Bloomberg-Innovationsindex 2021 Innovationsindex: Warum Deutschland den Innovations-Thron räumen musste

Autor: Christian Lüttmann

Was ist die Top 10 der innovativsten Länder der Welt? Und wo liegt Deutschland in dieser Liste? Diese Fragen beantwortet der Innovationsindex des Medienunternehmens Bloomberg, der über 100 Länder weltweit in sieben Innovations-Kategorien bewertet.

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Innovation treibt Fortschritt auf der ganzen Welt an. Welches die innovativsten Länder sind, versucht u.a. der Innovationsindex von Bloomberg abzubilden (Symbolbild).
Innovation treibt Fortschritt auf der ganzen Welt an. Welches die innovativsten Länder sind, versucht u.a. der Innovationsindex von Bloomberg abzubilden (Symbolbild).
(Bild: gemeinfrei, Romain Tordo / Unsplash)

New York/USA – Innovation ist ein Antrieb des Fortschritts. Zwar hat die Bedeutung des Wortes durch den inflationären Gebrauch in Marketingkampagnen und den Medien einiges an Strahlkraft verloren hat, weil Hersteller gerne jede Neuentwicklung als „innovativ“ anpreisen. Dennoch bleibt „echte“ Innovationskraft enorm wichtig für den Fortschritt der Menschheit. Doch hier drängt sich die Frage auf: Was ist eigentlich Innovation? Und kann man Innovationskraft messen?

So einfach, wie man Kraft in der Physik messen kann, ist es bei der Innovation nicht. Schließlich handelt es sich nicht um eine naturwissenschaftliche Größe, sondern um ein vom Menschen selbst geprägtes Konzept, was sich interpretieren und unterschiedlich auslegen lässt. Ganze Bücher lassen sich mit Diskussionen zu diesem Begriff füllen. Trotz allem veröffentlicht das amerikanische Medienunternehmen Bloomberg einmal im Jahr einen Innovationsindex, in dem die innovativsten Länder der Welt gekürt werden.

Innovationsdaten aus aller Welt

Für das Innovationsranking von Bloomberg kommen sieben Indikatoren zum Tragen, darunter Patentaktivität, Bildung sowie Ausgaben für Forschung und Entwicklung (Details unten bei „Ergänzendes zum Thema“). Aus den Werten dieser Kategorien berechnen die Experten dann einen Innovationswert zwischen 0 und 100. Insgesamt hat das Medienhaus Daten aus über 200 Ländern abgefragt. 111 davon machten Angaben zu mindestens sechs der sieben Kategorien und wurden somit im Ranking berücksichtigt. Die Top 60 der innovativsten Volkswirtschaften präsentiert Bloomberg jedes Jahr der Öffentlichkeit.

Ergänzendes zum Thema
Die sieben Indikatoren für Innovation des Bloomberg-Rankings
  • Ausgaben für F&E
    Gesamtausgaben für Forschung und Entwicklung (F&E) eines Jahres, bezogen auf das Bruttoinlandsprodukt (BIP).
  • Wertschöpfung
    Produzierte Güter, die zum Export und nationalen Wirtschaftswachstum beitragen (Anteilmäßig am BIP und pro Kopf)
  • Produktivität
    Gesamtproduktivität der arbeitsfähigen Bevölkerung (Bruttoinlandsprodukt pro Person)
  • Hightech
    Anzahl der inländischen Hightech-Aktiengesellschaften, bezogen auf die Anzahl der inländischen Aktiengesellschaften
  • Bildung (Tertiäre Effizienz)
    Einschreibungen in den höheren Bildungseinrichtungen, Grade der Bildungsabschlüsse und Anzahl der Wissenschafts- und Ingenieursabsolventen (anteilmäßig an der Gesamtbevölkerung)
  • Aktive Forschende
    Anteil an Fachleuten (bezogen auf die Bevölkerung), die gerade einer Arbeit im Bereich Forschung und Entwicklung nachgehen.
  • Patente
    Anzahl der eingereichten nationalen Patente, der gesamten Patenterteilungen, der auf die Bevölkerung normierten Patente, der auf das BIP normierten Anmeldungen und der gewährten Zuschüsse.

Welche Länder sich im aktuellen Innovationsindex ganz oben platziert haben und wie sich die innovativsten Länder der Welt in den einzelnen Kategorien unterscheiden, zeigen wir in den folgenden Grafiken.

Südkorea wieder innovativstes Land der Welt

Zum siebten Mal seit Einführung des Index im Jahr 2013 steht Südkorea an der Spitze des Innovationsrankings. Nachdem es im Vorjahr den ersten Platz an Deutschland abgeben musste, ist es nun mit einem Innovationswert von 90,49 wieder Nummer eins. Dies ist vor allem auf eine gesteigerte Patentaktivität zurückzuführen. Von Platz 11 im Vorjahr stieg Südkorea hier im Teilranking auf Platz 1. Und auch bei den Kategorien „F&E-Ausgaben“, „Wertschöpfung“ und „Aktive Forschende“ belegt es immer Platz 2 oder 3.

Andere technologische Schwergewichte aus Asien wie China und Japan sind nicht in der Top 10 zu finden, dafür aber Singapur auf Platz 2. Das Land hat den Bloomberg-Experten zufolge besonders stark in Digitalisierung investiert, was sich im Ranking nun bei der „Wertschöpfung“ (Platz 3) und „Produktivität“ (Platz 6) bezahlt macht. Vor allem in der Kategorie „Bildung“ liegt Singapur vorn. Dort belegt es dank seiner weltweit beachteten Universitäten seit 2017 unangefochten den ersten Platz.

Deutschland aus den Top 3 verdrängt

Deutschland belegt mit einem Score von 86,45 den vierten Platz im Ranking. Im Vorjahr war es mit insgesamt 88,21 Punkten zum ersten Mal auf Platz 1 des Index. Der Rückschritt ist vor allem auf ein schlechteres Ranking in der Kategorie „Patente“ zurückzuführen. Hier stürzte Deutschland vom 3. auf den 14. Platz ab. Auch beim Indikator „Bildung“ ist noch einiges an Verbesserungspotenzial. Dort hat Deutschland mit Platz 23 schlechter als in den anderen sechs Kategorien abgeschnitten. Dafür sind die Deutschen laut Bloomberg-Index in Sachen Hightech vorne mit dabei: wie im Vorjahr auf Platz 3.

Das auf und ab in der Top 10

Fasst man den Blick weiter und betrachtet die Entwicklung der vorigen Jahre, so ergibt sich zunächst ein chaotisches Bild (s. Grafik unten). Schaut man genauer hin, erkennt man aber, dass sich im Wesentlichen nur die Platzierungen der Länder innerhalb der Top 10 leicht verändern. So ist Japan in den vergangenen Jahren immer weiter abgerutscht und seit 2020 nicht mehr in der Top 10 der innovativsten Länder vertreten. Grund ist vor allem ein Abstieg in der Kategorie „Produktivität“: 15 Ränge hat das Land seit 2019 verloren ( von Platz 22 auf Platz 37).

Besser lief es in den vergangenen Jahren für Österreich, Dänemark und die Schweiz – sie alle konnten ein paar Plätze gut machen und demonstrieren jetzt zusammen mit Deutschland, Schweden, Österreich und den Niederlanden die Dominanz Europas im Innovationsranking. Besonders positiv ist die Entwicklung der Niederlande hervorzuheben, die in diesem Jahr erstmals in der Top 10 platziert sind. Verglichen mit dem Vorjahr hat sich das Nachbarland Deutschlands vor allem bei „Bildung“ (+11) und „Patenten“ (+5) verbessert und ist auf bestem Wege, seinen Score im Innovationsindex weiter zu steigern.

USA vs. China

Nicht mehr in die Top 10 haben es in diesem Jahr die USA geschafft. Seit Einführung des Innovations-Index haben die Vereinigten Staaten mehr und mehr Plätze eingebüßt. Im Bloomberg-Index ist vor allem im Bereich „Bildung" Nachholbedarf zu erkennen. Obwohl die amerikanischen Universitäten weltberühmt sind, erreichen die USA in dieser Kategorie nur Platz 47. Gründe sehen die Autoren des Bloomberg-Index in Hürden für ausländische Studierende. Durch die Regierung unter Präsident Donald Trump sei es für diese noch schwerer geworden.

Bei Amerikas Wettbewerbskonkurrent China ist die Entwicklung insgesamt hingegen positiv: Seit 2013 stieg das Land im Innovationsranking von Platz 29 auf Platz 16 und schließt damit immer näher zu den USA auf. Stärken liegen in den Bereichen Hightech (Platz 9) sowie Patenten (Platz 3). In der Kategorie „Wertschöpfung“ liegt das Land bereits knapp vor seinem Konkurrenten USA (Platz 20 vs. Platz 24).

Corona-Effekte werden sich erst in der nächsten Auflage zeigen

Wer bei den Innovations-Daten Parallelen zur Corona-Krise ziehen möchte, der muss noch ein Jahr auf die nächste Auflage des Bloomberg-Index warten. Denn der für 2021 veröffentlichte Innovationsindex bezieht sich noch größtenteils auf Daten aus der Zeit vor der Pandemie. Wie sich die Krise als Innovationstreiber gemacht hat, wird sich dann ggf. in den Platzierungen der Länder zeigen.

Erste Vergleiche könne man aber schon jetzt ziehen, heißt es in einer Pressemeldung von Bloomberg. So zeige sich, dass viele hochplatzierte Länder wie Südkorea, Deutschland und Israel auch beim Kampf gegen das Virus vorne mit dabei sind, ob es nun um Systeme der Kontaktverfolgung, Forschungsprojekte oder um schnelle Impfung gehe.

Dieser Artikel erschien zuerst auf unserem Partnerportal Laborpraxis.

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