Interview mit G-Data-Vorstand Frank Heisler IT-Security im Lichte der Standort-Frage
Nach dem Patriot Act können US-Unternehmen zur stillschweigenden Kooperation mit US-Behörden gezwungen werden. Was die „befreundeten Dienste“ so alles treiben, bleibt verborgen. Warum diese undurchsichtige Gemengelage „IT-Security made in Germany“ vorantreibt, erklärt G-Data-Vorstand Frank Heisler im Interview.
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ITB: Die Welt nach den Enthüllungen von Edward Snowden ist eine andere. Es macht bereits der Ausdruck „Jahr eins nach Snowden“ die Runde. Hat eine neue Zeitrechnung begonnen?

ITB: Insbesondere die Aktivitäten der US-amerikanischen NSA standen im Mittelpunkt der Enthüllungen. Geradezu schockierend war für viele die Tatsache, dass über das juristische Vehikel des Patriot Act, in Verbindung mit Geheimgerichtsbeschlüssen private Unternehmen mit Rechtsstand in den USA zur stillen Kooperation gezwungen werden konnten. Das führte teilweise zu einem Generalverdacht gegenüber US-amerikanischen Hard- und Software-Herstellern, beispielsweise wenn es um eingebaute Backdoors oder die Weitergabe von Daten geht. Ist dieser aus Ihrer Sicht gerechtfertigt?
Heisler: US-amerikanische Unternehmen sind per Gesetz zu einer Kooperation mit der NSA verpflichtet. Seit 2001 ist dies im Patriot Act geregelt. Überträgt man diese generelle Verpflichtung auf amerikanische IT-Security-Hersteller, wie beispielsweise Virenschutz-Hersteller, so wären auch diese zu einer Kooperation mit den Geheimdiensten verpflichtet. Eine effektive Abwehr von Cyberspionage gegen Unternehmen würde hierdurch deutlich erschwert und auch die Sicherheit von Daten, beispielsweise von Business- oder Konstruktionsplänen, ist so nicht gewährleistet. Unternehmen sollten daher bei der Auswahl der richtigen Programme und Dienste sehr wählerisch sein.
ITB: So gesehen waren die Snowden-Enthüllungen für Anbieter aus Deutschland doch auch so etwas wie Marketing-Maßnahmen. Oder ist diese Sichtweise zu zynisch?
Heisler: Die Enthüllungen von Edward Snowden kann man nicht mit Marketing gleichsetzen, allerdings profitieren deutsche Hersteller natürlich von der Affäre, da es hier keine vergleichbaren Regelungen gibt und in Deutschland sehr strenge Datenschutzrichtlinien gelten. Unternehmen stellen daher die Nutzung der bisherigen Hard- und Software klar auf den Prüfstand und interessieren sich stark für einen Wechsel zu einem deutschen Anbieter. In den vergangen Monaten haben wir ein steigendes Interesse für G-Data-Sicherheitslösungen verzeichnet. Wir haben etwa zehn Prozent mehr Anfragen aus dem Unternehmensfeld.
ITB: Thorsten Urbanski von G Data ist Leiter der Teletrust-Arbeitsgruppe der Initiative „IT Security made in Germany“ (ITSMIG), die bereits 2005, also weit vor den Whistleblower-Enthüllungen ins Leben gerufen wurde. Was macht „IT-Security made in Germany“ aus?
Heisler: Seit der Nachkriegszeit steht „Made in Germany“ in der ganzen Welt für qualitativ hochwertige Produkte aus Deutschland. Genauso ist es auch bei „IT-Security made in Germany“. Das Qualitätssiegel verkörpert vertrauenswürdige Sicherheitslösungen, ohne versteckte Zugänge für Behörden oder Geheimdienste. Aktuell beteiligen sich 75 deutsche Unternehmen an der Initiative. Diese wurde 2005 gemeinsam vom Bundesministerium des Inneren, vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie und von Unternehmen aus der deutschen IT-Security-Industrie gegründet und 2011 in den Teletrust-Bundesverband überführt. Das Qualitätszeichen ist markenrechtlich geschützt und darf von Unternehmen nur geführt werden, die alle Kriterien erfüllen.
Juristische Fragestellungen
Vertrauensbonus für „IT-Security made in Germany“
Lesen Sie auf der nächsten Seite mehr über die Voraussetzungen für das Label „IT-Security made in Germany“ (ITSMIG).
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