Mit einem neuen Namen will Toshiba Memory im Speichergeschäft durchstarten. Der Zungenbrecher „Kioxia“ hat zwei Vorteile: Er ist einzigartig und unverbraucht. Die aktuellen Probleme bleiben jedoch bestehen.
Fliegender Wechsel: Ab Oktober wird der Name Kioxia die Marke Toshiba auf allen Speicherprodukten ersetzen.
(Bild: Toshiba Memory Corporation)
Sein Notebook-Geschäft hatte Toshiba bereits Anfang des Jahres in „Dynabook“ umgetauft, nun folgt die Speichersparte: Ab dem 1. Oktober 2019 wird die Toshiba Memory Europe GmbH als Kioxia Europe GmbH firmieren. Neben dem Europageschäft sollen gleichzeitig auch alle anderen Toshiba-Speicheraktivitäten den neuen Namen übernehmen, teilte das Unternehmen mit. Das gelte auch für OCZ-Töchter und Halbleiterfirmen. Insgesamt würden 15 Toshiba-Unternehmen umbenannt.
Kioxia ist ein Kunstwort, dass sich aus dem japanischen Wort „kioku“ für „Erinnerung“, „Gedächtnis“ oder auch „Speicher“ und dem griechischen Begriff „axia“ für „Wert“ zusammensetzt. Mit dem neuen Namen geht auch eine neue Mission einher: Die Ex-Toshiba-Memory-Corporation (TMC) will demnach nicht weniger als „die Welt mit Speicher voranbringen“ („Uplifting the world with memory“).
„Das Wort Speicher bedeutet viel mehr als nur aufgezeichnete Daten“, sagt Yasuo Naruke, President und CEO der Toshiba Memory Holdings Corporation. „Für uns ist es die umfassende Sammlung von Emotionen, Erfahrungen und Ideen jenseits der digitalen Informationsbeschaffung.“ In enger Zusammenarbeit mit seinen Interessengruppen werde Kioxia das volle Potenzial des digitalen „Gedächtnisses“ ausschöpfen, um den Menschen weltweit einen Mehrwert zu bieten.
„kee-ox-ee-uh“ statt Toshiba: Traditionsreiche Marke verschwindet
Durch die Umfirmierung verschwindet ein traditionsreicher Name vom Markt. Toshiba hat die Entwicklung von Flash-Speicher entscheidend mitgeprägt: 1987 stellte das Unternehmen erstmals NAND-Flash vor und startet 1991 als erstes Unternehmen die Massenproduktion des Chip-Speichers. Als klar wurde, dass sich Speicherzellen nicht beliebig verkleinern lassen und daher eine rein planare Skalierung an Grenzen stoßen würde, entwickelte Toshiba Speicherchips mit gestapelten Silizium-Chips (Dies) und stellte sie 2007 als erstes Unternehmen vor. Die aktuelle Version dieser 3D-Speicher, BiCS FLASH, kam 2017 auf den Markt. Neuste Varianten bestehen aus 96 Schichten.
Andere Hersteller wie Samsung sind allerdings mittlerweile gleichauf beziehungsweise sogar schon einen Schritt voraus: So hat SK Hynix einen „4D“-NAND-Chip vorgestellt, der 360 Mrd. Flash-Zellen auf 128 Schichten integriert und so eine Kapazität von 1 TBit erreicht.
Margen implodieren, Flash-Fertiger drosseln ihre Produktion
Wie anderen Halbleiterherstellern auch macht TMC beziehungsweise demnächst Kioxia das Implodieren des Speichermarktes zu schaffen. Dem eigenen Finanzbericht für das am 31. März 2019 abgeschlossene Fiskaljahr 2018 zufolge ließen schrumpfende Margen den Nettogewinn gegenüber dem Vorjahr auf weniger als 1/10tel schrumpfen. TMC macht unter anderem „ein saisonal schwaches Data-Center- und Smartphone-Geschäft“ dafür verantwortlich. Gleichzeitig sei die „Bit-Auslieferung wegen Verringerung der 15-nm-Produktion zurückgegangen“.
Die Speicherhersteller gehen aktiv gegen den Preisverfall vor: Sie investieren weniger in ihre Flash-Fabriken und haben die Produktion gedrosselt. TMC schätzt, dass sich die Lagerbestände ab der zweiten Hälfte 2019 normalisieren. Grund dafür sei eine einsetzende Erholung der Nachfrage durch Rechenzentren, der beschleunigte Austausch von Festplatten durch SSDs und die immer größeren Speicher in Smartphones.
Investitionen in BiCS FLASH, um wettbewerbsfähig zu bleiben
Auch TMC habe im Fiskaljahr 2018 seine Investitionen auftragsbezogen aufgrund der Entwicklung des Flash-Speichermarktes im Vergleich zum Vorjahr deutlich reduziert. Aber: „Wir haben Investitionen im Zusammenhang mit der Umstellung auf 96-Schicht-BiCS FLASH in unserer Fabrik6 in Yokkaichi, Präfektur Mie, und für den Bau unserer neuen Fabrik in Kitakami, Präfektur Iwate, getätigt“, teilt das Unternehmen mit. Man halte diese Investitionen für notwendig, um die Kosteneffizienz und die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens zu verbessern.
Auf das laufende Geschäftsjahr dürfte sich der folgenschwere Stromausfall Ende Juni 2019 in Yokkaichi, dem Hauptstandort von Toshiba Memory für die Fertigung von NAND-Flash-Speicherbausteinen, nicht gerade positiv auswirken. Das Ereignis zerstörte mindestens 6 Exabyte NAND-Flash in den Fabriken, die das Unternehmen mit Joint-Venture-Partner Western Digital betreibt.
Nach dem Verkauf der Chip-Fertigung folgt jetzt der Namenswechsel
Nach Ansicht des Handelsblatts startete Toshiba ab etwa 2017 einen „Endspurt im Überlebensmarathon“. Die Pleite seiner US-Atomkraftwerkstochter Westinghouse im März 2017 hatte tiefe Löcher in die Bilanz gerissen. Nur knapp konnte der japanische Traditionskonzern danach laut Handelsblatt ein Delisting von der Börse abwenden. Danach habe sich das Management auf die Rettung konzentrieren müssen – den Verkauf der Chipsparte. „Doch Chaos herrscht, während die Zeit davon läuft.“
Stand: 08.12.2025
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Ende September 2017 war es dann soweit: Für rund 18 Milliarden Dollar kaufte der US-Finanzinvestor Bain Capital den weltweit zweitgrößten Produzenten von Speicherchips, Toshiba Memory. Beteiligt waren nach offiziellen Angaben auch der südkoreanische Konkurrent SK Hynix sowie die langjährigen Toshiba-Kunden Apple und Dell. Western Digital hingegen, seit 2016 durch die Übernahme von SanDisk zum Joint-Venture-Partner von Toshiba avanciert, war von dem Verkauf alles andere als begeistert.
Der jetzt propagierte Namenswechsel lässt sich auch als ein Befreiungsschlag deuten: Man will wegkommen von den Ereignissen, die Toshiba in der jüngeren Vergangenheit belastet haben. Ab Oktober hat das Unternehmen dann die Möglichkeit, den unbelasteten Namen Kioxia als Marke mit einer hoffentlich erfreulichen Geschäftsentwicklung positiv aufzuladen. Ob das gelingt, bleibt abzuwarten.
Dieser Artikel erschien zuerst auf unserem Partnerportal Elektronik Praxis.