Probleme sind nicht nur länderspezifisch, sondern systemimmanent

Eine Billion Euro – „Finanzkrise reloaded“

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Ursache: Gesellschaftlicher Wandel

Wenn wir aber nachhaltig etwas ändern wollen und nicht nur in immer kürzeren Abständen immer größere Löcher stopfen wollen, dann muss meiner Meinung nach etwas Grundlegendes passieren. Ich habe einige Ursachen für das Fiasko versucht zu identifizieren und möchte dies nun in vereinfachter Form darlegen. Ein Grundübel liegt in der Wandlung unserer Gesellschaft und dem undifferenzierten Umgang mit den daraus resultierenden Herausforderungen.

Das Heil meiner Professoren lag in dem Modell der Wandlung von der Agrar- in die Industrie- und in die Dienstleistungsgesellschaft (neuere Untersuchungen sehen im Wandel zur Digitalgesellschaft eine weitere Stufe. Da die Probleme aber stark mit denen der Dienstleistungsgesellschaft korrelieren, erspare ich mir die Differenzierung.)

Die Agrar- und die Industriegesellschaft hatten gemeinsam, das sie von Mehrwertschaffung und Produktivitätswachstum gekennzeichnet waren. Unterstützenden Dienstleistungen für den 1. und 2. Sektor gab es schon immer, und deren Nutzen möchte ich auch nicht in Frage stellen. Aber mit einem gewissen Reifegrad der Industrialisierung ergab sich für Börsen und Banken (B&B) ein Problem. Deren Geschäftsmodell fußt auf grenzenlosen Wachstum und immer neuen Ideen. Die Industrie stieß bei gesättigten Märkten und mickrigen Wachstumsprognosen bei B&B nicht auf Gegenliebe.

Zu kurz gedacht

Aber schlaue Ökonomen entdeckten die Dienstleistung als Quell ewiger Freude. Da die Dienstleistung für sich aber keinen Mehrwert schafft, mussten Instrumente her, um eine Anschubkapitalisierung dieses Sektors zu erreichen. Was lag näher als virtuelles Geld erzeugen, um den Kessel unter Druck zu setzen.

Das ganze könnte sogar funktionieren, wenn da nicht ein paar Randbedingungen wären, die die Vertreter von Turbos, Hebeln und Derivaten leider vergessen haben. Schon an der Uni kam mir der Verdacht, dass mit dem postulierten Heil in der Dienstleistungsgesellschaft etwas nicht stimmen könne.

Auf meine Frage, ob wir uns in Zukunft alle gegenseitig die Haare schneiden oder den Rasen mähen, kam eine Einschränkung, die leider im Wachstumsrausch wohl vergessen wurde. Denn es würde natürlich nur mit nachgefragten, höherwertigen Dienstleistungen funktionieren.

Wertlose Dienstleistungen

Und genau hier lag in den letzten 20 Jahren der fatale Fehler in der Entwicklung. Wir haben uns tatsächlich zu einer Dienstleistungsgesellschaft entwickelt. Aber diese wird von niederwertigen Dienstleistungen dominiert, die in der Gesamtheit betrachtet vom Rest (Agrar, Industrie, höherwertige Dienstleistungen) quersubventioniert werden müssen. Da aber mit diesen Leistungen im wahrsten Sinne des Wortes kein Staat zu machen ist, begannen B&B sich vom Realgeschehen immer mehr abzukoppeln, um ihre wahnwitzigen Gewinnversprechen wahr zu machen.

Und die Schere geht immer weiter auseinander. Denn die niederwertigen Dienstleistungen tendieren im Wert gegen null. Ihre Kennzeichen sind die leichte Erlernbarkeit und Reproduzierbarkeit (Massendienstleistung). Das folgende Diagramm (zum Vergrößern bitte klicken) soll verdeutlichen, wo das Problem liegt:

Dienstleistungen, die echte Werte Schaffen, gibt es wenige – solche, die kaum einen Wert besitzen dagegen unendlich viele.
Dienstleistungen, die echte Werte Schaffen, gibt es wenige – solche, die kaum einen Wert besitzen dagegen unendlich viele.

Hochwertige oder Supportdienstleistungen (für Sektor 1 und 2) gibt es nicht in einer beliebigen Anzahl, da sie nicht von jedem erlernbar sind und/oder innovative Prozesse beinhalten. Ihr Wert bleibt hoch, auch bei steigender Anzahl der Anbieter. Die niederwertige Dienstleistung erreicht vielfach nur eine Differenzierung über den Preis und prägt sich mit schrumpfenden Sektor 1 und 2 sogar noch weiter aus, trotz fallender Preise.

Lesen Sie auf der folgenden Seite, welche Schlüsse daraus zu ziehen sind und welche Konkreten Maßnahmen helfen könnten.

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