Bodenhaftung in Hüllhorst

Die Wortmann AG und der Langzeit-Effekt der Fachhandelstreue

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Unternehmer statt Manager

Siegbert Wortmann hat den gleichnamigen Hersteller und Distributor gegründet. (Archiv: Vogel Business Media)

Für unternehmerische Leistungen und soziales Engagement erhielt Siegbert Wortmann im Jahr 2007 das Bundesverdienstkreuz. Hierzu hat sicherlich auch die Spendenbereitschaft für Lehr- und Sozialeinrichtungen eine Rolle gespielt. Außerdem engagiert sich Wortmann im Lions-Club. Es geht hierbei vor allem um Hardware-Spenden oder Erlöse aus karitativen Flohmärkten.

Aber wer eine schillernde Manager-Persönlichkeit vermutet, die das Rampenlicht sucht, Gutes tut und viel darüber spricht, ist erneut, zumindest teilweise, einem Klischee zum Opfer gefallen. Persönlichkeit: ja. Aber Wortmann ist eher Unternehmer als Manager und eher bodenständig als schillernd. Glaubt man Wortmann-Mitarbeitern, bleibt die Bürotür des „Firmenpatriarchen“ stets demonstrativ offen. Der oft verwendete Ausdruck „kurze Entscheidungswege“ bedeutet bei der Wortmann AG, dass bei wichtigen Fragen jeglicher Couleur schnell mal der Chef persönlich aufgesucht wird.

Harter Wettbewerb

Diese kurzen Entscheidungswege sind aber auch nötig. Denn müssten bei Wortmann ein personeller Overhead und überdimensionierte Verwaltungsstrukturen mitfinanziert werden, hätte man wohl keine Chance, im Preiskampf mit den großen Herstellern der Branche zu bestehen. Es gilt Skaleneffekte auszugleichen; Preisvorteile, die durch Marktmacht entstehen, wenn etwa IT-Konzerne wie HP oder Dell für ihr weltweites Absatzvolumen das Zigfache dessen an Bauteilen bestellen wie die regional orientierte Firma aus dem nordrhein-westfälischen Hüllhorst.

Kurze Entscheidungswege und ein sozial engagierter Chef sind aber freilich kein Garant für schwarze Zahlen. Man kann darüber streiten, ob die Wortmann AG besser in die Schublade „Distributor“ passt oder in die Kategorie „Hersteller“. Klar ist jedoch, dass ein Unternehmen mit hohen Fixkosten durch den Betrieb einer Produktionsstätte nur dann bei einem positiven Ergebnis landet, wenn sich die Produkte verkaufen.

Das Terra Pad ist die Hüllhorster Antwort auf das iPad von Apple. (Archiv: Vogel Business Media)

Als kleinerer Player in der Hersteller-Riege ist hier manchmal Mut gefragt, wenn früh im Produktlebenszyklus eines neuen Trends eingestiegen werden soll. Marktbeobachter nehmen in diesem Zusammenhang teilweise erstaunt wahr, wie früh sich die relativ kleine Wortmann AG neuen Produktkategorien wie den All-in-One-PCs widmet oder wie selbstbewusst mit dem Windows-basierten Terra Pad auf den iPad von Apple geantwortet wird.

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