Wenn Software aus der Wolke kommt

»Cloud Computing« erfordert neue Modelle für das Software-Geschäft

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Erfolgreiches Geschäftsmodell

Betrachtet man nicht den Gesamtmarkt, sondern Einzelfirmen, die sich besonders in diesem Umfeld hervor tun, fällt sofort der Name Salesforce.com ins Auge. Das Unternehmen, das als einer der Vorreiter in diesem Umfeld gilt, hat bereits über eine Million Kunden. Die Internet-Eminenz Google greift indessen mit der Browser-Software »Texte und Tabellen« die Desktop-Hoheit Microsofts an, auch wenn sie an Negativ-Schlagzeilen über etwaige Datenschutz-Mängel zu knabbern hat.

Microsoft hat die Zeichen der Zeit erkannt und setzt selbst auf Software aus dem Internet. Denn Microsoft fährt ein hybrides Modell, bei dem Microsoft-Anwendungen entweder auf Servern vor Ort bereitgestellt werden, oder als IP-basierte Services. Auch eine Kombination beider Möglichkeiten ist vorgesehen. Mit Microsofts Online-Diensten können Unternehmen eMail, Kalenderfunktionen, Kontakte, gemeinsam genutzte Arbeitsbereiche sowie Web- und Videokonferenzen über das Internet nutzen, ohne sich einen eigenen Server oder gar Server-Park aufbauen zu müssen. Microsoft stellt die Online-Services als Suite oder als Einzelangebot zur Verfügung. Im Komplettpaket sind zukünftig Microsoft Office SharePoint Online, Microsoft Exchange Online, Microsoft Office Communications Online, Microsoft Office Live Meeting und Microsoft Exchange Hosted Services enthalten.

Basis aller webbasierten Anwendungen sind die jeweiligen Server-Lösungen. Bereits verfügbar sind die Lösungen Microsoft Search Server 2008 Express und Silverlight Blueprint for SharePoint. Es ist davon auszugehen, dass Microsofts Pläne, die Internet-Größe Yahoo zu kaufen, in diesem Zusammenhang zu sehen sind. Zwar sind die Übernahme-Gespräche inzwischen abgebrochen, aber sollte sich für Microsoft zu einem späteren Zeitpunkt doch noch die Chance für einen Deal ergeben, wird der Software-Riese sicherlich zugreifen.

Die Redmonder haben aber offenbar schon genug Software über die Ladentheke verkauft, als dass sie sich von dem Trend irritieren lassen würden. Microsoft glaubt nicht ans Aussterben lokaler Software und nennt sein Modell deswegen nicht SaaS (Software as a Service), sondern »Software and Services«.

Die Stunde der Namensgebung

Und schon stellt sich die Frage, unter welchem Namen sich die Software aus dem Internet durchsetzen wird? Die Bezeichnung »ASP« des Mietsoftware-Modells, das in den 2000ern scheiterte, kommt als Namenspatron nicht in Frage. Der Begriff »SaaS« wird gerne (noch) gebraucht, allerdings wird er meist nur für Software verwendet, die auf den Browser beschränkt bleibt. In den Vereinigten Staaten ist bereits eine andere Bezeichnung fest etabliert: »Cloud Computing«. Mit ein Grund dürfte sein, dass Informatiker das Internet auf schematischen Darstellungen gerne als Wolke darstellen. Da sich kaum der Begriff »Software aus der Wolke« durchsetzen wird, liegt es nahe, dass auch hierzulande demnächst öfter von »Cloud Computing« die Rede sein wird.

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