Der Handelskonflikt zwischen den USA und China verschärft sich weiter und auch der Ton in der EU wird rauer. Wie sollte sich der Handel zu China gestalten? Sind Abkoppeln oder De-Risking die richtigen Schritte? Wir haben im IT-Channel nachgefragt.
China wird von der verlängerten Werkbank westlicher oder taiwanischer IT-Hersteller zur eigenständigen IT-Großmacht. Das sorgt für Konflikte, die gelöst werden müssen, damit nicht die gesamte Branche darunter leidet.
(Bild: Jackie Niam - stock.adobe.com)
In der westlichen Mythologie ist der Drache ursprünglich ein Symbol für das Böse, in Märchen und Sagen ein räuberisches Wesen, das Schrecken verbreitet, Schätze hortet und schließlich vom Helden getötet wird. In China ist der Drache dagegen ein ambivalentes Wesen, das aber überwiegend Gutes bewirkt und sogar ein Bild für die kaiserliche Macht war. Zwar ist der Drache auch hierzulande durch Literatur und vor allem Hollywood teilweise zum Sympathieträger geworden, mit Blick auf China taucht aber wieder das Bild des bedrohlichen und sogar räuberischen Drachen auf, der in Konflikt mit dem Westen steht. Das hat auch mit dem geopolitischen und wirtschaftlichen Aufstieg Chinas zu tun, das von der verlängerten Werkbank zum „systemischen Rivalen“ geworden ist, so die deutsche Außenministerin Annalena Baerbock. Bundeskanzler Olaf Scholz erklärt: „China soll und wird ein wichtiger Wirtschaftspartner für Deutschland und für ganz Europa bleiben.“ Er lehnt Strafzölle wie die der USA gegen China ab. Begriffe wie Decoupling, also das wirtschaftliche Abkoppeln von China, oder zumindest De-Risking, also die Vermeidung von Abhängigkeiten, stehen aber trotzdem im Raum, auch für die IT-Branche.
Alle großen Notebookhersteller bemühen sich, einen Teil ihrer Produktion aus China in andere Länder zu verlagern, selbst Lenovo. Der Löwenanteil der Geräte kommt aber weiterhin vom chinesischen Festland, wie Zahlen der Marktforscher von Canalys zeigen.
(Bild: Canalys)
Hier machen vor allem Maßnahmen der US-Administration Schlagzeilen, die darauf abzielen, China von fortschrittlichen Verfahren für die Chip-Herstellung und von leistungsfähigen KI-Beschleunigern abzuschneiden. Zuletzt wurden Intel und Qualcomm sogar der Verkauf von Notebook-Prozessoren an Huawei verboten, mit der Begründung, dass es sich um „KI-Prozessoren“ handelt. Auf der anderen Seite hat die chinesische Regierung angeordnet, dass staatliche Stellen in China ab 2027 nur noch eigene Prozessoren sowie Software verwenden dürfen. Das Land investiert enorme Summen in die Weiterentwicklung der Chipfertigung.
Risikostreuung ist sinnvoll
Unterhalb dieser Ebene sind China und der Westen bei IT-Produkten weiterhin eng verzahnt. Trotz aller politischen Spannungen ist das chinesische Festland weiterhin der wichtigste Produktionsstandort für taiwanische IT-Hersteller und OEM-Fertiger, auch für US-Hersteller wie HP, Dell oder Microsoft. Allerdings gibt es zunehmend Bestrebungen zur Verlagerung eines Teils der Produktion in andere Länder, was für stabile Lieferketten auch durchaus vernünftig ist. Sogar Lenovo als chinesischer Hersteller hat vor zwei Jahren in Ungarn ein Montagewerk eröffnet und produziert dort Server, Storage-Systeme und Workstations für den EMEA-Markt.
Sven Glatter, Geschäftsführer bei Comteam.
(Bild: Comteam)
Aktuell ist gar nicht absehbar, was alles bei einem ausgewachsenen Handelskonflikt mit China auf uns zukommen könnte.
Sven Glatter
Für Sven Glatter, Geschäftsführer der Systemhausverbunds Comteam, ist der künftige Umgang mit China „eine echte Glaubensfrage und sehr komplex in der Beantwortung“. Seiner persönlichen Meinung nach, ist eine diplomatische Herangehensweise sinnvoll, denn aktuell „ist gar nicht absehbar, was alles bei einem ausgewachsenen Handelskonflikt mit China auf uns zukommen könnte. De-Risking geht da eher den Weg der Deeskalation und verbaut keine Wege für die Zukunft“, so Glatter und nennt eine schrittweise Unabhängigkeit von China und einen eigenen europäischen IT-Markt als Ziel, „der unabhängig von den globalen Bedingungen und selbstbestimmt ist. Dann hätten wir wiederum auch das Thema Nachhaltigkeit in Europa in der Hand und könnten selbst bestimmen, mit wem wir zusammenarbeiten und mit wem nicht.“
Ähnlich sieht das Jan Bindig, Vorstandsmitglied von Kiwiko. „Ein vollständiges Decoupling von China in der IT-Branche ist weder realistisch noch wirtschaftlich sinnvoll“, stellt er fest und ergänzt: „Bei kritischen Infrastrukturen und sicherheitsrelevanten Bereichen ist jedoch ein differenziertes De-Risking unerlässlich. IT-Sicherheitslösungen aus dem chinesischen Raum bergen aufgrund potenzieller staatlicher Einflussnahme und mangelnder Transparenz inhärente Risiken. Für diese sensiblen Bereiche sollten wir auf vertrauenswürdige europäische Anbieter setzen, die hohen Sicherheitsstandards und unabhängiger Kontrolle unterliegen.“
Jan Bindig, Vorstand bei kiwiko.
(Bild: Jan Binding)
Ein vollständiges Decoupling von China in der IT-Branche ist weder realistisch noch wirtschaftlich sinnvoll.
Jan Bindig
Die Suche nach alternativen Fertigungsstandorten ist nicht einfach
Auch die Hersteller von Servern und anderer Hardware für Datacenter und Cloud-Anbieter, die als sensible Infrastruktur gesehen werden, suchen vermehrt nach Alternativen zur Fertigung in China. So haben etliche taiwanische OEM-Hersteller wie Foxconn, Pegatron, Wistron, Quanta oder Compal Fabriken in Mexiko aufgebaut, um von dort vor allem den US-amerikanischen Markt zu beliefern. Allerdings ist das nicht ohne Tücken. Denn laut einem Beitrag in der taiwanischen Publikation Digitimes kämpfen sie dort mit Problemen bei der Strom- und Wasserversorgung, dem Mangel an Fachkräften und der grassierenden Bandenkriminalität, die bewaffnetes Sicherheitspersonal nötig macht. Auch Indien ist angesichts der dortigen Bürokratie, dem Mangel an qualifiziertem Personal und protektionistischen Tendenzen als Produktionsstandort schwierig.
China ist zudem eine der wichtigsten Quellen für Rechnerkomponenten und deren Vorprodukte wie Platinen, Chips und Schnittstellen aller Art. Zudem kommen der Löwenanteil der Akkus aus China und es hat vor zwei Jahren Südkorea als wichtigste Quelle für Displays überholt.
Stand: 08.12.2025
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Dirk Henniges, Geschäftsführer, Compass Gruppe
(Bild: Compass Gruppe)
Wir stehen für einen gesunden Wettbewerb, der Innovationen fördert und unseren Kunden die besten Lösungen bietet.
Dirk Henniges
Dirk Henniges, Geschäftsführer der Compass-Gruppe, setzt daher auf das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz der EU. Für ihn bietet es „einen wichtigen Rahmen für die Sicherstellung der Transparenz und Verantwortlichkeit entlang der Lieferketten. Garantien und klare Aussagen unserer Hersteller sind hier unerlässlich, damit die Technologie, die wir nutzen, auch sicher ist“. Einen kompletten Verzicht auf Produkte aus China hält er für unrealistisch und strebt stattdessen nach einem „ausgewogenen Ansatz, der sowohl die technische Leistungsfähigkeit als auch die Sicherheit und Transparenz in der IT-Branche gewährleistet. Nur so können wir die Chancen des digitalen Zeitalters voll ausschöpfen und gleichzeitig die Risiken minimieren.“ Für ihn steht der IT-Channel, „für einen gesunden Wettbewerb, der Innovationen fördert und unseren Kunden die besten Lösungen bietet. Gleichzeitig müssen wir jedoch sicherstellen, dass diese Lösungen frei von technologischen ‚Hintertüren‘ sind, die potenzielle Sicherheitsrisiken darstellen könnten“.
Unterschiedliche Bewertung chinesischer Unternehmen
Die Ausgewogenheit von technischer Leistungsfähigkeit, Sicherheit und Transparenz, die Henniges anspricht, ist ein wichtiger Punkt in der Diskussion um den richtigen Umgang mit China als IT-Großmacht. Hier spiegelt sich auch der Umgang mit chinesischen Unternehmen durch US-Regierung, EU und auch Bundesregierung. So wird beispielsweise Huawei sehr viel kritischer wahrgenommen als Lenovo, immerhin weltweit größter PC-Hersteller. Nur wird Lenovo kaum als chinesisches Unternehmen wahrgenommen.
Dazu sagt Oliver Rootsey, Sales Director for Intelligent Devices & Infrastructure Solutions bei Lenovo, folgendes: „Wir haben zwar chinesische Wurzeln, aber mit unseren eigenen Fabriken, Forschungseinrichtungen und Standorten, die auf der ganzen Welt verteilt sind, sind wir im wahrsten Sinne des Wortes international. Diese internationale Ausrichtung stärkt und hilft uns, flexibel auf Veränderungen im Markt zu reagieren. Lenovo wird in der Branche als globaler Konzern gesehen, der in über 180 Märkten dieser Welt aktiv ist. Headquarter in Europa und den USA unterstreichen unsere Internationalität und sind mit ein Grund, warum wir als Global Player wahrgenommen werden.“
Oliver Rootsey, Director Sales Channel / SMB GAT Lenovo
(Bild: EROL GURIAN 2022 WWW.GURIAN.DE)
Auch die Firmenkultur ist stark durch die Menschen geprägt, die im Zuge der Übernahme der PC- und der x86-Sparte zum Unternehmen gekommen sind. Zudem ist Lenovo als Großkunde und Partner von Intel, AMD, Nvidia und Microsoft eng in das westliche IT-Ökosystem eingebunden.
Huawei wird dagegen viel stärker als chinesisches Staatsunternehmen und als Konkurrent wahrgenommen, der nach Unabhängigkeit von westlicher Technologie strebt und hier sogar die Führung übernehmen will, etwa beim Mobilfunk oder der Entwicklung eigener ARM-Prozessoren. Allerdings wird das Unternehmen durch die US-amerikanischen Sanktionen einen Schritt weit in diese Rolle gedrängt, da es von westlicher Technologie abgeschnitten wird und gezwungenermaßen Alternativen entwickeln muss. Ironischerweise ist Ren Zhengfei, Gründer von Huawei und immer noch graue Eminenz des Unternehmens, ein Bewunderer der europäischen Kultur, was sich auch am zentralen Huawei-Forschungszentrum in Dongguan zeigt.
Diversifizierte Lieferketten sind nötig
Klaus Kaiser, Geschäftsführer der Teccle Group.
(Bild: Teccle Group)
Für Klaus Kaiser, Geschäftsführer der Teccle Group, ist der geopolitische Aspekt im Prinzip nicht neu. Die Diskussion darum wird schon seit Jahren in der IT-Industrie geführt, etwa hinsichtlich der Abhängigkeit von bestimmten Komponenten für Produkte oder der Position der Hyperscaler im Markt. Er sieht in der Diskussion speziell beim Datenschutz und der Datensicherheit „eher einen Fokus auf Regularien, weniger auf die notwendige Innovationskraft und Zusammenarbeit.“ Es brauche diversifizierte Lieferketten, „mehr Innovationskraft in Europa und eine engere Zusammenarbeit innerhalb der Wirtschaft als ein Ökosystem. Die Globalisierung ist nicht zurückzudrehen, wir müssen uns für die nächsten Jahre aufstellen und das Zeitalter der Digitalisierung technologisch, kommerziell und regulativ vorbereiten – das Schlagwort ist hier Ökosystem!“