Lieferketten Diese Hürden behindern die Digitalisierung der Supply Chain

Von Margit Kuther 3 min Lesedauer

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Kriege, Abhängigkeiten, volatile Märkte – die Störfaktoren der Lieferketten sind immens. Digitale Transformation wäre eine Chance, doch sie kommt nicht voran. Warum, verrät das 22. SupplyX-Barometer, das 150 Vertreter von Logistikunternehmen befragte.

Digitale Transformation: Insbesondere die Supply Chain würde von der Digitalisierung profitieren. Doch Stolpersteine behindern die Umsetzung.(Bild:  Gerd Altmann /  Pixabay)
Digitale Transformation: Insbesondere die Supply Chain würde von der Digitalisierung profitieren. Doch Stolpersteine behindern die Umsetzung.
(Bild: Gerd Altmann / Pixabay)

Die größten Herausforderungen bei der Umsetzung digitaler Strategien liegen für viele Unternehmen in der praktischen Umsetzung: Hohe Implementierungskosten werden von 39 Prozent der Befragten als stark belastend empfunden.

Auch Datenschutzanforderungen und Cybersecurity sowie die mangelnde Interoperabilität bestehender IT-Landschaften werden als wesentliche Hürden genannt. Fehlende einheitliche Standards führen häufig dazu, dass Anwendungen und Plattformen isoliert nebeneinander bestehen, was zu erheblichen Effizienzverlusten führen kann.

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„Viele Unternehmen wissen, wo sie hinmüssen, aber der Weg dorthin ist technisch komplex und organisatorisch herausfordernd“, ordnet Jörn von der Fecht, Chief Digital Officer bei SupplyX, die Ergebnisse der Studie ein. „Besonders der Mangel an standardisierten Schnittstellen verhindert häufig, dass Systeme miteinander sprechen. Das führt zu Medienbrüchen, Intransparenz und operativen Verzögerungen.“

Hoher Nutzen im Lager und in der Planung

Dort, wo digitale Technologien bereits konsequent eingesetzt werden, zeigt sich ein klarer Mehrwert. Besonders im Lager- und Bestandsmanagement berichten 61 Prozent der Befragten von deutlichen Effizienzgewinnen. In Unternehmen mit 250 bis 1.000 Mitarbeitenden ist dieser Anteil mit 75 Prozent noch höher. Auch in der Prognose- und Bedarfsplanung profitieren viele von datenbasierten Anwendungen. Fast jeder zweite Befragte (48 Prozent) gibt an, hierdurch einen großen Mehrwert für Planungssicherheit und Ressourcennutzung zu erzielen, im Mittelstand sind es mit 67 Prozent noch mehr. Die Transport- und Routenoptimierung liefert ebenfalls messbare Effizienzgewinne. 38 Prozent verzeichnen hier einen hohen Mehrwert.

Die Ergebnisse verdeutlichen: Vor allem in operativen Anwendungsbereichen wird der Mehrwert der Digitalisierung sichtbar. Intelligente Technologien entfalten ihr volles Potenzial dort, wo Prozesse datengetrieben gesteuert werden können. Entsprechend fokussieren sich viele Unternehmen bei ihren Digitalisierungsplänen gezielt auf diesen operativen Hebel – vor allem dort, wo konkrete Effizienzgewinne bereits sichtbar wurden.

Investitionsbereitschaft ist da – aber nicht flächendeckend

Fast jedes zweite Unternehmen (48 Prozent) plant Investitionen in eine automatisierte Bestandsführung. Dieser Wert steigt mit der Unternehmensgröße und zeigt: Je höher die organisatorische Komplexität in Betrieben, desto dringlicher wird offenbar die Notwendigkeit, Bestände digital zu steuern und Engpässe frühzeitig zu erkennen. 43 Prozent der Befragten wollen zudem digitale Plattformen zur Integration ihrer Partner einsetzen, während jedes dritte Unternehmen (33 Prozent) in Datenanalyse und künstliche Intelligenz investieren möchte.

Gleichzeitig gibt jedoch mehr als ein Viertel der Befragten (27 Prozent) an, aktuell keine konkreten Digitalisierungsmaßnahmen geplant zu haben. Für von der Fecht ist das ein alarmierendes Signal: „Wer jetzt nicht in digitale Infrastruktur investiert, wird es schwer haben, wettbewerbsfähig zu bleiben. Gerade in der Logistik steigen die Anforderungen an Transparenz, Schnelligkeit und Resilienz kontinuierlich, das ist mit analogen Prozessen nicht zu leisten.“

Echtzeitdaten und Vernetzung als nächste Etappe

Auch das Thema Echtzeit spielt eine zunehmend wichtige Rolle. Fast jedes zweite befragte Unternehmen (48 Prozent) betrachtet die Nutzung von Echtzeitsystemen als essenziell für eine agile Steuerung der Lieferkette. Bei Betrieben mit bis zu 1.000 Mitarbeitenden liegt dieser Anteil sogar bei 92 Prozent – ein deutliches Zeichen für deren hohe Praxisorientierung und die Notwendigkeit, flexibel auf volatile Marktveränderungen zu reagieren. Dennoch: Nur 41 Prozent der Logistikverantwortlichen geben an, bereits digital mit ihren Kunden und Partnern vernetzt zu sein.

„Das volle Potenzial digitaler Lieferketten liegt in der durchgängigen Vernetzung – intern wie extern. Erst wenn Informationen in Echtzeit über Unternehmensgrenzen hinweg fließen, entsteht die Reaktionsgeschwindigkeit, die in volatilen Märkten heute gebraucht wird“, so von der Fecht. „Die Digitalisierung des SCM ist kein Zukunftsthema mehr, sie ist strategisch anerkannt und vielfach initiiert. Doch damit aus digitalen Strategien auch messbare Ergebnisse werden, braucht es mehr als Technologie: Es braucht Mut zur Veränderung, Ressourcen für die Umsetzung und verlässliche Partner.“ (mk)

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