Manager-Haftpflicht Chef sein wird immer riskanter

Quelle: dpa

Die Manager-Haftpflicht ist wegen der Vielzahl von Klagen gegen Führungskräfte für viele Versicherer ein unerfreuliches Geschäft. Die Zahl der Risiken ist dabei kräftig gestiegen – auch durch die Corona-Pandemie.

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Aufgrund der stetig steigenden Zahl von Haftungsklagen gegen Manager, bieten viele Versicherungen die „Manager-Haftpflicht“ nicht mehr an.
Aufgrund der stetig steigenden Zahl von Haftungsklagen gegen Manager, bieten viele Versicherungen die „Manager-Haftpflicht“ nicht mehr an.
(Bild: Gajus - stock.adobe.com)

Firmenchefs und Führungskräfte müssen nach einer Analyse der Allianz steigende Risiken durch Haftungs- und Schadenersatzklagen fürchten. Zu den Ursachen zählen die Fachleute des Allianz- Industrieversicherers AGCS unter anderem volatile Märkte mit Gefahr von Vermögensblasen und Inflation sowie einen coronabedingten Anstieg der Insolvenzen.

Weitere Rechtsrisiken für Manager sind laut der Studie die IT-Sicherheit sowie steigende Anforderungen an Unternehmen in Sachen Umwelt, Soziales und Unternehmensführung.

In der Versicherungsbranche heißt die Manager-Haftpflicht „D&O“ – die Abkürzung für „Directors and Officers“. Das Geschäft ist schwierig, manche Versicherer haben sich wegen der zuletzt stetig steigenden Zahlen von Haftungsklagen gegen Manager und der damit verbundenen hohen Kosten bereits aus dem Markt zurückgezogen oder ihre Deckungssummen reduziert.

International könnten laut AGCS coronabedingte Insolvenzen vor allem in Übersee ein Problem werden. In Märkten wie Afrika oder Lateinamerika werde die Zahl der Insolvenzen voraussichtlich schneller ansteigen als in Volkswirtschaften wie Frankreich, Deutschland und den USA, erwarten die Fachleute des Industrieversicherers. Traditionell seien Insolvenzen eine Hauptursache für D&O-Ansprüche.

Cybersicherheitsrisiken

Die ebenfalls von der Pandemie getriebene Beschleunigung der Digitalisierung bedeutet für Unternehmen erhöhte Risiken im Bereich der Cybersicherheit. „IT-Systemausfälle oder Cyberangriffe könnten kostspielige Betriebsunterbrechungen und Mehrkosten verursachen“, sagte AGCS-Manager Stephan Geis. Folge für die Manager eines von Hackern erfolgreich angegriffenen Unternehmens können den Angaben nach etwa Kundenregressforderungen sein, dazu Kosten für Rechtsberatung, Umsatzrückgänge und Geldbußen.

Speziell in den USA steigt nach Einschätzung der AGCS die Neigung, ausländische Unternehmen zu verklagen. Ebenfalls aus den USA stammt ein Trend, der Börsengänge vereinfacht, aber laut AGCS Führungskräfte – beziehungsweise deren Versicherung – teuer zu stehen kommen kann.

Das sind die so genannten „Spacs“, auch bekannt als „Blankoscheck-Unternehmen“. Eine Gruppe von Investoren gründet dabei eine Firma, bringt diese an die Börse, und sucht anschließend nach einem geeigneten Übernahmekandidaten, um diesen mit dem eigenen Firmenvehikel zu fusionieren und ihn so auf einem kürzeren Weg an die Börse zu bringen. Zu den möglichen Stolperfallen dabei zählen laut AGCS Betrugsversuche sowie falsche oder nicht ausreichende Finanzinformationen für Finanzaufsichtsbehörden.

Ein prominentes Beispiel ist Ex-US-Präsident Donald Trump, dessen neu gegründetes Social-Media-Unternehmen über das Blankoscheckunternehmen „Digital World“ an die Börse gebracht werden soll. Kurz nach Bekanntgabe der Pläne schaltete sich bereits die US-Börsenaufsicht SEC ein, US-Medienberichten zufolge werden mögliche Unregelmäßigkeiten geprüft.

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