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Soft & Cloud Blockchain-validierter Lizenztransfer für Gebraucht-Software

Autor: Dr. Stefan Riedl

Fragt man IT-Akteure nach wichtigen Trends in ihrer Branche, fällt der Begriff „Blockchain“ immer häufiger auch abseits des Kryptowährungs-Kontextes. Der Gebraucht-Software-­Händler Soft & Cloud macht bereits Nägel mit Köpfen.

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Gebraucht-Software ist keine Hexerei.
Gebraucht-Software ist keine Hexerei.
(Bild: djvstock - stock.adobe.com)

Dass der Händler von Gebraucht-Software-Lizenzen, Soft & Cloud, seit 2014 den Umsatz „mehr als verdreifacht“ hat, mag hauptsächlich am so genannten Basiseffekt liegen, denn damals wurde die Firma gegründet. Aber immerhin arbeiten inzwischen etwa 100 Vertriebspartner mit dem Unternehmen aus dem münsterländischen Greven zusammen und mit der Einführung von Blockchain-Technologie zur Validierung eines sauberen Lizenztransfers geht das Unternehmen innovative Wege.

„Wir stehen hier noch ganz am Anfang, bislang gab es vielleicht 20 Transaktionen“, räumt Michael Helms, Vorsitzender der Soft & Cloud im Gespräch mit IT-BUSINESS ein. Aber die Resonanz mache deutlich: „Wer sich etwas mit Blockchain und dem Gebraucht-Software-Markt auskennt, dem wird schnell klar, dass hier zusammenkommt, was zusammengehört. Das Potenzial ist riesig“, so der Manager. Das System kommt nicht wie so oft aus den USA „rübergeschwappt“, denn dort gibt es aufgrund der anderen Rechtslage keinen Gebraucht-Software-Markt. „Das haben wir selbst entwickelt“, so Helms.

Die Problematik dahinter

Die Krux bei Gebraucht-Software liegt in der Abgrenzung zwischen illegal vertriebenen Keys und legaler Gebraucht-Software und der Teufel steckt dabei im Detail. Ein ­Gedankenexperiment verdeutlicht die Problematik: Angenommen ein Händler von gebrauchter Software kauft 1.000 Nutzungsrechte einer Software und hat dies gut dokumentiert. Woher weiß der Endkunde, dass dieser Händler auch nur maximal 1.000 Stück weiterverkauft? Nehmen wir an, er verkauft 500 an Kunden A und 500 an Kunden B. Jedem gibt er jeweils eine Kopie seiner Dokumentation über den Erwerb der 1.000 Nutzungsrechte. Wie soll sich der Endkunde sicher sein können, dass er bei einem Software-Audit keine Probleme bekommt, denn schließlich könnte der Gebraucht-Software-Händler 500 weitere Lizenzen an Kunde C mit einer weiteren Kopie seiner Dokumentation verkaufen. Ab dem Zeitpunkt wäre der Vorgang selbst­redend nicht mehr legal und auch für den Gebraucht-Software-Händler ein Risiko aber Endkunden und Reseller brauchen Transparenz durch eine nachvollziehbare Dokumentation.

Der technologische Ansatz

Die Blockchain soll es richten. Soft & Cloud bietet – eigenen Angaben zufolge – „als erster Händler in Deutschland“ die Möglichkeit an, Lizenztransaktionen auf Basis von Blockchain-Technologie validieren zu lassen, so dass aus einem Bündel an Lizenzen durch eindeutige Zuordnungen die beschriebenen, rechtlichen Unsicherheiten minimiert werden. Mit der sogenannten License on Blockchain werden die Lizenzen konsistent abgebildet. Eine unabhängige Zertifizierungsstelle prüft die Konformität der gehandelten Lizenzen und bescheinigt diese in Form eines Zertifikats innerhalb eines Smart Contracts. Das sind Computerprotokolle, die Vertragsinhalte innerhalb von Rahmenvereinbarungen abbilden oder überprüfen. Helms nennt Details: „Die LOB Clearing AG gibt als unabhängige Instanz die gebrauchten Lizenzen zum Weiterverkauf erst frei, wenn alle erforderlichen Dokumente – darunter beispielsweise die Vernichtungserklärung – vorliegen.“

Anonymisierte Lizenzkette

Vertriebspartner können damit Lizenztransaktionen eigenständig abwickeln und benötigen für die Dokumentation dahinter keine Unterstützung mehr durch Soft & Cloud. Die Dauer des Kaufvorgangs soll sich so auf wenige Minuten reduzieren. In einem webbasierten Wallet haben Partner und deren Kunden dabei den Überblick über die erworbenen Lizenzen und können dort die anonymisierte Lizenzkette sowie die zugehörigen Zertifikate einsehen.

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Über den Autor

Dr. Stefan Riedl

Dr. Stefan Riedl

Leitender Redakteur