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Data Literacy Project Datenkompetenz fällt nicht vom Himmel

Autor: Dr. Stefan Riedl

In der Wissenshierarchie heißt es: Das Verständnis von Beziehungen in Daten führt zu Informationen. Das Verständnis von Mustern in Informationen führt zu Wissen. Und das Verständnis von Grundsätzen im Wissen führt zu Weisheit. Datenkompetenz bildet also die Grundlage.

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Wer mit Daten umgehen kann, trifft bessere Entscheidungen im Job.
Wer mit Daten umgehen kann, trifft bessere Entscheidungen im Job.
(Bild: konstruktor1980 - stock.adobe.com)

Unternehmensberater Accenture und Datananalyse-Tool-Hersteller Qlik haben sich in einer Studie mit der so genannten „Datenkompetenz-Lücke“, also mit fehlendem Knowhow beim Umgang mit Daten in Unternehmen, beschäftigt. Manche Ergebnisse der Studie dürfen hinterfragt werden – auch das hat mit Datenkompetenz zu tun. Beispielsweise wurde errechnet, wie viele Arbeitstage durch Mitarbeiter verloren gehen, weil „Aufgaben mit Daten-Bezug“ aufgeschoben werden oder sich aufgrund von „Stress durch Informations-, Daten- und Technologie-Probleme krankmelden“. Daraus wurde dann errechnet, wie viele Milliarden US-Dollar der Produktionsverlust in einzelnen Ländern beträgt.

Krankheitstage und „Aufschieberitis“

In Deutschland wurden dafür 1.000 Mitarbeiter ­befragt. Um den durchschnittlichen Zeitverlust für Organisationen durch datenbedingtes Aufschieben von Aufgaben und durch Krankheitstage mit Daten- und Technologiebezug pro Jahr zu berechnen, wurde die Summe der durch Aufschieben angefallenen durchschnittlichen Arbeitsstunden pro Woche (gemessen an der durchschnittlichen Arbeitswoche in Deutschland mit 46,5 Stunden) zusammen betrachtet mit den durchschnittlichen Krankheitstagen pro Jahr (bedingt durch Daten- oder Technologie-Bezug). Die pro Mitarbeiter verlorene Zeit in Deutschland wurde mit 36 Stunden 52 Minuten pro Jahr berechnet und so ein Produktivitätsverlust von etwa 21,46 Milliarden Euro ermittelt.

Kritische Würdigung

Verrechnet hat sich hier sicherlich niemand. Allerdings darf hinterfragt werden, inwieweit über Umfragen verlässlich ermittelt werden kann, wie viele Aufgaben mit Datenbezug vor sich hingeschoben werden und welche Stressfaktoren letztendlich ausschlaggebend für die Krankmeldungen waren. Die These, dass Datenkompetenz-Lücken nicht gerade von Vorteil sind, dürfte dennoch bejaht werden können, wenngleich das im Grunde genommen ein Allgemeinplatz ist.

Daten-Knowhow aufbauen

Dass Daten-Knowhow ausbaufähig ist, zeigt folgendes Umfrageergebnis: Mit 87 Prozent aller befragten Mitarbeiter weltweit (n = 9.000 Vollzeitmitarbeiter) nimmt das Gros Daten erfolgskritisch für die Arbeit wahr. Allerdings nutzen nur wenige Befragte Daten, um auf deren Grundlage Entscheidungen zu treffen: Nur 25 Prozent der interviewten Mitarbeiter sind der Meinung, dass sie gut auf die effektive Nutzung von Daten in ihrem Job vorbereitet worden sind (in Deutschland sogar nur 14 Prozent). Und nur 21 Prozent haben Zutrauen in ihre eigene Datenkompetenz und in ihre Fähigkeit, souverän mit digitalen Informationen umzugehen – also Daten zu lesen, sie zu verstehen, zu hinterfragen und mit ihnen zu arbeiten (Deutschland unterdurchschnittlich mit 17 Prozent). Darüber hinaus vertrauen nur 37 Prozent der befragten Mitarbeiter ihren Entscheidungen mehr, wenn diese auf Daten basieren (Deutschland: 42 Prozent).

Was sagen die Unternehmensberater?

„Niemand stellt den Wert von Daten in Frage. Aber viele Unternehmen müssen ihren Ansatz zur Verwaltung von Daten, zu deren Analyse und zur datengetriebenen Entscheidungsfindung überdenken. Das bedeutet, den Mitarbeitern passende Werkzeuge, Schulungen und Kompetenzen zur Verfügung zu stellen, so dass sie die Möglichkeiten auch wirklich nutzen können, die sich aus dem Umgang mit Daten ergeben“, so Sanjeev Vohra, Group Technology Officer und globaler Leiter der Data Business Group von Accenture.

Unter https://thedataliteracyproject.org geben Accenture und Qlik konkrete Hilfestellung bei der Frage, wie Datenkompetenz-Lücken in Unternehmen geschlossen werden können.

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Über den Autor

Dr. Stefan Riedl

Dr. Stefan Riedl

Leitender Redakteur