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Kommentar: Die Stimme des Channels

Digitale Deppen

| Autor / Redakteur: Achim Heisler / Wilfried Platten

Achim Heisler fordert eine gesamtheitliche digitale Strategie, die weit über das bislang praktizierte Gießkannenprinzip hinausgeht.
Achim Heisler fordert eine gesamtheitliche digitale Strategie, die weit über das bislang praktizierte Gießkannenprinzip hinausgeht. (Bild: © contrastwerkstatt - stock.adobe.com)

Früher war alles besser. Spätestens wenn ich diesen Gedankengang hege, überkommt mich das Gefühl alt zu sein. Bei genauerer Betrachtung war es dann wohl eher anders und nicht unbedingt besser.

Es gibt Entwicklungen, beziehungsweise Nichtentwicklungen, wo mir angst und bange wird, sowohl um die Zukunft der Kinder, als auch um meine eigene. Ich habe recht früh Erfahrungen mit Elektronik und Computern sammeln dürfen und gehörte Anfang der 80er Jahre zur ersten Generation von Kindern und Jugendlichen, die damit aufwachsen konnten. Allerdings geschah dies völlig anders als in der heutigen Zeit. Es gab noch kein Internet in der heutigen Form. Somit musste man sich Informationen zu Produkten mühsam selbst beschaffen, oder schon mal mit der 80er nach Aachen fahren, um bei Vobis einen ZX81 zu erwerben. Die Systeme haben wir in der Zeit selbst gebaut und Software in Basic oder Assembler selbst geschrieben. Allerdings waren wir schon damals ein kleiner Teil der Bevölkerung.

Sehr viel verbreiteter war die Ansicht, dass man davon viereckige Augen bekomme und man lieber an die frische Luft gehen solle. Den meisten Menschen fehlte damals die Vision oder Anwendbarkeit der neuen Technologien. Bei vielen Menschen, die im Beruf standen, war die Meinung ganz klar, mit dem „Computerzeug“ wolle man nichts zu tun haben. Die erste Generation von Arbeitern und Angestellten konnten mit dieser Einstellung auch noch in Rente gehen. Wir, die wir uns intensiv mit der Materie auseinandersetzten, waren gezwungen, sich auch mit grundlegenden Dingen zu beschäftigen, um die darauf aufbauenden Schichten zu verstehen.

Die Stimme des Channels: Achim Heisler, Geschäftsführer a-h-s
Die Stimme des Channels: Achim Heisler, Geschäftsführer a-h-s (Bild: Alex Schelbert)

Generation Anwender

Mit der nächsten Generation der IT traten dann die Anwender immer mehr in den Fokus. Bei ihnen war das Verständnis der grundlegenden Technologie eher schwach ausgeprägt. Es war allerdings für den Betrieb der Anwendungsebene auch nicht unbedingt nötig. Damit trat dann auch das erste Mal eine Lücke zu Tage, die bis heute nicht geschlossen wurde. Da der Anwender keinen Zugang zu den grundlegenden Funktionsweisen besitzt, ist auch sein Sichtfeld auf die Anwendung beschränkt. Bei der ersten Generation der Anwender wurde dies mit fehlendem Zugang zu der Technologie in der Jugend und mangelnden Möglichkeiten in der Ausbildung entschuldigt. Somit entstand auch die ersten Generation von Computeranalphabeten. Wer jemals von uns im Support gearbeitet hat weiß, zu welch nervenaufreibenden Sessions diese Art des zwangscomputerisierten Anwenders in der Lage ist.

So ging nun die Zeit ins Land und mit jeder Generation wurde die Technologie komplexer und nahm gleichzeitig viel mehr Raum in unserem Leben ein. Gleichzeitig gab es nun aber auch eine Generation von Menschen, die von klein auf mit dieser Technologie aufgewachsen sind. Wir wissen alle, wie leicht man als Kind Wissen in sich aufsaugen kann. Die Erwartungen an die Digital Natives war natürlich entsprechend hoch.

Keine Eintagsfliege

War vorher der Anteil der Menschen mit einer natürlichen Affinität zu Computern sehr gering, hätte der Anteil doch nun stark ansteigen müssen. Allen war nun klar, dass IT keine Eintagsfliege ist und massiv in unser Leben eingreift. Allerdings mussten wir feststellen, dass der Anteil der „Wissenden“ niedrig bleibt. Es gab viele Bemühungen, den Menschen die IT näher zu bringen. Insgesamt wohl eher erfolglos verpufften die strategielosen Ansätze.

Nun könnte man sagen, dass es nicht so schlimm ist, wenn der Anteil der Menschen konstant bleibt, die über ein gewisses Maß an Überblick und Zugang zu den neuen Technologien besitzen. Leider aber nimmt das technologische Analphabetentum zu und lässt eine ganze Generation blind und willenlos werden. Mit der Generation „Handy und Facebook“ haben alle negativen Einflüsse nochmals an Masse und Geschwindigkeit zugenommen.

Gehen wir den eingeschlagenen Weg weiter wie bisher, ziehen wir digitale Deppen heran, die ahnungslos konsumieren und wie Lemminge den Socialmedia-Meinungsmachern hinterherlaufen. Nie war es so einfach, eine riesige Menge an Personen zu beeinflussen und deren Verhalten zu steuern. Gerade in der heutigen Zeit müssten die Menschen mit verantwortungsvollem Umgang und Prozesswissen gegen die plumpen Schreihälse angehen können. Es fehlt aber an so vielen Dingen. Apps werden installiert, weil sie in sind. Es funktioniert, was einfach zu bedienen ist und was in der Menge ein kritische Masse erreicht hat. Und wenn es dann schon bestimmte Apps sein müssen, wird deren Umgang mit Daten und Security nicht wirklich nachhaltig hinterfragt.

Es wäre aber zu einfach, die Schuld nur bei den Anbietern der Apps zu suchen. Seit 30 Jahren wissen wir, dass das Internet nicht vergisst. Und trotzdem genießen die digitalen Deppen die Möglichkeit des digitalen Exhibitionismus ohne über die Folgen nachzudenken. Rüder Umgangston in Foren, Mobbing im Schutze der scheinbaren Anonymität und Übertragung in die reale Welt nehmen immer extremere Formen an. Es ist wirklich an der Zeit, etwas gegen die Folgen der digitalen Verdummung zu tun. Sonst wird eine kleine politisch/wirtschaftlich/digitale Elite noch viel stärker über das Leben der Masse bestimmen, als es zu schlimmsten Feudalzeiten denkbar war.

Strategie statt Gießkanne

Was wir endlich benötigen, ist eine gesamtheitliche digitale Strategie, die weit über das bisherige Gießkannenprinzip hinausgeht. In Zeiten globaler Konzerne und grenzenloser Digitalisierung können wir mit föderalistischer Kleinstaaterei keinen Blumentopf mehr gewinnen. Es beginnt bei einem globalen europäischen Rechenzentrum, wo die Daten für Infrastruktur und Bildung sicher und eigenbestimmt gespeichert und verarbeitet werden können.

Das Bildungssystem (und damit meine ich ausdrücklich nicht erst in der Schule beginnend) kann damit zentrale Vorgaben und Standards etablieren, die schnellere notwendige Anpassungen an die globale Entwicklung erst möglich machen würden. Bisher hinken alle Inhalte der Entwicklung weit hinterher und holen auch nicht auf. Mit dem Abstand nimmt das Deppentum immer schlimmere Ausmaße an und wird in der Zeit nach der Schule besonders stark hervortreten. Kommen die Kinder aus der Bildungsblase in die Betriebe beziehungsweise ins Studium, werden Sie mit den harten und den weichen Fakten der Realität konfrontiert. Das Bildungssystem muss die Aufgabe wieder wahrnehmen, diesen Übergang für alle verträglich zu gestalten, damit sich wirklich kreative Energie im Job freisetzen kann.

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