Veraltete Technologieinfrastruktur Droht deutschen Unternehmen die Legacy-Falle?

Von Agnes Panjas 3 min Lesedauer

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Deutsche Unternehmen stehen vor einem Technologie-Dilemma: 61 Prozent betreiben laut einer Slalom-Studie den Großteil ihrer Hauptgeschäftsanwendungen auf veralteten Plattformen. Veraltete Geräte sind jedoch mehr als nur ein technisches Problem.

Viele deutsche Firmen sitzen in der sogenannten „Legacy-Falle“ verpassen durch veraltete Technologieinfrastruktur den Anschluss.(Bild:  Canva / KI-generiert)
Viele deutsche Firmen sitzen in der sogenannten „Legacy-Falle“ verpassen durch veraltete Technologieinfrastruktur den Anschluss.
(Bild: Canva / KI-generiert)

Laut einer aktuellen Studie des Technologieberatungsunternehmens Slalom mit 2.000 Befragten weltweit (161 in Deutschland) stehen deutsche Unternehmen vor einem Technologie-Dilemma.

Laut der Global AI Insights Studie von Slalom sind bei elf Prozent der befragten Unternehmen sogar 76 bis 100 Prozent der kritischen Anwendungen betroffen.(Bild:  Slalom, Global AI Insights Survey, August 2025)
Laut der Global AI Insights Studie von Slalom sind bei elf Prozent der befragten Unternehmen sogar 76 bis 100 Prozent der kritischen Anwendungen betroffen.
(Bild: Slalom, Global AI Insights Survey, August 2025)

61 Prozent nutzen für die meisten ihrer Geschäftsanwendungen weiterhin veraltete Plattformen. Besonders dramatisch: Bei elf Prozent der Unternehmen sind sogar 76 bis 100 Prozent der kritischen Anwendungen betroffen. Die Hälfte der Befragten kämpfen mit einem Legacy-System-Anteil von 51 bis 75 Prozent. 26 Prozent haben fast die Hälfte ihrer Anwendungen auf veralteten Plattformen und nur acht Prozent haben den Anteil bereits auf unter 25 Prozent reduziert.

Veraltete Systeme sind mehr als nur technische Schulden – sie sind strategische Bremsen in einer Zeit, in der Agilität über Wettbewerbsfähigkeit entscheidet. Wir gehen in eine neue Technologie-Ära über, die jetzt verlangt, die Infrastruktur zukunftsfähig ausrichten.

Dominik Beierschoder, Managing Director Cloud bei Slalom Germany

Modernisierung ohne klares Ziel – und wachsendem Druck

Vielen Unternehmen fehlt eine konsequente Modernisierungsstrategie. Nur 30 Prozent haben einen unternehmensweiten Auftrag zur Migration oder Außerbetriebnahme von Altsystemen und setzen diesen aktiv um. 39 Prozent verfügen zwar über einen Modernisierungsfahrplan mit freigegebenen Budgets aber ohne explizites Ziel, die Altlasten vollständig zu beseitigen. 27 Prozent modernisieren nur, wenn es Business Cases gibt, die die Modernisierung erfordern. Drei Prozent gehen davon aus, bestehende Altsysteme auf absehbare Zeit beizubehalten.

Die Unentschlossenheit wird zunehmend riskanter. Wettbewerber, die mit neuen Technologieplattformen arbeiten, agieren schneller und setzen neue Compliance-Anforderungen wie NIS2 zügiger um. Der Innovationsstau dagegen verhindert zukunftsweisende Geschäftsmodelle.

Altsysteme haben ihre Arbeit geleistet. Der Zeitpunkt, sie zu modernisieren war nie günstiger. KI und KI-Agenten ermöglichen dabei erstmals, Fähigkeiten und Fertigkeiten kosteneffizient zurück ins Unternehmen zu holen.

Dominik Beierschoder, Managing Director Cloud bei Slalom Germany

Laut Beierschoder steige durch den Einsatz von KI auch „die Agilität auf Unternehmensebene“. Zudem könnten die „Abhängigkeit und die Kosten von Offshoring-Unternehmen“, die klassischerweise Modernisierungsaufgaben übernehmen, auf diese Weise langfristig reduziert werden.

KI als Katalysator für Modernisierung

KI-gestützte Werkzeuge wie Codeanalysen revolutionieren die Art, wie Unternehmen Legacy-Modernisierung angehen können. Die Technologien ermöglichen, komplexe Migrations- und Modernisierungsprozesse mit reduzierter Manpower durchzuführen und zeitgleich Risiken zu minimieren. Die Modernisierung von Applikationen ermöglicht es Unternehmen, mit Hilfe skalierbarer Plattformen das volle Potenzial ihrer KI-Initiativen auszuschöpfen.

„Gerade im deutschen Mittelstand sind über Jahrzehnte komplexe Applikationslandschaften entstanden, die große Teams zur Verwaltung benötigen. Mit KI und KI-Agenten können kleine, hochqualifizierte Teams mittel- bis langfristig dieselbe Leistung erbringen wie große Offshoring-Teams, während Innovation, Agilität und vor allem Mitarbeiterzufriedenheit und Arbeitgeberattraktivität stetig zunehmen. Denn auch Entwickler wollen sinnvollen Tätigkeiten in modernen Arbeitsumgebungen nachgehen, statt veraltete Systeme zu verwalten“, erklärt Beierschoder.

Von Kostenblock zum strategischen Enabler

Die Modernisierung von Legacy-Systemen bietet IT-Abteilungen die historische Chance, sich grundlegend neu zu positionieren. Anstatt IT-Tickets abzuarbeiten, können sie sich strategischen, wertschöpfenden Aufgaben widmen und die digitale Transformation des Unternehmens vorantreiben. „IT-Abteilungen können ihre Rolle im Unternehmen neu definieren. Für den Wandel braucht es gezieltes Change-Management und den Aufbau neuer Kompetenzen in Bereichen wie Cloud, KI und DevOps. Die Einführung zukunftsweisender Technologien und neuer Kompetenzen versetzt das gesamte Unternehmen in die Lage, schneller, intelligenter und effizienter zu arbeiten. Die IT entwickelt sich damit zum zentralen Innovationstreiber und strategischen Partner des Business“, so Beierschoder.

Über die Studie

Die Studie wurde vom 8. bis 19. August 2025 im Auftrag von Slalom durch das Dienstleistungsunternehmen GLG Insights durchgeführt und umfasste 2.000 Führungskräfte, Manager und Fachexperten aus fünf Ländern: den USA (1.240 Befragte), dem Vereinigten Königreich und Irland (417 Befragte), Kanada (182 Befragte) und Deutschland (161 Befragte). Befragt wurden ausschließlich Personen, die in Unternehmen arbeiten, die ihre KI-Journey bereits gestartet haben oder dabei sind, den Prozess der KI-Einführung zu starten.

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