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ITB: Was sind aus ihrer Sicht die wichtigsten Trends, die den ERP-Markt in den kommenden Jahren bestimmen werden?
Gärtner: Man muss hier ganz klar zwischen Trend und Episode unterscheiden. Es werden viele Säue durch’s Dorf gejagt, und wer jeder hinterher läuft, kann kein solides Geschäft betreiben. Das Mega-Thema schlechthin ist in meinen Augen ganz klar der Einfluss des Internets auf die ERP-Software. Die Zukunft liegt in zentral gesteuerten und gehosteten Systemen, bei denen nichts mehr auf Endgeräten installiert wird. Bislang können das die wenigsten ERP-Systeme.
ITB: Moment. Gegenwärtig schicken doch fast alle ERP-Anbieter Produkte ins Feld, die zentral gesteuert werden, darunter beispielsweise auch Branchenriese SAP mit Business By Design…
Gärtner: Business By Design ist doch noch nicht wirklich da. Und ansonsten gibt es kaum einen Anbieter mit einer echten Internetarchitektur wie Semiramis. Mit Hilfsmitteln wie Citrix und Terminal-Servern bekommen Sie tatsächlich alles auf Clients, ohne Anwendungs-Software auf diesen zu installieren. Wenn ich dann aber pro User bis zu 2.000 Euro Mehrkosten für diese Hilfsmittel habe, frage ich mich, wo da der Mehrwert ist. Das Problem ist doch vielmehr, dass für echte Browser-Fähigkeit eine Neuentwicklung der gesamten Software fällig wäre. Und dafür müssten Sie 100 bis 150 Millionen Euro investieren. Ich prophezeie Ihnen, dass das die wenigsten stemmen werden. Das ist übrigens auch unter den Systemhäusern ein großes Thema: Welche Software ist wirklich zukunftsfähig? Gegenwärtig werden die Portfolios der Hersteller kritisch beäugt und auch langjährige Partnerschaften auf den Prüfstand gestellt. Da laufen gerade Gespräche, die man vor ein paar Jahren so noch nicht erwartet hätte.
ITB: Welche weiteren Trends fließen in die gegenwärtigen Produktplanungen ein?
Gärtner: Ich sehe den Einflussfaktor Internet eng verknüpft mit dem zweiten großen Thema „ERP II“, bei dem im Sinne eines Supply Chain Managements auch vor- und nachgelagerte Produktionsstufen, also Kunden und Lieferanten, eingebunden werden. Hier sind Fähigkeiten zur Collaboration gefragt, die Integration von Drittsystemen über Webservices, die einfache Einbindung externer User, und der Kreis zum Thema Internet schließt sich. Außerdem zeichnet sich ab, dass ERP-Software inzwischen als Commodity-Produkt zu sehen ist, also als reines Gebrauchsgut. Wie in der Automobilindustrie auch spielen daher Design, Ergonomie und Usability eine zunehmend wichtige Rolle. Wir sprechen hier auch vom Spaßfaktor eines Systems. Die Usability setzt gewissermaßen den i-Punkt auf moderne Technologie und umfassende betriebswirtschaftliche Funktionalität, über die ein zukunftsweisendes ERP-System verfügen sollte.
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