Startschuss für Gigabit-WLAN in Europa EU gibt unteres 6-GHz-Band frei

Autor / Redakteur: Ralf Koenzen / Dipl.-Ing. (FH) Andreas Donner

Mehr als 15 Jahre nach der letzten Spektrumserweiterung hat die EU die Freigabe von 500 MHz im unteren 6-GHz-Band zur lizenzfreien Nutzung durch WLAN bekannt gegeben. Nun ist der Weg frei für Gigabit-WLAN in Europa. Doch dies darf lediglich der Anfang sein.

Firma zum Thema

Der Frequenzblock von 5,925 bis 6,425 GHz verdoppelt das bislang in Europa nutzbare Spektrum.
Der Frequenzblock von 5,925 bis 6,425 GHz verdoppelt das bislang in Europa nutzbare Spektrum.
(Bild: Lancom)

Der 30. Juni 2021 war ein guter Tag für die digitale Zukunft Europas. Mit der Freigabe des unteren 6-GHz-Bands und dem damit verbundenen Extraspektrum von 500 MHz legte die EU den Grundstein für ultraschnelles WLAN als Schlüsseltechnologie auf dem Weg zur drahtlosen Gigabit-Gesellschaft. Als europäischer WLAN-Hersteller hat Lancom den politischen Entscheidungsprozess von Beginn an begleitet und dankt der EU und allen Beteiligten für diesen historischen Schritt.

Der zusätzliche Frequenzblock (5,925–6,425 GHz) verdoppelt das bislang in Europa nutzbare Spektrum und verleiht dem jüngsten Technologiestandard Wi-Fi 6 einen immensen Leistungsschub: Als Wi-Fi 6E (Enhanced) – so der Vermarktungsname – zieht WLAN bei den Latenzraten mit dem Mobilfunkstandard 5G gleich.

Damit ergeben sich völlig neue Einsatzszenarien, etwa bei Echtzeitanwendungen wie Augmented und Virtual Reality. Selbst in Umgebungen mit hoher Nutzerdichte wie Schulen, Hörsälen oder Fußballstadien surfen User künftig mit Gigabit-Geschwindigkeit. Lancom plant die Markteinführung erster Wi-Fi-6E-Enterprise-Lösungen im Herbst.

Etappenziel erreicht

Doch bei aller Euphorie: Um das volle Potenzial von WLAN freizusetzen und global Schritt zu halten, darf der untere Teil des 6-GHz-Bands nur ein Etappenziel sein. Zahlreiche Länder, darunter führende Wirtschaftsnationen wie die USA, Südkorea und viele Staaten Mittel- und Südamerikas, haben bereits vorgelegt und das komplette Band im Umfang von 1.200 MHz für WLAN (5,925–7,125 GHz) geöffnet. Australien, Japan und Kanada werden in Kürze folgen. Europa muss hier nachziehen! Schließlich steht die Entwicklung nicht still. Multi-Gigabit-Anwendungen wie Immersive Video oder Echtzeit-Hologramme zeigen bereits heute, wo die Reise hingeht. Studien schätzen die weltweite Wertschöpfung durch WLAN im Jahr 2025 auf fünf Bio. US-Dollar, begleitet von der exponentiellen Zunahme drahtlos vernetzter Geräte. Die damit verbundene Datenflut können Mobilfunk und WLAN nur im Tandem bewältigen. Die vollständige Öffnung des 6-GHz-Bands für WLAN und eine möglichst weitreichende regulatorische Harmonisierung schaffen hierfür die nötigen Voraussetzungen.

Ralf Koenzen.
Ralf Koenzen.
(Bild: Lancom)

Über den Autor

Ralf Koenzen ist Gründer und Geschäftsführer von Lancom.

(ID:47508049)