Unternehmen betreiben immer seltener reine On-Premises-Rechenzentren. Managed Services halten daher auch beim Betrieb von Cloud-Umgebungen Einzug. Dabei unterscheiden sie sich signifikant vom hergebrachten Modell.
Cloud-Shift und Automatisierung wandeln grundlegend die Art der Zusammenarbeit zwischen dem Provider und dem Kunden.
(Bild: Bo Dean - stock.adobe.com)
On-Premises-Rechenzentren haben langsam ausgedient, und Cloud-Angebote ergänzen oder ersetzen die Infrastruktur. Das damit verbundene Consumption-Modell mit Ressourcenbezug nach Bedarf und Abrechnung nach Verbrauch bietet Anwendern mehr Flexibilität, Agilität und Innovationsgeschwindigkeit – und ist oft günstiger. Gartner prognostiziert, dass 2025 erstmals mehr als die Hälfte aller Workloads in die Cloud gewandert sein werden. Managed Service Provider (MSPs) mutieren im Zuge dessen zu Managed Cloud Service Providern. Das hat weitreichende Auswirkungen auf den Channel, für den mit zunehmender Nutzung der Hyperscaler immer mehr die Multicloud ins Spiel kommt.
Anderer Service-Ansatz
„Managed Cloud Services stellen einen vollkommen anderen Service-Ansatz dar“, sagt Thorsten Raquet, Chief Operating Officer der Public Cloud Group (PCG): „Während sich klassische Managed Services gern mal mit Festplatten, WAN, Ports – oder einfach gesprochen ‚Blech‘ – auseinandersetzen, sind Managed Cloud Services eng mit Applikationen verbunden.“ Diese unterschiedlichen Anwendungsbereiche stellten allerdings nur einen Unterschied dar. Auch der First Level Support, jahrzehntelang fester Bestandteil vieler IT-Abteilungen, sei in seiner klassischen Form heute nicht mehr notwendig. „Durch das Shared-Responsibility-Modell der Hyperscaler tragen diese einen Teil der Verantwortung für den reibungslosen Betrieb der Cloud-Umgebungen mit“, erläutert Raquet.
Thorsten Raquet, Chief Operating Officer der Public Cloud Group (PCG)
(Bild: Public Cloud Group)
Die Vorteile von Hyperscalern könne man kaum hoch genug einschätzen, findet Christian Oeckerath, Teamleiter Cloud beim Distributor TD Synnex Germany. Denn das Portfolio der großen Cloud-Anbieter enthalte bereits ein breites Angebot an Lösungen für Künstliche Intelligenz, Data Analytics und Security, was es den Anwendern einfach mache. „Bei der Georedundanz kann wieder der gesamte Channel mitspielen, sofern Systemhäuser auf die weltweit verfügbaren Rechenzentren der Hyperscaler zugreifen.“ Der Vorteil für international agierende Kunden liege klar im Zugriff auf ein weltumspannendes Netz von Rechenzentren, wodurch Latenzen reduziert werden können. Allerdings blickt Oeckerath schon einen Schritt weiter nach vorn. So sollten sich MSPs auch „für die PaaS-Angebote der Hyperscaler öffnen, um ihre Portfolios um diese schnell verfügbaren und skalierbaren Services zu erweitern“.
Silo-Denkweise wird durchbrochen
Das wirft Fragen für die Zusammenarbeit von Fachbereichen und Expertenteams auf. Raquet zufolge kannte die Branche bisher drei zentrale Phasen: Plan, Build, Run. Die einen planen die Umgebung, die anderen bauen sie auf und die dritten übernehmen den fortlaufenden Betrieb. „Managed Cloud Services brechen diese Silo-Denkweise auf. Hier braucht man ein integriertes Team, um Architektur, Cloud-Native Services und Workloads selbst zu verstehen und zu unterstützen. Das Team muss zudem interaktiver mit der Kundenseite zusammenarbeiten und auch näher an der Applikation sein.“ Seiner Meinung nach stellt auch der hohe Grad an Automatisierung bei Managed Cloud Services einen handfesten Unterschied zu althergebrachten Managed Services dar. Hoch standardisierte Prozesse seien in der grundlegenden Struktur der Cloud-Infrastruktur bereits integriert. Dadurch hätten Teams zum einen die Möglichkeit, selbst zu skalieren und weitere Kundenapplikationen zu betreuen, zum anderen aber auch einfache Arbeitsschritte zu automatisieren. Die Automatisierung hat aus Sicht Oeckeraths zu Folge, dass sich die Beiträge in der Wertschöpfungskette auf mehreren Ebenen verändern. Beispielsweise die Verschiebung administrativer Jobs hin zu IT und Business Consulting. Den Providern fiele zunehmend die „Aufgabe zu, ihre Kunden in puncto Skalierbarkeit, Sicherheit und dem Management optimal zu betreuen, zu beraten und zu schulen – Stichwort: Professional Services. Positiv ist hervorzuheben, dass die Qualität der Services immer weiter zunimmt“, so der Teamleiter.
Neue Art der Zusammenarbeit zwischen Provider und Kunden
Raquet bestätigt, dass Cloud-Shift und Automatisierung grundlegend die Art der Zusammenarbeit zwischen dem Provider und dem Kunden wandeln. Seiner Beobachtung nach wird aus einem einfachen Beratungsansatz eine Art Dauerberatung. „Denn es geht nicht mehr nur um den initialen Aufbau oder das Setup der Betriebsumgebung, sondern vielmehr um eine fortlaufende Optimierung der Umgebung.“ Das bedeute allerdings auch, dass Partnerunternehmen die Zusammensetzung ihrer Expertenteams „neu denken“ sollten: „Die strenge Trennung von Cloud-Architekten und der Betriebsmannschaft ist nicht mehr zielführend. Vielmehr müssen die vorhandenen Expertisen Hand in Hand gehen, und wir müssen Operations immer mit Beratung vervollständigen.“
Christian Oeckerath, Teamleiter Cloud bei TD Synnex Germany
(Bild: TD Synnex)
Man könne also festhalten, dass der Cloud-Shift das Channel-Business grundlegend verändere. Skalierbarkeit und Kosteneffizienz waren in den vergangenen Jahren zwei große Treiber, die viele Unternehmen veranlassten, in die Cloud zu wechseln. Die Treiber veränderten sich aber gerade enorm. „Es wird immer mehr Wert darauf gelegt, das eigene Business durch die Cloud zu enablen, und zwar nicht nur punktuell, sondern fortlaufend und mit steiler Wachstumskurve“, erläutert der COO der PCG. Nur wenn man die grundlegende Architektur einer Cloud-Umgebung, zusammen mit den Applikationen und den Cloud-Native Services verbinde, könne man wirklich Vorteile aus einer Cloud ziehen. Dem Channel eröffnen sich damit ganz neue Aufgaben und Möglichkeiten, so Oeckerath: „Partner können ein deutlich breiteres Portfolio zusammenstellen und ihren Kunden damit stets den Zugriff auf die neuesten Technologien bieten.“ Provider mit eigenen Rechenzentren sieht er hier jedoch im Nachteil, insbesondere wenn es um die genannten Stärken der Hyperscaler bei KI, BI und Security gehe. Er rät Systemhäusern dringend, sich für die Zusammenarbeit mit Azure, AWS, Google und Co. zu öffnen: „Natürlich müssen sich Partner jeglicher Art mit Hyperscalern und Multicloud beschäftigen, um zukünftig die Anforderungen der Endkunden abdecken zu können.“ Hier gebe es aber „kein Schwarz oder Weiß“. Vielmehr gehe es darum, dem Endkunden aus technologischer und finanzieller Sicht das beste Angebot zu machen. Festzuhalten sei auf jeden Fall, dass sich das Channel-Business auch operativ grundlegend wandle – „nicht nur, aber auch durch den Cloud Shift“.
Stand: 08.12.2025
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