Anfang 2024 hat Sören Kohls bei Kaspersky die Verantwortung für den deutschen Channel übernommen. Zuversichtlich berichtet er über die Entwicklungen in der Partner- und Distributionslandschaft. Was steht auf seiner Agenda?
Sören Kohls ist seit Anfang 2024 Head of Channel Germany bei Kaspersky.
(Bild: Kaspersky)
Im Oktober 2022 hatte René Bodmer die Leitung für das B2B-Channel-Geschäft von Kaspersky in Österreich und der Schweiz übernommen. Nun hat der Security-Experte auch für Deutschland einen neuen Channel-Chef: Sören Kohls. Bereits seit rund zehn Jahren war Kohls als Channel Account Manager bei Kaspersky beschäftigt, nun wurde er in den Chef-Posten befördert.
Das bringt viele neue Aufgaben mit sich, dennoch sieht sich Kohls auch mit der Vergangenheit konfrontiert. Im März 2022, mit Beginn des Ukraine-Kriegs, sprach das BSI eine Warnung für Kaspersky-Produkte aus. Dass das eher eine politisch als technisch motivierte Warnung war, kam vor allem bei den größeren Endkunden nicht an, bei denen der Geschäftsführer nicht gleichzeitig IT-Leiter ist. Inzwischen ist die Warnung archiviert und das Geschäft von Kaspersky läuft laut Kohls „weiterhin stabil“. „Wir sehen, dass sich Partner und Kunden wieder vermehrt unsere Lösungen anschauen, weil sie unsere technische Expertise vermissen“, freut sich der Channel-Chef. Der Security-Anbieter unterstützt die Partner tatkräftig beim Vertrieb, unter anderem durch persönliche Gespräche mit den Endkunden. „Wenn man die Situation erklärt, entscheiden sich Kunden häufig nochmal um.“ Auch die Distributionspartner sind Kaspersky treu geblieben. So können die Lösungen in Deutschland über Also, Ebertlang, Infinigate und Ingram Micro bezogen werden. In Österreich und der Schweiz stehen Arrow, Boll und Infinigate zur Verfügung.
Da Deutschland ein vom Mittelstand geprägtes Land ist, möchte Kohls auf diese Kunden einen besonderen Schwerpunkt legen. Hintergrund ist, dass gerade KMU noch häufig der Ansicht sind, dass sie nicht im Fokus von Cyberkriminellen stehen. „Wir möchten die Sensibilisierung fördern, dass auch Mittelstandskunden Ziel eines Angriffs werden können, weil sie beispielsweise Teil der Supply Chain eines Großunternehmens sind. Das muss in den Vorständen und Geschäftsführerebenen ankommen“, betont der Channel-Chef. Er bemerkt inzwischen ein Umdenken der Unternehmen und macht das am größeren Interesse an höherwertigen Schutzlösungen fest.
Deutschsprachiges Support-Team
Für Partner sind unter anderem die Zertifizierungen interessant, die Kaspersky vorweisen kann. Kohls zählt als Beispiele SOC1, SOC2 und ISO auf, die die Vertrauenswürdigkeit der Produkte und Prozesse bestätigen sollen. Die Empfehlung des BSI vom vergangenen Jahr, dass Software-Hersteller sogenannte SBOM-Anforderungen (Software Bill of Materials) mitliefern sollten, um die Transparenz zu erhöhen und Einblick in die Lieferkette von Software zu bieten, erfüllt Kaspersky schon seit Jahren. In Tests der unabhängigen Organisation SE Labs erreichten die Kaspersky-Lösungen im Januar 2024 Höchstpunktzahlen sowohl im „Protection Accuracy Rating“ als auch im „Total Accuracy Rating“.
Als „signifikanten Pluspunkt“ sieht Kohls auch das rund 20-köpfige deutschsprachige Support-Team, das Partnern und Endkunden in Ingolstadt zur Verfügung steht. Partner bekommen hier nicht nur den alltäglichen Support, sondern sie können gewisse Support- und Serviceleistungen an dieses Team auslagern. Beispielhaft nennt Kohls sogenannte Gesundheits-Checkups sowie die Unterstützung bei Installationen oder Roll-outs. Gerade von kleineren Systemhäusern, die selbst nicht die nötige Manpower haben, werde das sehr gerne angenommen.
Was ist der Kaspersky- Gesundheits-Checkup?
Hierbei wird überprüft, ob die Endpoint-Lösung bestmöglich konfiguriert ist. Im Einzelnen wird gecheckt: - ob die Einstellungen so sind, wie Kaspersky dies empfiehlt. - ob Funktionen und Features entsprechend aktiviert sind. - ob die Lösungen auf dem aktuellen Stand sind.
Künstliche Intelligenz
Beim aktuellen Top-Thema Künstliche Intelligenz (KI) gibt Kohls das Datenschutzrisiko zu bedenken, da in Tools wie ChatGPT teils sensible Daten eingegeben werden. „Man sollte sich unbedingt die Fragen stellen: Wo fließen diese Daten hin? Wo werden sie gespeichert?“ Das Global Research and Analysis Team (GREAT) von Kaspersky prognostiziert, dass es immer komplexere Schwachstellen geben wird, auch weil Software wie ChatGPT oder Deepl immer häufiger in Verbraucherprodukte integriert wird.
In den eigenen Endpoint-Lösungen setzt Kaspersky seit Jahren KI beziehungsweise Machine Learning ein, unter anderem, um die riesigen Datenmengen zu verarbeiten. „Im Kaspersky-Labor kommen täglich 400.000 neue Malware-Varianten an.“ Auch in den Managed-Detection-and-Response-Lösungen (MDR) findet sich KI-Unterstützung zur Erkennung von Malware und Incidents, die durch Automatisierung vorgefiltert werden.
Schulungen gegen den Fachkräftemangel
„Jedes Systemhaus sollte einmal überprüfen, ob man mit dem aktuellen Portfolio gerüstet ist, der aktuellen Cybersicherheitslage zu begegnen“, rät Kohls. Um die Partner für EDR (Endpoint Detection and Response) und MDR fit zu machen, bietet Kaspersky im Rahmen des Partnerprogramms neben Schulungen auch regelmäßige Webcasts an. Einen weiteren Fokus möchte Kohls auf persönliche Gespräche bei den Partnern vor Ort legen, um diese bei der Installation und Pflege der Lösungen zu unterstützen. Der Verkauf einer Security-Lösung ist keine „Fire-and-Forget-Geschichte“, weiß Kohls. Die stetig komplexer werdende Cybersicherheitslage hat zur Folge, dass auch die Lösungen komplexer werden. „Da möchten wir unsere Partner noch stärker dabei unterstützen, das auch in Kundenprojekten abbilden zu können.“ Das sei gerade hinsichtlich des Fachkräftemangels in der IT-Security nötig.
Stand: 08.12.2025
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Threat-Intelligence-Services, die von Partnern und Unternehmen individuell gebucht werden können, hat Kaspersky ebenfalls im Portfolio. Hierzu zählt unter anderem „der ‚Digital Footprint Service‘, der eine Art Darknet Monitoring bietet“, so Kohls. Auch Reports, welche Informationen sich zum Unternehmen oder der Branche im Darknet finden, zum Beispiel zu aktuellen Angriffsszenarien, erstellt Kaspersky auf Wunsch. So können Unternehmen checken, ob ihre derzeitige Absicherung ausreicht. Ebenfalls zu den Threat-Intelligence-Services zählen spezielle Feeds, die Daten liefern für Firewalls oder SIEM und diese Systeme „aufschlauen“ sollen.
Partnerkonferenz in Köln
EDR, MDR und Threat Intelligence sind auch Themen, die den Partnern am Herzen liegen. Um sich darüber auszutauschen, trotzten rund 70 Teilnehmer dem Bahnstreik und reisten am 25. Januar zur Kaspersky-Partnerkonferenz nach Köln. Dort rekapitulierte Waldemar Bergstreiser, General Manager Central Europe, das vergangene Jahr und freute sich über die „von gegenseitigem Ver- und Zutrauen geprägte Zusammenarbeit“.
Auch die Channel Awards für 2023 wurden bei der Veranstaltung verliehen. Abschießend feierten die Teilnehmer bei der traditionellen Hüttengaudi.
Für 2024 hat der Security-Experte noch weitere MSP-Veranstaltungen, sowohl regional vor Ort als auch regelmäßige Online-Jour-Fixe, geplant. „Es ist unser Anspruch, mit unseren Partnern noch stärker als bisher schon in den direkten Austausch zu gehen“, bekräftigt Kohls.
Globale Transparenz-Initiative
Neben den zehn bestehenden Transparenz-Zentren in Kuala Lumpur (Malaysia), Madrid (Spanien), Riyadh (Saudi-Arabien), Rom (Italien), São Paulo (Brasilien), Singapur, Tokio (Japan), Utrecht (Niederlande), Woburn (USA) und Zürich (Schweiz) eröffnete Kaspersky im vergangenen Jahr ein weiteres in Kigali (Rwanda).
Besucher erhalten in allen Zentren einen Überblick über die Entwicklungs- und Datenverarbeitungspraktiken sowie eine Live-Demonstration des Quellcodes. Die Erweiterung in Afrika entstand, weil die Zahl der Breitbandanschlüsse dort von 26 Prozent im Jahr 2019 auf 36 Prozent im Jahr 2022 stieg.