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CHANNEL FOKUS: Hybrid-IT & Multi-Cloud Die Rolle der Hyperscaler

Autor / Redakteur: Wilfried Platten / Sarah Nollau

Die Public Cloud ist fest in der Hand der Hyperscaler. Das birgt die Gefahr von Abhängigkeiten und einem neuen „Vendor-Lockin“. Oliver Hinz, Professor für Wirtschaftsinformatik und Informationsmanagement an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main, ist der Meinung, dass kleinere Anbieter Nischen besetzen können.

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Kleine Cloud-Anbieter können Nischen besetzen.
Kleine Cloud-Anbieter können Nischen besetzen.
(Bild: © GiDesign-stock.adobe.com)

Oliver Hinz, Professor für Wirtschaftsinformatik und Informationsmanagement an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main
Oliver Hinz, Professor für Wirtschaftsinformatik und Informationsmanagement an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main
(Bild: www.jakobkaliszewski.de)

ITB: Besteht die Gefahr, dass mächtige Hyperscaler wie AWS, Azure oder Google kleinere Konkurrenten mittelfristig vom Markt verdrängen?

Oliver Hinz: Prinzipiell sprechen wir beim Thema Cloud Computing von einem Markt, in dem Skalierbarkeit sehr wichtig ist. Prognosen gehen davon aus, dass die großen Anbieter über 80 Prozent des Marktes unter sich ausmachen werden. Allerdings können sie nicht alle Anforderungen, die Unternehmen an einen Hosting-Anbieter haben könnten, erfüllen – zum Beispiel hinsichtlich Support, individuellen Anforderungen, Datenschutz oder Auftragsdatenverarbeitung. Darüber hinaus führt eine Marktkonzentration zu einem Klumpenrisiko, wie das Beispiel AWS und der Ausfall von US-West zeigt. Insgesamt gehe ich davon aus, dass es noch ausreichend große „Nischen“ geben wird, in denen kleinere Anbieter mit einem Fokus auf Vertrauen und Spezialisierung bestehen können.

ITB: Mit welchen Ansätzen und Techniken können Anwender diese Nischen bedienen und sich in Zukunft behaupten?

Hinz: Zum einen kann durch Kooperationen eine partnerschaftliche Zusammenarbeit in einer arbeitsteiligen Lieferkette ähnlich der Autoindustrie entstehen, in der kleinere Anbieter eine besondere Vertrauensbeziehung zum Kunden aufbauen. Zudem bietet eine Spezialisierungsstrategie möglicherweise einen Ausweg, zum Beispiel der gezielte Aufbau von Branchen- und Lösungsexpertise für die Anforderungen der Kunden. Eine dritte Strategie könnte darin bestehen, dass kleinere Anbieter auf große globale Open-Source-Communities setzen, die Cloud-Technologien als breit verfügbare Standards anbieten. So bietet das Start-up Meshcloud hier zum Beispiel einen interessanten Ansatz, indem es mittelständische Rechenzentren und Systemhäuser auf einer offenen Plattform zusammenbringt.

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Über den Autor

 Wilfried Platten

Wilfried Platten

Chefredakteur, IT-BUSINESS