Angetestet: Acer Nitro Spatiallabs View Der 3D-Monitor, der ohne Brille auskommt

Aktualisiert am 27.07.2023 Von Klaus Länger 5 min Lesedauer

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Filme und Spiele in echtem 3D statt flach auf dem Screen – das ging bisher nur mit zusätzlicher und für viele lästiger Brille auf der Nase. Der portable 15,6-Zoll-Acer-Monitor Spatiallabs View im Hands-on-Test kommt dank cleverer Technik ohne aus.

Der 15,6-Zoll-Monitor Spatiallabs View von Acer nutzt eine raffinierte Technik, um beim Nutzer auch ohne 3D-Brille den Eindruck zu erzielen, Bilder würden plastisch im Raum schweben. Das funktioniert bei Spielen, Filmen und 3D-Anwendungen.(Bild:  Acer)
Der 15,6-Zoll-Monitor Spatiallabs View von Acer nutzt eine raffinierte Technik, um beim Nutzer auch ohne 3D-Brille den Eindruck zu erzielen, Bilder würden plastisch im Raum schweben. Das funktioniert bei Spielen, Filmen und 3D-Anwendungen.
(Bild: Acer)

Aufwendige 3D-Grafikkarte im Rechner, aber das Bild nur in 2D auf dem Screen. Monitore mit einem „echten“ 3D-Bild sollten um das Jahr 2010 Abhilfe schaffen. Mit einer geeigneten Brille wurden beiden Augen Bilder mit leicht unterschiedlichem Blickwinkel serviert, die das Gehirn dann zu einem Bild zusammensetzt, bei dem Objekte im Raum zu schweben scheinen. Nvidia brachte damals die 3D Vision auf den Markt, eine Shutter-Brille, die im Gespann mit einem 120-Hz-Monitor für flüssiges 3D sorgen sollte. Die günstigere Alternative waren Polarisationsbrillen, die beispielsweise bei vielen Fernsehern oder im Kino verwendet werden. Allerdings halbieren sie die Auflösung, was bei der damals üblichen Full-HD-Auflösung wenig praktikabel war.

Durchgesetzt haben sich beide Verfahren nicht. Nvidia hat 2021 die 3D-Vision-Unterstützung aus dem Treiber geworfen und bei TV-Geräten ist 3D ebenfalls kein Thema mehr.

Bei Acer ist man überzeugt, dass vor allem die lästigen Brillen dem Erfolg im Wege standen und hat daher nun Displays entwickelt, die auch ohne Brille überzeugende 3D-Bilder darstellen, sich aber trotzdem als herkömmliche 2D-Displays nutzen lassen. Darin liegt auch der Unterschied zu VR-Brillen, die ja auch jedem Auge ein eigenes Bild liefern. Hier befindet man sich in einem abgeschlossenen virtuellen Raum, während man mit dem Acer-Monitor ein 3D-Bild sieht, aber mit der realen Umgebung interagiert.

Die Technik hinter Spatiallabs

Die zwischen 2D und der Simulation von 3D im Raum ohne Brille umschaltbaren Spatiallabs-Displays nutzen Autostereoskopie mit einer zusätzlichen umschaltbaren Lentikularlinse, die im 3D-Modus dafür sorgt, dass ­jedes der beiden Augen ein geringfügig anderes Bild sieht, und damit die Illusion von im Raum schwebenden 3D-Objekten entsteht. Bisher boten Monitore mit Lentikularlinse allerdings einen eingeschränkten Blickwinkel und hatten oft Darstellungsprobleme bei einer Veränderung der Kopfposition. Bei den Acer-Geräten werden diese Einschränkungen durch die Kombination aus der Verfolgung der Kopf- sowie der Pupillen-Position mit einer zusätzlichen Kamera-Lösung und Echtzeit-Rendering-Technologien beseitigt. Allerdings funktionieren die Displays daher im 3D-Modus nur bei einem Betrachter.

Über dem Panel sitzen zwei Kameras für das Head- und Eye-Tracking. Der Acer-Monitor muss daher über HDMI und USB mit dem Rechner verbunden werden.(Bild:  Vogel IT-Medien)
Über dem Panel sitzen zwei Kameras für das Head- und Eye-Tracking. Der Acer-Monitor muss daher über HDMI und USB mit dem Rechner verbunden werden.
(Bild: Vogel IT-Medien)

Vorhang auf für Spatiallabs

Derzeit bietet Acer vier Geräte mit Spaciallabs-Display an: Das Gaming-Notebook Predator Helios 3D 15 Spatiallabs Edition, das Creator-Notebook ConceptD 7 Spatiallabs Edition 3D und die portablen Monitore Spatiallabs View Pro sowie Spatiallabs View. Alle vier Geräte nutzen das selbe 15,6 Zoll große Display mit 4K-Auflösung. Für den Hands-on-Test haben wir von Acer das Spatiallabs View erhalten, zusammen mit einem Predator-Gaming-Notebook, das für die ausreichende 3D-Performance sorgt. Der Monitor ist die Consumer-Version des Displays. Das kompakte, nur 1,47 kg schwere Gerät mit ausklappbarem Standfuß und integriertem Akku wird per HDMI- und USB-Kabel mit dem Rechner verbunden. Das USB-Kabel ist notwendig, da die 3D-Funktion nur mit der passenden Spatiallabs-Software nutzbar ist. Zudem ist noch ein Speicherkartenleser eingebaut. Den Preis für den Monitor gibt Acer mit 1.299 Euro (UVP) an.

Zum Testgerät gehören derzeit vier verschiedene Programme. Mit Spatiallabs Go können 3D-Inhalte im Side-by-Side-Format angezeigt werden. Zudem können sogar 2D-Inhalte wie Videos oder Fotos in Echtzeit in 3D umgerechnet werden. Die Darstellung ist aber nicht so überzeugend, wie bei „echten“ 3D-Inhalten. Der Spatiallabs Player spielt 3D-Videos ab, die als Datei vorhanden sind und kann ebenfalls 2D-Videos umwandeln.

Uns ist derzeit mit Videocity nur ein Anbieter bekannt, bei dem man hierzulande Kinofilme im 3D-Format in digitaler Form mieten kann. Streifen wie Dune, Aquaman oder Hobbit kosten knapp sechs Euro. Bei Streaming-Anbietern sieht es düster aus: Netflix bietet als einziger 3D-Filme an und das nur in den USA.

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Gaming und 3D-Anwendungen

Für das Spielen in 3D ist Spatiallabs Trugame zuständig. Das Tool unterstützt derzeit 85 Spiele mit eigenen Profilen für die 3D-Darstellung. Neue Profile stellt Acer mit Updates zur Verfügung. An Gaming-Plattformen werden Steam, Microsoft Xbox, Epic Games und GOG.com unterstützt. Am besten funktioniert das 3D-Display bei Spielen aus Third-Person-Perspektive, Renn- und Strategiespielen. Bei schnellen Shootern ist die Latenz recht hoch und das Display schafft nur 60 Hz. Nötig ist auf jeden Fall ein schneller Rechner mit starker Grafikkarte, da jedes Bild zweimal gerendert werden muss, einmal für jedes Auge. Das von Acer für den Test gestellte Predator-Triton-500SE-Notebook mit Intel Core i7-11800H und Nvidia Geforce RTX 3070 hatte jedenfalls gut zu tun, die GPU war meist bei 100 Prozent Auslastung.

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3D-Anwendungen sind ein weiterer Anwendungsbereich des brillenlosen 3D-Displays von Acer. Die Spatiallabs-Modellanzeige kann eine breite Palette von Dateiformaten in 3D anzeigen. Unterstützt werden etwa Blender, Autodesk Fusion 360, 3Ds Max und Inventor, Maxon Zbrush, Setchup sowie Rhino von Rhinoceros. Mit Add-Ons können Modelle, an denen gearbeitet wird, mit einem Klick im Model Viewer geöffnet und aus allen Winkeln in 3D betrachtet werden. Das Tool bietet zudem verschiedene HDR-Hintergründe und Beleuchtungsoptionen. Für professionelle Entwickler hat Acer allerdings noch das technisch identische Spatiallabs-Pro-Display im Programm, bei dem die Softwareausstattung zusätzlich noch Plug-ins für Unity und Unreal sowie eine SteamVR-Bridge enthält. Zudem wird nun noch die OpenXR-Laufzeitumgebung unterstützt.

Fazit: Tolle Technik aber noch eingeschränkte Nutzungsmöglichkeiten

Technologisch ist das Spatiallabs View von Acer erstklassig. Der Effekt bei 3D-Filmen, unterstützten Spielen und 3D-Modellen ist beeindruckend, und das ohne lästige Brille. Nicht ganz so toll sind in Echtzeit umgerechnete Filme. Allerdings leidet das Konzept an dem Henne-Ei-Problem: Die Auswahl an „echten“ 3D-Movies ist eingeschränkt und auch bei der Spieleunterstützung hinkt Acer zwangsläufig hinterher, da die Firma selbst dafür sorgen muss. Zudem ist das kleine und leichte Display zwar sehr gut für den mobilen Einsatz geeignet, private Endkunden und vor allem Spieler würden sich aber sicher ein stationäres Modell mit deutlich größerer Bilddiagonale wünschen. Hier wäre die Immersion, also das Eintauchen in die Szenen, deutlich höher. Denn aktuell stellt sich, bedingt durch die kleine Bilddiagonale von 15,6 Zoll, beim Spielen oder Betrachten von Filmen ein gewisser Guckkasteneffekt ein.

Für das professionelle Arbeiten mit 3D-Anwendungen ist das Gerät als Zweitdisplay für das räumliche Betrachten von Modellen oder die Präsentation bei Kunden gut geeignet. Allerdings sollten 3D-Entwickler unter Umständen eher zum kostspieligeren Spatiallabs Pro greifen.

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