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IWF korrigiert seinen Konjunkturausblick nach unten

Die deutsche Wirtschaft taumelt

| Autor: Sarah Gandorfer

Jedes zweite Unternehmen sieht sein Geschäft durch die aktuelle Wirtschaftslage beeinträchtigt.
Jedes zweite Unternehmen sieht sein Geschäft durch die aktuelle Wirtschaftslage beeinträchtigt. (Bild: ferkelraggae - stock.adobe.com)

Kommt demnächst eine Rezession? Sollte die deutsche Wirtschaft nach dem Minus im zweiten Quartal auch in der Folgeperiode schrumpfen, würde man von einer technischen Rezession sprechen. Der Internationale Währungsfond, das GfK-Konsumklima und der Bitkom scheinen derzeit wenig optimistisch.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) senkt seine Konjunkturprognose für das laufende Jahr auf nunmehr 3 Prozent. Im Juli hatte der IWF noch ein Wachstum von 3,2 Prozent vorausgesagt.

Laut dem IWF wird das Wirtschaftswachstum hierzulande und im langjährigen Sorgenkind Italien heuer so niedrig wie in keinem anderen Industriestaat ausfallen. Die Schwäche dieser beiden europäischen Schwergewichte ist ebenfalls ein Grund dafür, dass das Konjunkturplus weltweit bei gerade einmal drei Prozent liegen dürfte – dem schlechtesten Wert seit der Weltwirtschaftskrise von vor zehn Jahren.

Der Internationale Währungsfonds korrigiert seinen Konjunkturausblick für Deutschland noch einmal nach unten.
Der Internationale Währungsfonds korrigiert seinen Konjunkturausblick für Deutschland noch einmal nach unten. (Bild: IWF)

In der Bundesrepublik wird laut der Prognose das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im laufenden Jahr um lediglich 0,5 Prozent zunehmen. Das wären noch einmal 0,2 Punkte weniger als bei der letzten Schätzung vor drei Monaten. Stärker fällt die Korrektur für 2020 aus: Statt mit 1,7 rechnet der IWF lediglich mit 1,2 Prozent. Auf den ersten Blick mag das nicht viel sein, doch gesamtwirtschaftlich bedeutet das hierzulande eine um rund 18 Milliarden Euro geringer Leistung. Dies wiederum wirkt sich auf die Steuererlöse von Bund, Ländern und Gemeinden, die Einnahmen der Sozialversicherungen sowie die Entwicklung der Löhne und Gehälter aus.

Als Gründe für das geringere Wachstum nennt der IWF-Report zunehmende Handelsbarrieren und wachsende Unsicherheit in Folge geopolitischer Risiken. Dazu zählen beispielsweise der Brexit oder der von Trump angezettelte Handelskonflikt mit China, der die Preise für viele Produkte nach oben getrieben hat. Zusätzlich macht Deutschland der Strukturwandel in der Autoindustrie zu schaffen.

Herausforderungen des deutschen Handels

Mit dem Hintergrund, dass das wirtschaftliche Klima für den Handel rauer wird, hat der Branchenverband Bitkom 504 deutsche im Groß- und Einzelhändler befragt, was sie derzeit als Herausforderung sehen. Dabei bestätigte die Mehrheit (56 %), dass das Geschäft derzeit durch die konjunkturellen Unsicherheiten beeinträchtigt wird.

Unternehmen müssen ihre Geschäftsmodelle auf den Prüfstand stellen.
Unternehmen müssen ihre Geschäftsmodelle auf den Prüfstand stellen. (Bild: Bitkom)

Beinahe jedes dritte Unternehmen (29 %) fühlt sich zudem explizit von den internationalen Handelskonflikten verunsichert. Und 26 Prozent konstatieren, dass die aktuelle Nachfrage aus dem Ausland ihr eigenes Geschäft bremst – ein Anstieg um 15 Prozentpunkte im Vergleich zu 2017. Aber auch die Binnennachfrage bereitet Sorgen. So glauben 30 Prozent der Händler, dass die aktuelle Nachfrage im Inland ihr Geschäft bremse.

„Die Ungewissheit des Brexits und die sich eintrübende Konjunktur stellen für den deutschen Handel derzeit eine große Herausforderung dar. Dazu kommt der Handelskonflikt USA-China, der wegen der engen Verbundenheit zu beiden Volkswirtschaften auch deutsche Unternehmen trifft“, erläutert Bitkom-Präsident Achim Berg das Ergebnis „In einer solchen Gemengelage ist es umso wichtiger, dass die Unternehmen ihre Geschäftsmodelle auf den Prüfstand stellen: Wettbewerbsfähigkeit ist das oberste Gebot – und diese ist ohne Digitalisierung nicht zu halten. Die Unternehmen können mithilfe der Digitalisierung ihre Produkte nicht nur auf ganz neue Weise anbieten, sondern auch einem größeren Kundenkreis verfügbar machen. Gerade in Zeiten konjunktureller Unsicherheit kommt es darauf an, in die Zukunft zu investieren.“

GfK-Konsumklima

Während der GfK-Konsumklimaindex im Februar mit 10,8 Indikationspunkten dieses Jahr seinen Höchststand hatte, liegen diese im Oktober bei 9,9. Das sind 0,2 Punkte mehr als im September. Damit legt das Konsumklima im Oktober wieder zu.

Die Grafik zeigt den GfK-Konsumklima-Index, der die Konsumneigung der Privathaushalte misst.
Die Grafik zeigt den GfK-Konsumklima-Index, der die Konsumneigung der Privathaushalte misst. (Bild: Statista)

Vor allem folgender Beschluss der Europäischen Zentralbank (EZB) wirkt sich positiv aus: Sie senkte den Zins für das Verwahren kurzfristig nicht benötigter Gelder der Geschäftsbanken von -0,4 auf -0,5 Prozent sowie das Anleihekaufprogramm im Umfang von 20 Milliarden Euro monatlich wiederaufzunehmen, hat die Anschaffungsneigung klettern und die Sparneigung auf den niedrigsten Stand seit April 2016 abrutschen lassen. Offenbar befürchten Konsumenten, dass die Geschäftsbanken künftig auch für Privatanleger einen Strafzins erheben.

Nach Aussage der Gfk bleiben somit die Voraussetzungen bestehen, dass die Binnennachfrage trotz der schwächelnden Weltkonjunktur eine wesentliche Stütze der wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland bleiben kann. Ob dies nachhaltig ist, werden die kommenden Monate zeigen. Wenn der Arbeitsmarkt nicht stabil bleiben und ein spürbarer Anstieg der Arbeitslosigkeit drohen, würde das auch der Konsumkonjunktur einen deutlichen Dämpfer verpassen.

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