Wenig Resonanz für das UBA-Umweltzertifikat

Blauer Engel bekommt bei Rechenzentren lahme Flügel

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Was steckt im Engel?

Im Einzelnen müssen Bewerber zunächst die Energie-Effizienz ihrer Infrastruktur durch den Kennwert EUE (Energy Usage Effectiveness) bestimmen und ein dauerhaftes Energie-Management-System auf der Basis von DIN EN ISO 50001 oder EMAS (Eco-Management and Audit Scheme) etablieren. Dadurch werden beispielsweise Beschaffungskriterien für Energie-effiziente Komponenten festgelegt und die Server-Virtualisierung vorangetrieben. Außerdem erfassen solche Management-Systeme die Jahresarbeitszahl des Kühlsystems - eine wichtige Entscheidungshilfe für technische Interventionen im Cooling-Bereich.

Immerhin betreut die TU Berlin derzeit 61 registrierte RZ-Betreiber, die das Online-Benchmark-Tool der FG IKM einsetzen. Nach TU-Angaben betrifft das eine Serveranzahl von zusammen 36278, deren Leistungsverbrauch kontinuierlich erfasst wird. Die Evaluierungsphase dauert etwa vier Wochen und führt zu einem Prüfbericht, den die TU-Mitarbeiter erstellen. Mit diesem Dokument kann man die Erteilung des Umweltzeichens bei der RAL gGmbH beantragen.

Komplexe Vielfalt des System-Designs: Die Infrastruktur von Rechenzentren sind im Einzelfall sehr unterschiedlich. Deshalb sind die Empfehlungen zur Energie-Einsparung keine starren Handlungsanweisungen sondern Hilfestellung zur Umsetzung der Energie-Effizienzmaßnahmen.
Komplexe Vielfalt des System-Designs: Die Infrastruktur von Rechenzentren sind im Einzelfall sehr unterschiedlich. Deshalb sind die Empfehlungen zur Energie-Einsparung keine starren Handlungsanweisungen sondern Hilfestellung zur Umsetzung der Energie-Effizienzmaßnahmen.
(Bild: CoM-IT/Drexel University)
Neben den betriebswirtschaftlichen Vorteilen ist es vor allem der Image-Gewinn, den sich RZ-Betreiber von einem blauen Siegel versprechen. Angesicht der Klimadiskussionen und der Ressourcenverknappung wächst das Umweltbewusstsein in den Anwenderunternehmen.

Grün ist Bestandteil der Unternehmenspolitik

In der Corporate Governance vieler Unternehmen findet sich immer häufiger der Hinweis auf einen nachhaltigen Betrieb. Die Botschaft der Umweltengel könnte eher verfangen und Vertrauen zwischen den Geschäftspartnern schaffen.

Den Vergleich mit diversen Bio-Siegeln im Supermarkt weist Rossol entschieden zurück. Der Erecon-Chef pocht darauf, dass hier kein dubioses Limbo-Siegel im Umlauf ist, sondern ein wissenschaftlich fundiertes Zertifikat. „Das setzt einen neuen Standard in der Zertifizierung und dokumentiert einen echten Mehrwert – weil es eben nicht nur dem Marketing dient, ein buntes Etikett auf ein Produkt zu pappen“, betont Rossol.

Blaue Engel auf internationaler Mission

Nach anderen Einschätzungen fällt es dem Umweltengel vor allem im internationalen Umfeld sichtbar schwer, sich durchzusetzen. Beispielsweise pflegt die Green Data Center Alliance bereits seit November 2010 ein eigenes Data Center Energy Efficiency Framework (DCEEF). Seit letztem Jahr ist die European Datacentres Association (EUDCA) unterwegs, die auf europäischer Ebene nicht nur Lobby-Arbeit für die DC-Branche gegenüber den Regulierungsaktivitäten der EU-Kommission betreibt, sondern auch europaweite Zertifizierungen und Standards für Rechenzentren durchsetzen will.

Die Eudca-Aktivitäten richten sich vor allem gegen die Dominanz der US-Zertifizierer, die nach wie vor die Maßstäbe für effiziente Rechenzentren setzen und sich das auch teuer bezahlen lassen.

Der Autor:

Andreas Beuthner aus Gauting ist freier Fachautor.

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