbeitswelt vorzubereiten.

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